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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Die Bücherdiebin

Die Bücherdiebin - Markus Zusak, Alexandra Ernst

Story:
Drei einschneidende Ereignisse prägen die neunjährige Liesel Memminger im Winter 1939: Sie begegnet erstmals dem Tod, der ihren Bruder Werner mit sich nimmt, sie stiehlt das Buch "Der Totengräber" und sie kommt zu einer Pflegefamilie nach Molching, nahe München. Hier lebt sie bei Hans und Rosa Hubermann und lernt in dem gleichaltrigen Rudi Steiner einen Freund fürs Leben kennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten lebt sie sich ein, entdeckt ihre Liebe zu Büchern und findet in dem beginnenden Wirren des zweiten Weltkrieges ein Stückchen Glück. Als eines Tages der jüdische Faustkämpfer Max Vandenburg auftaucht und Hans Hubermann an ein altes Versprechen erinnert, ändert sich alles …

 

Meinung:
"Die Bücherdiebin" stammt von Markus Zusak und erschien 2005 als Roman für junge Erwachsene in Australien. 2006 brachte der Knopf Verlag das Buch in den USA heraus. In Deutschland sicherte sich CBJ die Rechte und veröffentliche 2008 die Geschichte um Liesel Memminger. Seitdem steht "Die Bücherdiebin" seit über 250 Wochen in den amerikanischen Bestsellerlisten und hat unzählige Preise gewonnen, darunter auch so namenhafte Auszeichnungen wie den Buxtehuder Bullen und den deutschen Jugendliteraturpreis.

Der Australier Markus Zusak, der deutsch-österreichische Wurzeln besitzt, schrieb "Die Bücherdiebin" basierend auf Erzählungen seiner Eltern, die als kleine Kinder das dritte Reich hautnah erlebten. So ist es kaum verwunderlich, dass sich zwei Szenen im Buch wiederfinden, die auf realen Ereignissen beruhen - das Bombardement von München und den Marsch der Juden nach Dachau.

 

Dennoch ist die restliche Geschichte fiktiv, findet sie doch in dem nicht realen Ort Molching statt, in der Liesel Memminger bei der Familie Hubermann aufwächst. Markus Zusak gelingt es ein sehr reales, authentisches Bild einer Zeit zu zeichnen, die sich heutzutage kaum noch nachvollziehen lässt. Der Leser taucht in die Himmelstraße ein, lernt all die skurrilen und außergewöhnlichen Figuren kennen und erlebt die Zeit des beginnenden Weltkrieges hautnah. Jeder Charakter ist mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet, sei es Liesel, die durch ihren Ziehvater ihre Liebe zu Büchern entdeckt und immer wieder welche stiehlt oder vor dem Feuer rettet; ihr bester Freund Rudi Steiner, der sich für Jesse Owens hält und sich nichts sehnlicher als einen Kuss von Liesel wünscht oder ihr Ziehvater Hans Hubermann, der gutmütige, großherzige Anstreicher, der mehrere Jahre den jüdischen Faustkämpfer Max Vandenburg in seinem Keller versteckt. Sie alle sind so real und lebendig, dass man sie beinah anfassen kann.

 

Die Geschichte, die man aus Sicht eines Kindes kennenlernt, ist schrecklich und tragisch, zeitgleich aber auch schön und anrührend. Markus Zusak versteht es über eine Zeit zu schreiben, ohne mit erhobenem Zeigefinger darüber zu urteilen. Er berichtet behutsam und einfühlsam über das, was geschieht, greift ein Schicksal unter vielen heraus und erschafft damit einen Roman, der unter die Haut geht.

 

Um dies zu erreichen hat Markus Zusak den ungewöhnlichsten und doch sinnvollsten Erzähler gewählt - den Tod. Der Leser sieht nicht durch Liesels Augen, sondern durch die des Gevatters, dem das Mädchen bereits auffällt, als ihr Bruder stirbt und der immer wieder in Liesels Nähe ist, ohne sie mit sich zu nehmen. Mithilfe von Liesels Autobiographie, die ihr das Leben rettet, berichtet er auf seine Art von einer Seele, die ihm ans Herz gewachsen ist. Und der Tod hat ein überraschend großes Herz, mag den Krieg nicht und verabscheut es die Seelen der Menschen einzusammeln.

 

Mit diesem ungewöhnlichen Erzähler gelingt Markus Zusak ein stilistischer Kunstgriff. So beschreibt der Tod beispielsweise eine Szenerie vordergründig mit Farben oder er gibt Hinweise auf das Schicksal, dass Liesel Memminger erwartet, da er nicht kontinuierlich erzählt, sondern immer wieder auf das Ende vorgreift.

 

Stilistisch gesehen ist Markus Zusaks Schreibstil sehr ausgereift und mitreißend. Er hat ein ungewöhnliches Händchen für die Sprache, versteht es mit Worten zu spielen und im Kopf des Lesers die Welt so real aufzubauen, dass man ohne Probleme in das Jahr 1939 eintaucht. Dabei beschränkt er sich nicht auf Altbewährtes, sondern kreiert neue Wortschöpfungen und baut gänzlich neue Satzkonstellationen. Die Kapiteleinteilungen sind ebenso ungewöhnlich, wie die Einschübe und Erläuterungen des Todes. Zudem gibt es die beiden Bücher, die Max Vandenburg für Liesel gezeichnet hat, und die direkt in die Kapitel eingewoben sind.

 

Markus Zusak schreibt pompös, ohne jemals ins Schwülstige abzurutschen, ergreifend, ohne wirklich kitschig zu sein und nachdenklich, ohne dem Leser ein Urteil aufzuzwingen. All das macht "Die Bücherdiebin" zu einem Meisterwerk, das man kaum aus der Hand legen kann und das so sehr zu Herzen geht, dass man Taschentücher griffbereit haben sollte.


Fazit:
„Die Bücherdiebin“ ist wundervolles Buch für Jugendliche und Erwachsene, das zu Recht die Bestsellerlisten gestürmt und mit Preisen überhäuft wird. Die wundervollen Charaktere, die tragische und berührende Geschichte und der mitreißende Schreibstil von Markus Zusak machen dieses Werk zu einem absoluten Muss. Uneingeschränkt empfehlenswert.