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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Darkmouth – Der Legendenjäger

Darkmouth -Der Legendenjäger: Band 1 - Moritz Schaaf, Shane Hegarty, Bettina Münch

Story:
Das irische Städtchen Darkmouth ist die letzte Stadt, in der noch Legenden wie Minotauren, Basiliske und Chimären von der Verseuchten Seite einfallen und die Bevölkerung bedrohen. Deswegen gibt es dort den einzigen aktiven Legendjäger Hugo und dessen Sohn Finn, der die alte Familientradition fortführen soll und deswegen von seinem Vater unterrichtet wird. Allerdings ist Finn gänzlich ungeeignet für den Kampf und will im Grunde auch keine Monster jagen.


Just in dem Moment braut sich etwas auf der Versuchten Seite zusammen, Gantrua, Herrscher der Legenden, will zum letzten Schlag ausholen und plant die Gelobte Welt mit seinen Heerscharen zu überfallen. Mehr zufällig stolpert Finn auf einen Verräter unter den Menschen, der den Legenden den Weg ebnet. Ob Emmie etwas damit zu tun hat, die plötzlich mit ihrem Vater in der Stadt auftaucht und Finns Freundschaft gewinnen will? Oder ist der Verräter an anderer Stelle zu suchen?

 

Eigene Meinung:
„Darkmouth – Der Legendenjäger“ ist der Auftakt einer sechsbändigen Kinderbuchreihe von Shane Hegarty und gleichzeitig das Debüt des 1974 geborenen Autors. In Deutschland erschien der Roman als Spitzentitel bei Oetinger, die sich den Illustrator Moritz Schaaf ins Boot holten und das Buch, in Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern, vollkommen neu designen ließen. Entstanden ist ein sehr schöner Hardcover mit Schutzumschlag und sehr passendem, wechselndem Seitenlayout.

 

Leider wird die Geschichte der gelungenen Aufmachung zum Teil nicht gerecht. Der Einstieg in die Handlung fällt schwer, was vor allem am Schreibstil des Autors, den Wortwiederholungen und der unglücklichen Ausdrucksweise liegen. Die Grundidee an sich ist nicht unbedingt neu und erinnert sehr an „Percy Jackson“. Auch sonst fühlt man sich beim Lesen an andere Bücher und Filme erinnert, so dass „Darkmouth – Der Legendenjäger“ wie eine Mischung aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ (Handlung des Films), „Ghostbusters“ und erwähnter Jugendbuchreihe von Rick Riordan wirkt. Das ist schade, da man aus der Grundidee mehr hätte herausholen können, wenn man nicht beständig das Gefühl gehabt hätte, die Geschichte in einer ähnlichen Form schon zu kennen. Der Hauptheld Finn ähnelt Hicks aus „Drachenzähmen leicht gemacht“ schon sehr, sein Widerwille die Monster zu bekämpfen findet sich in einem ähnlichen Motiv auch in dem Dreamworks Animationsfilm wieder. Vielleicht bieten die folgenden Bände mehr Raum für etwas Neues und zeigen, dass sich Shane Hegarty nicht nur darauf beschränkt Bekanntes in neuer Form zu verpacken.


Auch schleicht sich hin und wieder Unlogik in die Handlung – zumeist wird das Buch für Kinder logisch dargestellt, doch eine gewisse allgemeine Logik bleibt auf der Strecke: Wenn Darkmouth für die Bewohner so unerträglich ist, warum leben sie dann noch dort? Wenn keiner den Ort finden kann, wie kann der Supermarkt mit Lebensmitteln gefüllt sein, wie können Briefe zugestellt und abgeschickt werden? Die gesamte Stadt wirkt in sich inkonsistent und nicht nachvollziehbar. Kinder werden das nicht bemerken, da ihr Hauptaugenmerk auf der Handlung liegt, erwachsene Leser stutzen immer wieder und stolpern über die ein oder andere Erklärung.

 

Für Kinder ab 10 bietet das Buch dennoch spannende, actiongeladene Unterhaltung, eine sympathischen Helden und einen in sich geschlossenen Handlungsbogen. So wird die Enthüllung des Verräters für jüngere Leser wahrscheinlich eine Überraschung sein, ältere Fantasyfans werden schon früh ahnen, wer in Darkmouth ein doppeltes Spiel treibt.

 

Positiv sind die Charaktere der Geschichte. Finn ist ein sympathischer Held, der überhaupt nicht wie ein solcher daherkommt. Er ist weder mutig, noch stark. Zumeist weiß er nicht, wie er sich zu verhalten hat, ist unsicher, schwach und kann sich weder gegen seinen Vater, noch gegen seine Mitschüler behaupten. Dadurch kann man sich leicht mit ihm identifizieren, gerade seine direkte, zynische Art machen ihn sympathisch. Auch Emmie mag man, wenngleich sie einem manchmal auf die Nerven geht.
Im Gegenzug dazu ist Finns Vater Hugo ein ausgesprochener Widerling. Sicherlich ist er nicht der Antagonist des Buches und nicht so gefährlich wie Gantrua, doch seine sture, unnachgiebige Art und die Selbstverständlichkeit, mit der er über Finns Wünsche und Träume hinweggeht heimsen ihm nicht gerade Sympathiepunkte ein. Man mag ihn einfach nicht, ebenso wenig Emmies Vater, der später auftaucht und eine wichtige Rolle spielt.

Im Gegenzug dazu sind die Legenden gar nicht mal so böse, wie sie zu Beginn dargestellt werden. Zumeist sehen sie sich nur danach die Verseuchte Seite hinter sich zu lassen, da dieser der Tod und die Dunkelheit anhaftet. Ein wenig mehr Spielraum bekommt der Hogboon Broonie, der hoffentlich in Band 2 zurückkehrt und erneut auf Finn trifft.

 

Stilistisch ist Shane Hegartys Roman nicht jedermanns Geschmack. Mag sein, das es kindgerecht geschrieben ist und mit der Zeit auch deutlich an Fahrt aufnimmt, aber einige Fehler hätte man dennoch vermeiden können: Wortwiederholungen, ungünstiger Satzbau (einige Szenen sind so kompliziert beschrieben, dass man den Satz mehrfach lesen muss), zu geringe Wortgewandtheit. Ich weiß, dass Kinder ab 10 keine hochliterarischen Texte präsentiert bekommen, doch ein wenig mehr Synonyme hätten nicht geschadet. Das bildet schließlich auch weiter und macht einen Roman einfach griffiger und farbenfroher.

 

Fazit:
So hochgelobt „Darkmouth – Der Legendenjäger“ von den meisten wird, mich konnte er leider nicht vollkommen überzeugen. Die Geschichte ähnelt trotz guter Grundidee zu sehr anderen bekannten Filmen und Büchern, die Erklärungen sind nicht immer logisch und der Schreibstil holpert gerade zu Beginn sehr. Einziger Lichtblick sind die Charaktere und die wunderschöne Aufmachung, die man sich jedoch für das ein oder andere Kinderbuch gewünscht hätte. Schade, dass Shane Hegartys „Darkmouth – Der Legendenjäger“ nicht vollends überzeugen kann.