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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Nur drei Worte

Nur drei Worte - Becky Albertalli, Ingo Herzke

Story:
Seit Monaten tauscht sich Simon via Mail mit dem geheimnisvollen Blue aus, von dem er nur weiß, dass er an seine Schule geht und ebenfalls schwul ist. So schreiben sie sich nicht nur die intimsten Dinge, Simon entwickelt auch Gefühle für seinen mysteriösen Gesprächspartner, der ihn besser versteht als jeder andere. All das droht zu enden, als eines Tages Simons Mitschüler Martin per Zufall über den Mailverkehr stolpert und die Gelegenheit ergreift Simon zu erpressen. Martin hat nämlich ein Auge auf Abby geworfen, die mit Simon befreundet ist. Notgedrungen lässt dieser sich darauf ein, doch als die Verkupplungsversuche scheitern, geht Martin mit seinem Wissen auf unschöne Art und Weise an die Öffentlichkeit. Plötzlich ist Simon nicht nur geoutet und darf sich mit seinen Freunden, seiner Familie und seinen Mitschülern herumschlagen, er will auch endlich Blue kennenlernen, in den er sich verliebt hat …

 

Eigene Meinung:
Mit „Nur drei Worte“ veröffentlicht Carlsen das beliebte Jugendbuch „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli, die als Psychologin mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeitet und mehrere Jahre eine Gruppe für Kinder mit abweichender Gender-Identität geleitet hat. „Nur drei Worte“ ist das Debüt der Autorin.

 

Die Geschichte dreht sich vollkommen um Simon und seine kleineren und größeren Probleme. Das umfasst Simons schulischen Alltag, seinen Freundeskreis, seine Familie und natürlich den Mailverkehr mit Blue, der ein zentrales Handlungselement ist. Becky Albertalli gelingt es schon auf den ersten Seiten zu fesseln, da sie sehr authentische, sympathische Charaktere entwirft. Man kann sich sehr schnell mit Simon identifizieren, der nicht geoutet ist und ausgerechnet von dem nerdigen Martin unter Druck gesetzt wird. Die Tatsache, dass er mit der Zeit Gefühle für Blue entwickelt, hat einen besonderen Reiz, da sich Simon nicht in Äußerlichkeiten verliebt, sondern seinen Gesprächspartner auf einer vollkommen anderen Ebene kennenlernt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Mails immer intimer und direkter werden, denn auch Blue scheint an Simon interessiert zu sein, wenngleich er ein Treffen stets ablehnt.
Neben dem Mailverkehr, spielt auch Simons erzwungenes Coming-Out eine große Rolle, denn natürlich ist es interessant, wie seine Familie und seine Freunde darauf reagieren. Hier gelingt es Becky Albertalli einmal mehr die einzelnen Charaktere sehr realistisch und nachvollziehbar in Szene zu setzen: seien es Simons Eltern und Schwestern, seine Freunde Leah, Abby und Nick: sie reagieren teils witzig, teils überrascht, aber niemals wirklich aufgesetzt. Auch webt Becky Albertalli aktuelle Probleme und Jugendthemen in die Geschichte ein, beispielsweise Facebook, WhatsApp und die damit verbundenen Probleme, denn Simon wird via Tumblr geoutet.

 

Positiv ist auch, dass sich Becky Albertalli nicht nur auf die LGBT-Komponente stürzt, sondern auch allgemeine Dinge anschneidet, die für Simon eine Rolle spielen: seine Freunde, allen voran Leah, die sich teilweise von ihm zurückzieht, Abby, die neu in die Stadt gezogen ist und als Schwarze in einer anderen Gegend wohnt und Nick, der einerseits von Leah angehimmelt wird, aber selbst in Abby verliebt ist. Es ist angenehm, dass es nicht nur um Simon geht, sondern auch die vielen anderen Charaktere beleuchtet werden. Das macht „Nur drei Worte“ so mitreißend und sorgt dafür, dass man sich mit den vielen Figuren identifizieren kann. Das trifft auch auf Charaktere wie Martin zu, denn selbst wenn er derjenige ist, der Simon erpresst, so ist er doch sympathisch, sobald man ihn näher kennenlernt.

 

Stilistisch legt Becky Albertalli ein wundervolles Coming-of-Age Jugendbuch vor, das den Nerv der jugendlichen Leser trifft. Sie hat eine sehr schöne, schlichte Sprache, die sich gut lesen lässt und die gewählte Ich-Perspektive sorgt dafür, dass man sich sehr gut mit dem Helden identifizieren kann. Die Kapitel wechseln zwischen Simons Leben und den chaotischen Ereignissen, und dem Mailverkehr mit Blue. Letzterer ist sehr schön umgesetzt, da er weder kitschig noch aufgesetzt wirkt, sondern einfach nur zu zwei 17-jährigen Jungs passt, die sich auf diese Art näherkommen.

 

Fazit:
„Nur drei Worte“ ist ein wundervoller, sehr authentischer Coming-of-Age Roman, der durch realistische Charaktere und eine stilistisch ansprechende Umsetzung besticht. Becky Albertallis Debüt bietet inhaltlich zwar nichts Neues, doch das stört nicht, da man mit den Charakteren mitfiebern kann und gerade Simon schnell ins Herz schließt. Wer Jugendbücher mag, sollte einen Blick riskieren, ebenso Jugendliche ab 14, die offen für das Thema LGBT sind. Sehr zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de