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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Liebe kennt keine Grenzen

Liebe kennt keine Grenzen (Liebe-Reihe 3) - Ella Schaefer, Andrew  Grey

Story:
Nach einem Motorradunfall ist Joeys Gesicht zerstört, was dafür sorgt, dass der junge Mann die Laughton Farm kaum verlässt und sich in die tägliche Arbeit vergräbt. Seine Freunde Eli und Geoff sehen diese Entwicklung nicht gerne, können Joey jedoch selten aus seinen düsteren Gedanken reißen. Das ändert sich, als eines Tages Geoffs Schwester Mari darum bittet einen jungen Musiker für zwei Wochen auf der Farm unterzubringen, da die andere Gastfamilie abgesprungen ist. Als Joey den jungen Mann erwartet ihn eine angenehme Überraschung: Robbie ist blind und daher einer der wenigen, der nicht vor Joeys Aussehen erschrickt.

 

Schnell entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Männern – Robbie entdeckt, wie angenehm das Leben auf der Farm sein kann und was es heißt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, Joey entwickelt neues Selbstvertrauen. Als sich die beiden auch körperlich näher kommen und erkennen, dass sie sich ineinander verliebt haben, sind die zwei Woche vorüber und Robbie muss nach Mississippi zurück.

 

Eigene Meinung:
Der dritte Band der „Liebe“-Reihe von Andrew Grey rückt den unterdessen 20-jährigen Joey ins Zentrum der Geschichte und spielt gut fünf Jahre nach den Ereignissen in Band 1, in dem er immer wieder Gastauftritte hatte. In Deutschland erschien der Roman unter dem Titel „Liebe kennt keine Grenzen“ beim Cursed Verlag – ob die Reihe fortgesetzt wird, bleibt abzuwarten, da sie im Original bereits 8 Bände und einige Novellen und Kurzgeschichten umfasst.

 

Inhaltlich bleibt Andrew Grey sich treu und erzählt die Liebesgeschichte zweier Männer, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen und nur schwer zueinander finden. Der stets wiederkehrende Rahmen der Geschichten ist die Laughton Farm, die von Geoff und dessen Lebensgefährten Eli geleitet wird. Zugegeben, mit der Zeit fragt man sich, ob dort wirklich alle schwul sind – auch wenn hin und wieder einige Landarbeiter auftauchen, die verheiratet sind – da sich dort erstaunlich viele homosexuelle Männer herumtreiben. Auch finden diese schnell ihre „wahre Liebe“, bewältigen die Schwierigkeiten und erleben ein Happy End. Sicherlich ist das bei Gay Romance Romanen normal, doch mitunter geht es einfach zu schnell und zu leicht. Gerade bei dem vorliegenden Roman ist das Ende so perfekt, gerade für Robbie und Joey, das es doch ein wenig zu viel ist.

 

Dennoch ist „Liebe kennt keine Grenzen“ unterhaltsam und weiß zumindest kurzzeitig zu fesseln, was jedoch mehr an den Charakteren liegt. Diese sind dieses Mal alles andere als perfekt – Joey ist durch den Unfall entstellt, Robbie als blinder Violinist schon etwas Besonderes. Die beiden sind durchaus realistisch und authentisch gestaltet, insbesondere Robbie, dessen Blindheit gut umschrieben wird. Hin und wieder schleichen sich kleine Fehler ein, was die Handlung eines Blinden betreffen, doch insgesamt merkt man, dass Andrew Grey recherchiert hat und das Abenteuer aus der Sicht eines solchen Charakters zu schreiben, überzeugend meistert. Die Szenen, die aus Robbies Sicht geschrieben sind, sind gut umgesetzt, da er bei den Beschreibungen auf die anderen Sinne eingeht. Dies verleiht den Kapiteln eine eigene Art der Tiefe und hebt den Roman durchaus angenehm aus den aktuellen Gay Romance Büchern heraus.
Joey schließt man schnell ins Herz, auch wenn er sich manchmal zu sehr von dem Unfall unterkriegen lässt und fast ein wenig zu weinerlich daher kommt. Glücklicherweise fängt er sich im Laufe der Geschichte.

Auch die Nebenfiguren sind sympathisch und Leser der ersten Bände treffen auf bekannte Charaktere wieder. Geoff und Eli sind natürlich mit von der Partie, zudem erfährt man, wie es Len ergangen ist, dessen große Liebe Cliff ja in Band 1 stirbt. Einzig die Tatsache, dass mit Ausnahme von Robbies Mutter kaum weibliche Charaktere vorkommen wirkt ein wenig seltsam. Natürlich geht es vorwiegend um schwule Liebesgeschichten, doch dass so gar keine Frauen vorkommen, ist etwas befremdlich.

 

Stilistisch hält Andrew Grey das Niveau vom zweiten Band. Die Geschichte lässt sich gut lesen, ist flüssig und leicht verständlich geschrieben. Der Autor verzichtet auf komplexe Schachtelsätze und sprachliche Finessen, so dass man keinerlei Höhenflüge erwarten kann – dafür unterhält „Liebe kennt keine Grenzen“ gut und lässt sich problemfrei binnen weniger Stunden lesen. Gut gelungen sind die Passagen aus Robbies Sicht, da sich Andrew Grey bemüht die Sicht eines Blinden authentisch und nachvollziehbar zu gestalten – was ihm gut gelingt. Diese Passagen gehören zu den Stärken des Romans.

 

Fazit:
Mit „Liebe kennt keine Grenzen“ legt Andrew Grey einen unterhaltsamen Gay Romance vor, dem es jedoch ein wenig an Tiefgang mangelt, da sich die Handlungsstränge im Vergleich zu Band 1 und 2 wiederholen und das Leben auf der Farm fast ein wenig zu sehr nach einer schwulen Seifenoper klingt. Dennoch sind die Charaktere liebenswert und dank der flüssigen Schreibstils lässt sich „Liebe kennt keine Grenzen“ gut lesen.
Wer die ersten beiden Bücher der Reihe mochte, dem wird auch Joeys Geschichte gefallen – ob man weitere Fortsetzungen lesen muss, bleibt jedem selbst überlassen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de