430 Follower
20 Ich folge
likeadream

Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Hard Skin

Hard Skin - Chris P. Rolls

Story:
Seit seinem Outing ist Claas in dem biederen, ostdeutschen Städtchen ein Außenseiter. Sein Freundeskreis besteht vornehmlich aus Mädchen, Jungs in seinem Alter sind ihm gegenüber skeptisch oder reagieren ablehnend. So auch der Skinhead Jockel, den Claas eines Abends mit dessen Kumpel in der Disco trifft. Doch obwohl die Gruppe Claas beleidigt und bedroht, fühlt er sich unaufhaltsam zu Jockel hingezogen. Als dieser auch noch auf seine Art auf die scheuen Blicke des Jugendlichen reagiert und sich zwischen den beiden eine hocherotische Beziehung entfacht, stürzt Claas in eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Denn Jockel ist nicht nur schweigsam, seine Handlungen sind zumeist auch hochgradig widersprüchlich ...

Eigene Meinung:
"Hard Skin" stammt aus der Feder von Chris P. Rolls und erschien 2013 beim Dead Soft Verlag. Wer andere Bücher der Autorin kennt, wird wissen, dass sie sich im Gay Romance Bereich bewegt und dass die Zielgruppe vorwiegend weiblich sein dürfte. Dementsprechend romantisch geht es in "Hard Skin" zu, wenngleich man erwähnen muss, dass der Roman nicht ganz so kitschig ist, wie die üblichen Werke der Autorin. Das liegt zum Teil an den recht ruppigen und harten Charakteren (besonders Jockel), aber auch an den teils sehr harten, erotischen Szenen. Und gerade davon gibt es eine Menge, da sich die Beziehung zwischen Class und Jockel zu Beginn eher auf die körperliche Ebene zu beschränken scheint.

Die Geschichte ist im Groben und Ganzen nicht neu - eine erotische Liebesgeschichte, die um das Thema Skins erweitert wurde. Dies gibt "Hard Skin" eine gewisse Würze, bleibt jedoch trotz einiger guter Ansätze relativ oberflächlich. Jockel ist zwar kein rechter Skin, was für mehr Brisanz gesorgt hätte, aber irgendwie kommt die Thematik ein wenig kurz. Das mag auch daran liegen, dass ein Aufeinandertreffen zwischen Jockel und seinen Kumpel elegant umschifft wurde. Hier hätte man doch einiges an Dramatik und Tiefgang einbauen können und Jockel ein wenig aktiver handeln lassen. Er ist zwar relativ wortkarg und in den meisten Fällen zurückhaltend, aber um dem Roman einen runden Abschluss zu geben, hätte man auch die anfängliche Situation mit Jockels Freunden erneut einbauen können.

Die Charaktere sind sympathisch und in sich logisch. Sie handeln nachvollziehbar, wenngleich Jockel zu Beginn seltsam daherkommt und sich fast ein wenig zum Unsympath mausert. Erst zum Ende hin werden da einige Geheimnisse gelüftet und einige offene Punkte geklärt. Claas bildet einen guten Kontrapunkt zu Jockels stiller Natur - er ist offen, steht zu seiner Homosexualität und versucht mit seiner Umwelt klarzukommen. Er versteckt sich nicht und ist mutig genug, sich den Skins in den Weg zu stellen, auch wenn er deutlich unterlegen ist. Jockel zu begreifen ist wesentlich schwieriger, da er wirklich verstockt ist und selten den Mund aufmacht. Erst im Laufe der Handlung taut er auf und zeigt sich von einer anderen Seite.
Besonders angenehm fallen auch die Nebenfiguren auf, insbesondere Patricia, die ihre ganz eigene Seitenstory bekam und den beiden Jungs fast ein wenig die Show stahl. Es ist toll, dass sich die Autorin Zeit für Pat und Mel genommen hat.

Chris P. Rolls' Schreibstil ist solide, angenehm zu lesen und passt sehr gut zur Geschichte. Gerade die erotischen Szenen sind abwechslungsreich, mal hart, mal zart, je nachdem, in welche Richtung das Liebesspiel zwischen Claas und Jockel geht. Auch die Dialoge und die Beschreibungen können überzeugen, wenngleich letztere eher spärlich gesät sind, aber das ist man unterdessen ja gewohnt. Insgesamt transportiert ihr Stil die romantisch-erotische Geschichte sehr gut, so dass "Hard Skin" ein Muss für alle Gay Romance Fans ist, die es ein wenig härter mögen.

Fazit:
Insgesamt ist "Hard Skin" ein solider Gay Romance Roman, der mit einem guten Schreibstil und interessanten Charakteren aufwarten kann. Das Thema Skin wird leider nur oberflächlich behandelt, sprich man hätte es ebenso gut weglassen können, um die Liebesgeschichte zwischen Claas und Jockel zu erzählen. Dennoch lohnt sich ein Blick in "Hard Skin", insbesondere wenn man abwechslungsreiche Gay Erotik sucht.

Quelle: http://www.like-a-dream.de