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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Eine Randbemerkung

Die Blechdose - Anna Doe, Kim Fielding

Story:
Nach der Scheidung von seiner Frau hält William nichts mehr in der Großstadt. Daher nimmt er das Angebot an, während der Arbeit an seiner Dissertation in einer alten, verlassenen Irrenanstalt in der Nähe der dörflichen Gemeinde Jelley‘s Valley als Hausmeister zu arbeiten. Als er während seiner Streifzüge durch das alte Gebäude zufällig auf eine Blechdose stößt, die in einer Wand versteckt ist, findet er Briefe des ehemaligen Anstaltsinsassen Bill, der wegen sexueller Perversion und Homosexualität Ende der 30er Jahre eingeliefert wurde. William erfährt schreckliches, findet aber zeitgleich durch Bills Briefe den Mut zu sich selbst und seiner eigenen Sexualität zu stehen. Dabei hilft ihm auch der junge Colby, den er in Jelley’s Valley kennenlernt und für den er bald mehr als Freundschaft empfindet …

 

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Blechdose“ stammt aus der Feder Kim Fieldings, die bereits etliche Gay Romane in den Staaten bei Dreamspinner Press veröffentlicht hat. Bereits 2014 erschien ihr sensibler und eindringlicher Roman „Die Blechdose“ in deutscher Übersetzung bei Dreamspinner, weitere Romane sind u.a. beim Cursed Verlag erhältlich („Bones“-Reihe).

 

Die Geschichte ist sehr eindringlich und stimmungsvoll, was vor allem an Bills Briefen liegt, die auf erschreckende Weise das Leben in der Irrenanstalt wiederspiegeln. Es steht außer Frage, dass viele der dort beschriebenen Behandlungsmethoden wirklich bei Homosexuellen angewandt wurden und vorab von der Autorin recherchiert wurden, was den Leser natürlich trifft und zum Nachdenken bringt. Nicht nur William geben die Briefe zu denken, auch dem Leser macht es zu schaffen, was Bill passiert ist und wie schrecklich noch vor wenigen Jahrzehnten mit schwulen Männern oder anderen psychisch kranken Menschen umgegangen wurde. Neben dem relativ harten Stoff rund um Bill, bekommt der Leser aber auch eine schöne Liebesgeschichte präsentiert, denn mit Colby bringt Kim Fielding einen sympathischen Gute-Laune-Charakter ins Spiel, der einen guten Konterpart zu Bills Briefen und der allgemein eher düsteren Grundstimmung bildet (denn auch William hat an einigen Dingen zu knabbern, die dem Schicksal von Bill nicht unähnlich sind). Diese gelungene Mischung sorgt dafür, dass das Buch nicht nur eine negative Grundstimmung hat, sondern vermittelt auch ein positives Feeling, insbesondere, wenn man vergleicht, wie sehr sich die Zeiten geändert haben und welch große Schritte in den letzten Jahrzehnten im Hinblick auf Akzeptanz und Gleichberechtigung unternommen wurden.

 

Die Figuren sind sehr sympathisch und überzeugend in Szene gesetzt. Man schließt sowohl den etwas reservierten, unsicheren William als auch den fröhlichen, offenen Colby ins Herz, die ein wenig länger brauchen, um sich aufeinander einzulassen. Ganz besonders berührt den Leser jedoch Bill, den man nur aus einigen wenigen Briefen kennt, der jedoch einen tiefen Eindruck hinterlässt. Insgesamt hätte man gerne mehr über ihn und seinen Freund Johnny erfahren (sprich die Passagen aus der Zeit Ende30/Anfang 40 hätten umfangreicher sein können), doch das hätte man nur schwer umzusetzen können – von daher hat Kim Fielding mit den Briefen einen passenden Weg gewählt, um Bills Geschichte zu erzählen.

 

Stilistisch ist „Die Blechdose“ sehr gelungen – die Autorin hat einen sehr schön, stimmungsvollen Stil, der dafür sorgt, dass man als Leser immer nah bei William ist, aus dessen Sicht erzählt wird. Man kann sich gut in ihn hineinversetzen und seine Ängste und Sorgen nachvollziehen. Ganz besonders gelungen sind Bills Briefe, die einem unter die Haut gehen, ebenso die Dialoge und die Umschreibungen der alten Anstalt. Letztere hätten gerne noch ein wenig ausführlicher sein können, damit man sich die Umgebung noch besser hätte vorstellen können.

 

Fazit:
Kim Fielding legt mit „Die Blechdose“ eine wundervolle, zutiefst berührende Geschichte vor, die unter die Haut geht und zum Nachdenken anregt. Dank der sympathischen Charaktere und dem gekonnten Wechsel zwischen Vergangenheit und heutiger Zeit, kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen und kommt nicht umhin am Ende eine Weile über die Geschichte nachzudenken. Wer ernste Romane mit historischem Hintergrund mag, sollte sich „Die Blechdose“ nicht entgehen lassen – im Grunde sollte man sie jedem zum Lesen geben, der noch heute der Meinung ist, Homosexualität sei eine Krankheit und heilbar.

Quelle: http://www.like-a-dream.de