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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Großstadtgefühle

Großstadtgefühle - Jannis Plastargias

Story:
Zurück in Berlin beginnt für Jonas ein neuer Lebensabschnitt. Neue alte Freunde, das pulsierende Großstadtleben und die Fernbeziehung mit Paul, sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Auch die Freundschaft zu Carl, der zusammen mit Jonas einer Theatergruppe angehört, bringt ein im Laufe der Zeit immer mehr Chaos mit sich, denn Jonas kann sich dem charismatischen, jungen Mann nur schwer etwas entgegen setzen. Dennoch will er Paul treu bleiben, rechnet aber nicht mit Carls Gefühlen, die schnell in Besessenheit umschlagen und sowohl Jonas als auch Paul in ernsthafte Schwierigkeiten bringen …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Jugendroman „Großstadtgefühle“ legt der Frankfurter Autor Jannis Plastargias die Fortsetzung seines Debüts „Plattenbaugefühle“ vor. Der Roman erschien 2014 bei Michason & May und umfasst 200 Seiten. Er führt die Geschichte von Jonas und seinen Freunden weiter, daher ist es ratsam vorab den im Größenwahn Verlag erschienen ersten Teil der „Jonas“-Reihe zu lesen. Eine Fortsetzung findet die Geschichte in „Rauschgefühle“, das 2016 herausgekommen ist.

 

Die Geschichte setzt grob da an, wo „Plattenbaugefühle“ endete – Jonas ist wieder in Berlin und mit Paul, den er während der Flucht seines Exfreundes Afyon kennengelernt hat, sehr glücklich. Lediglich die Tatsache, dass Paul noch in München lebt, trübt die Beziehung zwischen den beiden Jungen ein wenig, doch Jonas findet in seinem besten Freund Fabian und dessen Freundin, ebenso in seiner Familie Unterstützung.
Thematisch geht es in „Großstadtgefühle“ um Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Jannis Plastargias legt einen typischen Entwicklungsroman vor, in dem die Charaktere erwachsen werden müssen. Im Zentrum steht natürlich Jonas mit seinen Problemen, aber auch Paul, Carl und Afyon (der aber nur am Rande vorkommt) werden beleuchtet. Da das Thema Ausländer und Integration nicht so sehr vorkommen, wie im ersten Teil der Reihe, ist „Großstadtgefühle“ lockerer und nicht ganz so problembehaftet. Natürlich haben Jonas und Paul gegen einige Schwierigkeiten anzukämpfen, gerade Carl entpuppt sich als größeres Ärgernis, als es den Anschein hat. Dafür gibt der Autor einen sehr guten Einblick in die schwule Szene, die in Berlin entsprechend gut etabliert ist. So finden reale Orte Erwähnung und auch die Art und Weise, wie sich die Hauptcharaktere verhalten wirkt sehr authentisch und realistisch.

 

Jonas ist ein liebenswerter Charakter, den man auch im zweiten Teil schnell ins Herz schließt und gern begleitet. Die Tatsache, dass er sich recht schnell von anderen jungen Männern einwickeln lässt, passt zu einem Teenager in seinem Alter, immerhin ist jeder 16-jährige experimentierfreudig und neugierig. Dass Jannis Plastargias seine Helden nicht zu den typischen Gay Romance-Charaktere stilisiert ist angenehm, denn auf diesem Weg wirken sie nachvollziehbar und realistisch. So sind auch Paul und Afyon sehr gut dargestellt, selbst Carl kann man bis zu einem gewissen Grad gut verstehen.

 

Stilistisch hat sich Jannis Plastargias stark verbessert – die langen Schachtelsätze gibt es kaum noch, ebenso sind die Dialoge wesentlich stimmiger und in sich schlüssiger. Das Buch lässt sich wesentlich besser lesen als „Plattenbaugefühle“. Der Autor hat ein gutes Gespür für jugendliche Charaktere und eine passende Darstellung ihrer Probleme – es macht Spaß den Roman zu lesen und mit Jonas, Paul und den anderen Berlin zu entdecken. Auch Erotik scheut Jannis Plastargias nicht, jedoch kommen entsprechende Szenen eher am Rande vor und nehmen nur einen kleinen Teil der Handlung ein. Wenn dann sind die Szenen aber sehr ansprechend geschrieben und wirken vollkommen natürlich.

 

Fazit:
„Großstadtgefühle“ ist eine gelungene Fortsetzung von Jannis Plastargias‘ Debüt und kann durch eine in sich schlüssige Handlung und authentische Charaktere überzeugen. Stilistisch ist das vorliegende Jugendbuch wesentlich stimmiger, als der erste Teil der „Jonas“-Reihe, so dass man den Roman Lesern von „Plattenbaugefühle“ empfehlen kann. Wer mit diesem Roman in Jannis Plastargias „Jonas“-Reihe einsteigen möchte, kann dies problemfrei machen, dennoch empfehle ich zum besseren Verständnis vorher den ersten Teil zu lesen. Es lohnt sich.

Quelle: http://www.like-a-dream.de