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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Schwarzer Rauch

Schwarzer Rauch: 1 (Darian & Victoria) - Stefanie Hasse

Story:
Jede Nacht träumt Victoria von Darian, obwohl es in ihrem Leben nur ihren Lebenspartner Alex gibt. Als sie eines nachts den Blutmond im Garten ihres Hauses beobachtet, kommen ausgelöschte Erinnerungen zurück – an ihre Bestimmung als „Kind des Mondes“, die unvorstellbare Fähigkeiten, die ihr vom Mondgott geschenkt worden sind und die Ausbildung, die sie für ein Jahr mit anderen jungen Männern und Frauen beschritten hat, um ihre Kräfte kontrollieren zu lernen und für das Gute einzusetzen. Doch da ist auch die Erinnerung an Darian, mit dem sie eine tiefe Liebe verbindet und den sie in ihren Träumen stets hat sterben sehen und von dem sie nicht weiß, ob er überhaupt noch lebt …

 

Eigene Meinung:
Mit „Schwarzer Rauch“ legt Stefanie Hasse eine Neuauflage ihres, bei BOD erschienen, Romans „Erben des Mondes: Grimoire lunaris“ vor, der sich vorwiegend an Romantic Fantasy Fans richtet. Gleichzeitig handelt es sich um den Auftakt der Trilogie „Kinder des Mondes“ und beleuchtet die Ausbildung der frischgebackenen Kinder des Mondes, zu denen Victoria, ihre Freundin Sina und Damian gehören, sowie das Kennenlernen von Victoria und Damian. Auch werden die Hintergründe rund um die Mondstätten, die alten Legenden und die Kinder selbst beleuchtet, die dem Roman einen fantasievollen und facettenreichen Rahmen geben. Stefanie Hasses Grundidee ist durchaus interessante und wird durch viele kleinere Ideen und einiger guter Nebenstränge ausgeschmückt und erweitert. Dadurch ist die Hintergrundwelt sehr komplex und weiß zu faszinieren, was die Stärken des Romans ausmacht.

 

Allerdings fehlt der Autorin Zeit die Handlung kontinuierlich voranzutreiben. Das Hauptproblem ist das zu schnelle, sprunghafte Abarbeiten der Geschichte, um auf das Finale hinzuarbeiten, das leider überhaupt nicht vorkommt. Dabei handelt es sich nicht um einen Cliffhanger, um auf der zweiten Band „Düstere Schatten“ vorzubereiten, sondern die Endschlacht findet gar nicht statt, wird komplett vertragt oder gänzlich abgesetzt. Das hat mich am Ende wirklich gestört, beinahe ebenso sehr wie die stenohafte Zusammenfassung der Handlung am Anfang.
Als Leser hat man keine Chancen Victorias Leben bei den Mondkindern wirklich kennenzulernen – sie kommt in die Mondstätte in Ulm, wird ausgewählt und mit einem Talent bedacht und beginnt ihre Ausbildung. Gerade diese wird überhaupt nicht beleuchtet. Es gibt keine Szene, in der die jungen Mondkinder lernen, kein wirkliches Zusammenleben und Kennenlernen. Mit großen Zeitsprüngen wird hier dem Leser das vorenthalten, was dafür sorgt die Charaktere kennenzulernen und nachvollziehen zu können. Da Stefanie Hasse gerade auf diese Punkte verzichtet und sie nur kurz anreißt, baut sich kaum eine Verbindung zu Victoria auf. Man lernt sie kaum kennen, kann sich nur schwer mit ihr identifizieren. Auch die Liebe zwischen Darian und ihr kommt zu abrupt – in der einen Szene reden sie kaum miteinander (bzw. es gibt keinerlei gemeinsame Aktivitäten), drei Seiten später sind sie in wilder Liebe entbrannt. Da fehlt eindeutig das Kennenlernen, das Kribbeln, das eine solche Liebe nachvollziehbar macht. Dadurch wirkt die eingeflochtene Liebesgeschichte aufgesetzt und passt nicht wirklich zur Geschichte.

 

Wie bereits erwähnt sind die Charaktere schwer nachvollziehbar und bleiben eher oberflächlich. Man lernt weder Victoria, noch Damian, Sina und die anderen Figuren kennen. Zudem stört es, dass Victoria im Laufe der Zeit zu einer Mary-Sue mutiert. Sie ist die Auserwählte, die die meisten Fähigkeiten erhält. Zumeist braucht sie nicht viel Übung, um einen Zauber zu meistern (was auch nur mein Eindruck sein kann, da eben der Lernprozess nicht gezeigt wird), wird mit immer stärkeren Fähigkeiten bedacht und entwickelt sich mehr und mehr zur Anführerin der Gruppe. Irgendwie wird sie im Laufe der Handlung immer perfekter und mächtiger – es fehlt irgendwie an negativen Eigenschaften oder Charakterzügen, die zeigen, dass sie nicht perfekt ist.
Darian bietet dahingehend mehr Tiefgang, auch wenn seine Hintergründe zu schnell offenbart werden. Als Sohn eines Hexenmeisters ist er ein guter Gegenpol zu Victoria und passt gut zur Rahmengeschichte. Seine Sicht auf die Ereignisse ist interessant und bietet Abwechslung, auch wenn ich grundsätzlich nicht von den Perspektivwechseln begeistert war. Stefanie Hasse bringt das Buch um einige spannende Szenen und gut durchdachte Hintergrundelemente, da sie durch den Wechsel zu Darian, und später zu anderen Nebencharakteren, viel zu viel verrät. Sie offenbart dem Leser Pointen, interessante Wendungen und gibt bereits die Lösung für Fragen und Ereignisse, die man später hätte einbauen können. Dadurch verliert „Schwarzer Rauch“ spürbar an Schwung. Es wäre besser gewesen, wenn Victoria all das selbst entdeckt hätte und der Leser mit ihr, um eine kontinuierliche Spannungskurve aufzubauen.

 

Stilistisch ist der Roman gut gelungen. Stefanie Hasse hat einen angenehmen Stil, der gut zur Handlung passt. Sie hat einen Faible für Beschreibungen und Details, was man bei den ausführlichen Darstellungen der Mondstätten und der Hintergründe merkt. Hier liegen klar ihre Stärken. Allerdings mangelt es am Gefühl für die Charaktere. Während die äußere Welt akribisch beschrieben wird, fehlen dem Leser den Blick ins innere der Figuren. Obwohl die Autorin die Ich-Perspektive gewählt hat, erfährt man sehr wenig zu Victorias Gefühlswelt. Klar gibt es einen kurzen Hinweis, wenn die Heldin Angst hat, Darian vermisst oder ihr die Situation über den Kopf wächst. Doch das reicht nicht, um sich wirklich mit ihr zu identifizieren. Sie berührt nicht, man erlebt ihre Ängste, Sorgen und Probleme nicht. Dadurch wird sie ungreifbar, was auch die Liebe zu Darian mit einschließt und unglaubwürdig macht.


Der sprunghafte Stil am Anfang, in der viele Dinge nur kurz angeschnitten und dann wieder vergessen werden, sowie einige Logiklöcher sorgen dafür, dass sich gerade die erste Hälfte des Buches ein wenig in die Länge zieht. Man stolpert immer wieder, insbesondere wenn Zeitsprünge eingebaut sind, oder eine Erklärung nicht ganz passt bzw. unlogisch anmutet. Die erwähnten Perspektivwechsel verwirren ebenfalls. Wenngleich zu Beginn eines Kapitels der Name steht, aus dessen Sicht erzählt wird, vergisst man das schnell beim Lesen, da alles aus der Ich-Perspektive erzählt wird.

 

Fazit:
„Schwarzer Rauch“ ist ein gutes Debütwerk, das jedoch mit einigen Schwächen aufwartet. Die Grundidee, die Ausarbeitung der Welt und die Rahmenhandlung sind durchaus interessant und sprühen vor Fantasie, die Charaktere und die eigentliche Geschichte, die Stefanie Hasse erzählt, können leider nicht ganz überzeugen. Hauptproblem sind die Sprünge in der Geschichte und der Mangel an Kontinuität. Die Handlung schreitet einfach zu schnell voran, besonders in der ersten Hälfte und gibt dem Leser so kaum Möglichkeiten sich in das Geschehen hineinzudenken und mit den Figuren zu identifizieren. Es wäre besser gewesen, wenn sich die Autorin im ersten Buch rein auf die Ausbildung und damit auch die Liebesgeschichte zwischen Victoria und Damian konzentriert hätte und die restlichen Punkte im zweiten Band aufgegriffen hätte. Dann wäre „Kinder des Mondes“ vielleicht keine Trilogie mehr, aber es hätte den Figuren und der Handlung gut getan.

Quelle: http://www.like-a-dream.de