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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Teufel

Teufel: Fantasy-Thriller - Markus Tillmanns, Rebecca Klein, Dana Knepple, Mart Klein, Miriam Migliazzi

Story:
Als eines Tages ein riesiger Komet auf die Erde zurast, sind sich Experten sicher, dass dies das Ende der Welt ist. Umso überraschender ist die Menschheit, als sich der tödliche Felsbrocken aus den Tiefen des Alls als Luzifer entpuppt, der am Kölner Dom auf die Erde herabsteigt. Jeder Anwesende ist von dem gefallenen Engel geblendet, außer Aljoscha Tabarie, der als Journalist für ein Tageblatt arbeitet. Er ist sich sicher, dass hinter dem plötzlichen Auftauchen Luzifers mehr steckt und der Welt Übles bevorsteht. Doch seine Warnungen verpuffen im Nichts, so dass er sich schließlich dazu aufmacht, die Wahrheit auf eigene Faust zu ergründen. Dieses Vorhaben ist jedoch schwieriger als gedacht, denn Luzifer sucht sich Menschen, wie das Mädchen Li, die unberechenbare, korrupte Eisenberg und die Schwarzmagierin Grezella, um sich ein eigenes Imperium aufzubauen. Und nach einer Weile steht Tabarie allein da …

 

Eigene Meinung:
„Teufel“ ist der erste Band der Fantasythriller-Reihe „Die Luzifer-Chroniken“ und stammt von Markus Tillmanns, der bereits seit einigen Jahren Fantasy- und Kriminalromane veröffentlicht. So erschienen „Das Schwarze Auge“ Romane bei Heyne und Fantasy Productions, ebenso Krimis bei Fischer und dem Mitteldeutschen Verlag. Der Roman „Teufel“ wurde im Eigenverlag herausgebracht und gewann 2015 den Nautilus-Self-Publisher-Wettbewerb!

 

Markus Tillmanns gelingt ein fulminanter und fesselnder Einstieg, der sofort mitreißt. Man ist recht schnell in der Handlung und erwartet mit Spannung, was es mit dem Kometen auf sich hat. Auch das erste Auftauchen Luzifers ist packend geschrieben und macht Lust auf mehr. Leider kann der Autor das rasante Tempo im Folgenden nicht halten. So spannend die Grundidee ist und so interessant einige Episoden sind, es vermag nicht mehr so sehr zu fesseln, wie die ersten 40 Seiten. Viele theologische Aspekte und Hintergründe werden eingewoben, spannende Actionszenen eingebaut und auch einige faszinierende Grundfragen aufgeworfen, doch das ändert nichts daran, dass das Buch zunehmend an Fahrt verliert. Das liegt zum einen an den wechselnden Perspektiven, die mal Tabaries Sicht und Umfeld beschreiben, mal die Ereignisse rund um Luzifers Gefolgsleute, zum anderen an der unpersönlichen Schreibweise. Es fällt einfach schwer, wenn alle Charaktere nur mit dem Nachnamen tituliert werden: Eigenberg, Tabarie, Zolt, etc. Von der Tatsache, dass man daran schwer erkennen kann, ob es sich um Frau oder Mann handelt (wenn die Figuren neu in die Geschichte eingeführt werden), verhindert es doch, dass sich der Leser wirklich mit den Figuren identifizieren kann. Sie bleiben stets auf Distanz, was auch dafür sorgt, dass man nicht vollständig in die Geschichte eintauchen kann.

 

Auch sonst wirken einige Dinge ein wenig zu abstrakt und unlogisch – die Auflösung rund um Tabaries verstorbenen Vater, die seltsame Untätigkeit des Vatikans und die plötzliche Liebe, die man Luzifer entgegenbringt, obwohl es sich bei ihm um den Teufel handelt. Es fällt schwer zu glauben, dass es weltweit nur Tabarie gelingt, sich der Verblendung des Engels zu entziehen. Von der Frage, was er eigentlich auf der Erde gesucht hat einmal abgesehen.Vielleicht ergibt alles mehr Sinn, wenn man die weiteren Bände kennt, aber „Teufel“ endet zu offen, beantwortet kaum Fragen und lässt den Leser ein wenig unzufrieden zurück, da es keinen Anfang und kein Ende gibt. Das mag reizvoll sein, doch es frustriert, dass am Ende alles so seltsam sehr im Chaos versinkt und kaum ragen beantwortet werden.

 

Die Figuren sind durchaus interessant – allen voran Tabarie und Luzifer. Letzterer tritt nur selten in Erscheinung, zumeist agieren seine Handlanger Eisenberg und Grezella, die beide ihre eigenen Pläne verfolgen. Sie sind durch und durch unsympathisch, spielen mit den Leben der Menschen und sind absolut kaltschnäuzig – die perfekten Bösewichte also. Tabarie ist im Gegenzug dazu sehr hitzköpfig und zielegerichtet, wenngleich er nicht wie der typische Held daherkommt. Das ist auch gut so, ein perfekter Superheld, dem alles gelingt, hätte in diesem Fall auch nicht gepasst. Es macht Spaß seinen Weg mitzuverfolgen und seinen Kampf zu beobachten.

Die Nebenfiguren sind ganz interessant in Szene gesetzt, bieten aber eine Menge Potenzial für mehr – Tabaries Kollegin und Freundin Gül, deren Rolle noch nicht klar definiert ist oder seine Mutter, die verrückte Visionen von sich gibt und die meiste Zeit im Bett bleibt. Auch Thoss, Tabaries Rivale und Li, der kleine Mädchen, das von Luzifer aufgenommen wurde, bergen einige Fragen und versprechen im zweiten Band zurückzukehren.

 

Stilistisch ist „Teufel“ Geschmackssache. Markus Tillmanns Stil ist flüssig, solide und durchaus spannend, allerdings ist die unpersönliche Art der Erzählung nicht jedermanns Geschmackssache. Auch die chaotischen Actionszenen und die Ereignisse im Finale wirken nicht richtig, da sie zu schnell und hektisch beschrieben sind. Im Gegenzug dazu bekommt man bei einigen Szenen wie der Talkshow, den theologischen Hintergründen und dem journalistischen Fachjargon durchaus anspruchsvollere Kost geliefert, bei der man konzentriert lesen sollte, um die vielen kleinen Hints und Randbemerkungen zu verstehen. Daher sollte man sich für „Teufel“ Zeit lassen, insbesondere wenn man immer wieder über den Stil stolpert.

 

Fazit:
„Teufel“ ist ein interessanter, spannender Auftakt der „Luzifer-Chroniken“ von Markus Tillmanns, der trotz der Schwächen im Schreibstil und dem etwas chaotischen Handlungsbogen z unterhalten weiß. Im Laufe der Geschichte wird es arg verworren und nicht jeder kommt mit einem offenen Ende klar, bei dem kaum Fragen beantwortet werden, doch insgesamt ist „Teufel“ durchaus lesenswert, wenn man sich auf die unterschiedlichen Figuren einlässt und für neue Blickwinkel und ungewöhnliche theologische Grundideen offen ist. Markus Tillmanns Roman regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und aufgrund der vielen Fragen, die offen bleiben, sollte man die Augen nach der Fortsetzung aufhalten.