430 Follower
20 Ich folge
likeadream

Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Tödliche Schatten

Tödliche Schatten: Ein Adrien-English-Krimi - Timm Stafe, Nicola Heine, Josh Lanyon

Story:
Nie hätte der schwule Buchhändler und Krimiautor Adrien English damit gerechnet einmal Zeuge polizeilicher Ermittlungen zu sein. Doch als sein alter Schulfreund und Angestellter Rob brutal ermordet wird, ist er für den gutaussehenden Detective Riordan und dessen Partner Chan einer der Hauptverdächtigen, da er sich am Abend zuvor heftig mit Rob gestritten hat. Um seine Unschuld zu beweisen, beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen und erhält dabei unverhofft Unterstützung von Riordan. Doch Adriens Suche nach dem Mörder bleiben von diesem nicht unbemerkt und schon bald befindet sich der junge Mann in Lebensgefahr …

Eigene Meinung:
Der Roman „Tödliche Schatten“ erschien erstmals 2000 in den USA und markiert den Auftakt der sechsbändigen „Adrian English“-Reihe. Zeitgleich ist das vorliegende Buch das Debüt von Josh Lanyon, der inzwischen mehrfach ausgezeichnet wurde. Zu seinen Preisen zählen der Lambda Literary Award, der Eppie Award und der USABookNews Award. Deutschen Lesern dürfte der Autor vor allem durch seinen Krimi „Eine Leiche taucht ab“ bekannt sein, der 2014 im Incubus Verlag erschienen ist.

 

Inhaltlich bietet Josh Lanyon einen soliden, spannenden Krimi, der mit sympathischen Charakteren und einem gut durchdachten Handlungsbogen trumpfen kann. Es macht Spaß dem Mörder auf die Spur zu kommen und zusammen mit Adrien herauszufinden, welche Motive es für den Mord an Rob gab. Diese sind gut durchdacht und in sich schlüssig – Josh Lanyon bemüht sich um einen logischen, nachvollziehbaren Plot und verzichtet auf Logiklücken, Plotsprünge und charakterliche Superhelden. So ist Adrien zwar Krimiautor, aber eben kein Detektiv, was dafür sorgt, dass er öfters mal in eine Sackgasse läuft und sich auf diesem Weg immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Dennoch ist er ungemein sympathisch, so dass der Leser ihn schnell ins Herz schließt. Riordan bleibt im ersten Teil noch ein wenig blass, die meisten Hintergrundinfos zu ihm bleiben noch im Dunkeln. Zwar lernt man ihn ganz gut kennen, doch da er der raubeinige, introvertierte und skeptische Cop ist, hat an mitunter Schwierigkeiten ihn zu fassen. Dieser Punkt macht ihn jedoch noch reizvoller und zum perfekten Gegenpol zu Adrien, was sich zumeist in ihre Gespräche niederschlägt.

 

Auch die Nebenfiguren sind sympathisch und lebendig – allen voran Adriens Mutter Lisa, oder die Autorengruppe, die sich regelmäßig bei Adrien trifft. Josh Lanyon gelingt es schillernde und individuelle Persönlichkeiten zum Leben zu erwecken und jedem das passende Maß Aufmerksamkeit zu schenken. Genau dieser Punkt macht „Tödliche Schatten“ so lesenswert – sowohl die Figuren, als auch die Geschichte wirken authentisch und in sich schlüssig. Der Krimi verläuft in klassischen, ruhigen Bahnen, die Figuren wirken nicht überboostet, sondern normal und realistisch.

 

Stilistisch bietet Josh Lanyon gut geschriebene Krimikost mit einem guten Gespür für Spannung, Action und Humor. Letzteres zeigt sich in Adriens zynischen Beikommentaren (die Romane sind alle aus seiner Sicht geschrieben), seinen Gedanken und in den Dialogen mit Riordan. Auf diesem Weg lockert der Autor die Geschichte immer wieder auf, was der Spannung glücklicherweise keinen Abbruch tut – im Gegenteil. „Tödliche Schatten“ bleibt unterhaltsam und gerade im letzten Drittel fällt es schwer den Roman aus der Hand zu legen. Positiv ist zudem, dass der Autor auf allzu lange Erotikszenen oder kitschige Romantik verzichtet und sich stattdessen eher auf den eigentlichen Mordfall und die dazugehörigen Ermittlungen konzentriert. Daher werden Erotik- und Romance-Fans nur bedingt auf ihre Kosten kommen.

 

Fazit:
„Tödliche Schatten“ ist ein gelungener, lesenswerter Krimi, der Lust auf mehr macht. Dank der gut durchdachten, logischen Handlung und der sympathischen, authentischen Charaktere sei Josh Lanyons Auftaktband seiner „Adrian English“-Reihe jedem Fan schwuler Krimis ans Herz gelegt. Der Autor hat einen lebendigen Schreibstil und weiß zu fesseln. Wer Romane im Stil der „Claude Bocquillon“-Reihe von Laurent Bach mag, sollte sich „Tödliche Schatten“ nicht entgehen lassen. Bleibt zu hoffen, das Gmünder die gesamte Reihe auf dem deutschen Markt herausbringt – mit „Das Geheimnis von Pine Shadow“ ist bereits der zweite Band erhältlich. Zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de