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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Teeträume

Teeträume - Anna Martin, Uta Stanek

Story:
Der 32-jährige Schotte Robert lebt ein unauffälliges, langweiliges Leben in Boston, USA. Er ist Professor für englische Literatur an der Uni, Single und verbringt seine Freizeit mit seinem Kater Flea, Unterrichtsvorbereitungen und dem Aufräumen seiner Wohnung. All das ändert sich, als eines Tages der Musiker Chris in sein Leben stolpert. Er ist neun Jahre jünger, tätowiert, spielt in einer Band und damit das genaue Gegenteil von Robert. Dennoch entwickelt sich nach und nach eine Beziehung zwischen Chris und Rob, die bei beiden wesentlich tiefer geht als alles vorher. Bis Chris‘ Band eines Tages weiterziehen will und dieser Robert verlassen muss …

 

Eigene Meinung:
Der Roman „Teeträume“ stammt von Anna Martin und erschien 2014 im Cursed Verlag.

 

Anna Martin legt einen sehr stillen, ruhigen Roman vor, der inhaltlich keine großen Spannungskurven aufweist und den Leser nicht mit einer ausgefallenen Story oder interessanten Charakteren fesselt. Es ist bewundernswert, wie man knapp 300 Seiten füllen kann, ohne einen wirklichen Plot zu haben, denn es passiert – nichts. Robert und Chris lernen sich kennen, gehen ein paar Mal miteinander aus, bevor sie sich näherkommen. Auch ihre Beziehung entwickelt sich langsam, da es beide ruhig angehen wollen. Man erfährt, welche dunklen Punkte es in ihrer Vergangenheit gibt und welche Wünsche und Träume sie haben. Chris erfährt von Roberts Tochter Chloe und deren Mutter, Robert lernt die Bandkollegen kennen und erfährt von Chris‘ erstem Partner. Hin und wieder wird der relativ große Altersunterschied erwähnt, doch wirklich in die Tiefe geht die Autorin nicht.

 

Das ist natürlich mal etwas anderes, wenn man das Buch mit anderen Romanen des Gay Genres vergleicht, doch irgendwie springt der Funke nicht über und die Unterhaltung leibt ein wenig auf der Strecke. Dabei ist „Teeträume“ durchweg realistisch gehalten, da unzählige Paare auf diese Art zusammengekommen sind und es keine übertriebenen, unlogischen Charaktere gibt. Dennoch fehlen dem Leser die wirklichen Konflikte, z.B. durch Ex-Partner, die sich einmischen und für Ärger sorgen, oder durch größere Streitereien zwischen Robert und Chris. Stattdessen plätschert das Buch vor sich hin und man wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert – selbst auf der vorletzten Seite.

 

Die Charaktere sind, wie bereits erwähnt, sehr realistisch gehalten. Robert, aus dessen Sicht erzählt wird, ist ein sehr gewöhnlicher Mann, der ein einfaches, aber gutes Leben führt und selten über die Stränge schlägt. Er weiß um seinen Platz als offen schwul lebender Mann. Chris ist in vielen Punkten sein Konterpart – er ist offen, frech und wesentlich lebensfroher, ohne jemals aufgesetzt und unrealistisch zu wirken. Die beiden ergänzen sich gut und die aufkeimende Liebe zwischen ihnen ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.
Die übrigen Figuren kommen ebenfalls sehr lebendig und greifbar daher, seien Chloe, Chris‘ Bandkollegen oder Roberts Freunde. Sie wirken vollkommen natürlich, als hätte die Autorin einfach nur das Leben eines schwulen Paares vom Kennenlernen bis zum Zusammenziehen in Buchform verpackt.

 

Stilistisch ist Anna Martin gewöhnungsbedürftig. Sie hat einen durchaus gehobenen, fast schon belletristischen Stil, doch hin und wieder stolpert man über einige Formulierungen und Satzbauten, so dass man immer wieder den Faden verliert. Womöglich liegt das jedoch an der deutschen Übersetzung. Die Wahl der Ich-Perspektive ist in diesem Fall nicht unbedingt die Beste, da es durchaus für mehr Spannung gesorgt hätte, die Geschichte aus unterschiedlichen Sichtweisen kennenzulernen. Das hätte auf jeden Fall mehr Abwechslung in „Teeträume“ gebracht und der Handlung mehr Tiefgang beschert. So baut sich leider schnell Langweile auf, selbst die Sexszenen sind mitunter recht statisch, fast gefühllos beschrieben, wenngleich sie sich wenigstens nicht über mehrere Seiten erstrecken.

 

Fazit:
„Teeträume“ von Anna Martin hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl, das eine objektive Bewertung wirklich erschwert. Auf der einen Seite sind Charaktere und Handlung sehr realistisch, logisch und in sich schlüssig gehalten, auf der anderen Seite fehlt der Konflikt, der für Spannung sorgt und einen Romans erst interessant macht. Auch der Schreibstil sorgt dafür, dass man sich nicht gänzlich auf das Buch einlassen kann, so dass „Teeträume“ nur bedingt empfehlenswert ist. Wer auf der Suche nach einem stillen Buch ist, dass die Realität 1:1 widerspiegelt, sollte einen Blick riskieren. Allen anderen empfehle ich vorab einen Blick in die Leseprobe.

Quelle: http://www.like-a-dream.de