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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Alles nur Kulisse

Alles nur Kulisse - Ina Steg

Story:
Einmal hinter die Kulissen eines Filmsets blicken – für Liesa geht dies in Erfüllung, als sie die Stelle der Assistentin der beliebten Soap Opera Darstellerin Ashley Morten ergattert. Fortan ist es ihre Aufgabe sich um die Schauspielerin zu kümmern und in allen Belangen zu unterstützen. Obgleich die Arbeit stressig ist, findet sich Liesa schnell zurecht und kommt Ashley schon bald näher. Die beiden Frauen ziehen nicht nur zusammen, um ihre Tagesabläufe anzugleichen, Ashley nimmt Liesa auch zu einer seltsamen Organisation mit, die sich darauf spezialisiert hat, Menschen zum Erfolg zu führen. Hierfür soll Liesa die Rolle der Gefährtin annehmen, um Ashley noch intensiver zu unterstützen. Doch der zunehmende Druck wirkt wie Gift auf Ashleys Karriere, insbesondere da sie Konkurrenz in Form einer neuen Darstellerin der Soap Opera bekommt. Zudem hat Liesa das Problem, dass sie sich zu Ashley hingezogen fühlt, und diese zumindest einige heimliche Affären mit Frauen hat, seitdem sie mit ihrer Assistentin zusammenlebt …

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Alles nur Kulisse“ präsentiert die Autorin Ina Steg im Ylva Verlag ihr Debüt. Neben dem Roman liegt noch die Kurzgeschichte „12Tage“ vor, die nur als eBook zu haben ist.

Die Geschichte kommt düsterer und ernster daher, als die üblichen, lockerleichten Romane (wie z.B. von JAE) des Verlags. So ist die Handlung in der Zukunft angesiedelt und es geht nicht nur rein um die Beziehung zwischen den Figuren, sondern um den Erfolgsdruck und die als Verein getarnte Sekte, die ab der Hälfte eine größere Rolle spielen. Auch die allgemeinen Hintergründe und der Klappentext versprechen eine Mischung aus Spannung, Dramatik und Gefühl. Leider gelingt es Ina Steg fast gar nicht den Anforderungen gerecht zu werden. Dafür bleiben zu viele im Dunkeln oder werden fas gar nicht aufgeklärt. An erster Stelle bleibt die Frage, warum die Geschichte überhaupt in der Zukunft angesiedelt wurde, wenn nichts darauf schließen lässt: keine Beschreibungen deuten dies an und für die Handlung ist der Umstand, dass wir das Jahr 2024 haben, auch nicht wichtig. Dann gehört Liesa am Anfang einer Gruppe an, die sich heimlich für die Stadt engagiert, sprich Schmierereien entfernt und den Park nachts säubert. Dies wird gleich zu Beginn des Buches beschrieben, spielt dann jedoch keine Rolle mehr. Warum diese Punkte nicht einfach gestrichen wurden, ist dem Leser ein Rätsel, denn sie werfen nur Fragen auf.

Dafür beschäftigt sich Ina Steg sehr ausgiebig mit dem Alltag am Filmset und der seltsamen Sekte, die Ashley und Liesa auf so perfide Art steuern und kontrollieren wollen. Ersteres wird mit der Zeit etwas langweilig, da es nichts zur Weiterentwicklung der Charaktere und zum Voranschreiten der Handlung beiträgt, letzteres bleibt seltsam schwammig. Was ist das Ziel der Gruppierung, welchen Stellenwert hat sie in der Gesellschaft etc. Es fehlt einfach der Tiefgang, die Hintergründe und die Spannung, die man hätte aufbauen können, wenn Liesa herausfindet, was es mit der Gruppe auf sich hat. Doch selbst dann macht sie nichts – sie warnt Ashley nicht, sie versucht nicht einmal auszusteigen. Diesen Punkt kann man so gar nicht nachvollziehen.
Einzig die sich langsam entwickelnde Liebe zwischen Ashley und Liesa ist sehr schön gelungen, da die beiden Frauen erst Freunde werden und sich erst nach und nach näherkommen. Allgemein ist die Geschichte eher ruhig gehalten – nicht laut, nicht pompös, nicht romantisch. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab, zumeist übersieht der Leser es jedoch und ist verwirrt.

Einer der Hauptgründe, warum man nur schwer mit „Alles nur Kulisse“ zurechtkommt, sind die unzulänglichen Charaktere. An allererster Stelle steht Liesa, die unglaublich schwammig gezeichnet ist. Man kann sich nur schwer identifizieren, was vor allem daran liegt, dass man ihre Gedanken, Gefühle und Entscheidungen (insofern überhaupt vorhanden) kaum nachvollziehen kann. Sie ist weder gefestigt, noch scheint sie Ziele zu haben, übernimmt zwar Verantwortung für Ashley, ist aber im Grunde nicht in der Lage dazu, da sie nicht einmal für sich selbst sorgen kann. Sie ist ein einziger Widerspruch in sich. Ihre Gefühle kommen nicht beim Leser an, weder als sie sich in Ashley verliebt, noch als sie herausfindet, dass sie sich in die Hände einer Sekte begeben hat. Sie lässt sich einfach treiben, wird kaum aktiv und reagiert im Grunde nur auf ihr Umfeld.
Ashley ist das direkte Gegenteil – erfolgsorientiert, zielsicher und mit beiden Beinen fest im Leben stehend. Dennoch ist auch sie seltsam inkonsistent, wenngleich man dies bei dem Druck, der auf ihr lastet auch verstehen kann.

Die Nebenfiguren sind ein wenig blass geraten – viele tauchen nur am Rande auf und sind schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Gut gelungen sind auf jeden Fall die Leiter der Produktion der Soap Opera und Simon, der zur Sekte gehört und zumeist Druck auf Liesa und Ashley ausübt.

Stilistisch ist „Alles nur Kulisse“ Geschmackssache – Ina Steg hat einen sehr leisen Stil, der mitunter fast ein wenig langweilig ist. Zwar sind einige Beschreibungen sehr schön, auch die Wortwahl kann mitunter begeistern, doch die Geschichte plätschert einfach nur vor sich hin und es kommt kaum Spannung auf. Es gibt keine Höhepunkte (nicht nur auf Erotik gemünzt), keinen Moment, wo man mit den Charakteren mitfiebert- oder leidet. Ina Stegs Stil ist seltsam distanziert, so dass der Leser nicht eintauchen kann und keinerlei Bindung zu den Figuren aufbaut. Das ist schade, denn der Klappentext versprach so viel mehr …

Fazit:

„Alles nur Kulisse“ ist ein durchwachsener Roman, der nicht Fisch, nicht Fleisch ist. Für einen ernsten, dramatischen Roman kommt er zu schwammig und unspektakulär daher, für eine Liebesgeschichte sind Stil und Charaktere zu distanziert. Er hat einige gute Ansätze, die leider nicht ausgearbeitet werden, so dass man das Buch am Ende mit einem unzufriedenen Gefühl beiseitelegt. Schade – da hätte man so viel mehr draus machen können. Leider nicht zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de