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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Nennen wir sie Eugenie

Nennen wir sie Eugenie (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig

Story:
Eugenies Leben ist perfekt – sie hat liberale Eltern, liebevolle Brüder und in Seraba eine Partnerin, auf die sie bauen kann. Dass ihre Liebe in Senegal unter Strafe steht und mit Gefängnis geahndet wird, stört die beiden Frauen nicht, da sie ihre Beziehung im Geheimen ausleben. Das ändert sich, als ihre Familie einige SMS lesen und herausfinden, dass Eugenie mit einer Frau zusammen ist. Schneller als Eugenie denkt, wird sie fallengelassen – von ihrer Familie und ihren Freunden. Um der Polizei zu entkommen, die schon bald steckbrieflich nach ihr sucht, flieht sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland, in der Hoffnung dort Asyl zu bekommen und ein neues Leben zu beginnen. Doch der Asylprozess ist langwierig und zermürbend, und die Aussichten auf Anerkennung ihres Antrags verschwindend gering …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Nennen wir sie Eugenie“ spricht Maria Braig einmal mehr die Themen Flüchtling und LGBT an. Dieses Mal widmet sie sich der lesbischen Eugenie, die es laut Nachwort wirklich gab. Natürlich sind nicht alle Ereignisse originalgetreu – vieles entspringt der Fantasie der Autorin oder wurde von anderen Schicksal beeinflusst – dennoch dürften Fälle wie Eugenies nicht so selten sein, wie man vielleicht glaubt.

 

Innerhalb weniger Seiten ist an in der Geschichte, lernt die junge Frau kennen, die mit ihrer Freundin Seraba trotz widriger Umstände in Senegal glücklich ist. Sie träumt von einem Studium und hofft darauf irgendwann mit ihrer Partnerin zusammen zu sein. Der Traum platzt binnen weniger Tage – Hass, Verachtung und Ekel schlagen ihr entgegen und zwingen sie dazu ihre Heimat zu verlassen. Im Gegensatz zu „Spanische Dörfer“ hat Eugenie eine recht „leichte“ Flucht, da sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland fliegt. Dort gestaltet sich der Asylantrag schwierig, da die junge Frau keinerlei Beweise vorlegen kann, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wird. Zwar findet sie Unterstützung und Freunde, doch im Laufe der Zeit schwindet in den menschenunwürdigen Massenunterkünften die Hoffnung auf eine Zukunft in Europa.
Eugenies Schicksal geht durchaus zu Herz – man leidet mit ihr, als sie von ihrer Familie verstoßen wird und findet es schrecklich, was ihr in Deutschland wiederfährt. Dennoch fehlt mir einmal mehr der Tiefgang, sprich der Einblick in Eugninies Gefühlswelt. Nur hin und wieder erahnt man, was in der jungen Frau vor sich geht und wie sehr die Ereignisse an ihr nagen. „Nennen wir sie Eugenie“ ist einfach zu kurz geraten. Für einen Tatsachenbericht fehlen die realen Belege und Hintergründe, für einen Roman vermisst man die Bindung zum Hauptcharakter. Dabei ist es wichtig die Missstände in Deutschland anzusprechen und auf die Probleme hinzuweisen, die Flüchtlinge haben. Dennoch wäre es schön gewesen, all das noch greifbarer mitzuerleben, als in Form von kurzen Zusammenfassungen und Ausblendungen. Gerade bei en Dialogen ist es schade, wenn sie nicht ausformuliert sind, sondern lediglich nachträglich erzählt werden.

 

Trotzdem kann man sich gut in Eugenie reinversetzen und schließt die junge Frau ins Herz. Man bangt mit ihr und hofft, dass es für sie gut ausgeht. Ebenso mag man Seraba, die alles daran setzt ihrer Partnerin zu helfen, jedoch nur wenig Möglichkeiten hat, da auch sie ihre Liebe verborgen halten muss. Die üblichen Figuren wirken realistisch, jedoch etwas blass, da sie nur am Rande vorkommen und keine besondere Tiefe entwickeln können.

 

Stilistisch bietet „Nennen wir sie Eugenie“ einen leicht lesbare, flüssige Geschichte, die ein wenig umfangreicher hätte ausfallen können. Maria Braig hat einen sehr nüchternen, direkten Stil, der sich auf das wesentliche beschränkt. Wie schon bei den anderen Werken der Autorin wünscht man sich einfach mehr, um noch tiefer in die Geschichte einsteigen zu können und eine größere emotionale Bindung mit Eugenie aufbauen zu können, insbesondere als sie in Deutschland ist und sich in diesem, ihr fremden Land zurechtfinden muss.

 

Fazit:
„Nennen wir sie Eugenie“ ist ein schöner Kurzroman mit Potenzial nach oben. Maria Braig spricht zwei wichtige Themen an: Homosexualität in Afrika (Senegal) und das deutsche Asylverfahren. Sehr nüchtern und direkt schildert sie Eugenies Leben, ihre Ängste, Sorgen und Probleme. Hin und wieder fehlt dem Leser zwar die Bindung zur Hauptfigur, doch man kann sich gut in Eugenie hineinversetzen. Wer sich für die Thematik interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren

Quelle: http://www.like-a-dream.de