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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Haus aus Kupfer

Haus aus Kupfer - Jobst Mahrenholz

Story:
Nach dem Tod des großen Lu trifft die Großfamilie Pedetti im Stammsitz des italienischen Clans ein, um sich gebührend vom ehemaligen Familienoberhaupt zu verabschieden. Giacomo trifft der Verlust seines Großvaters am meisten, stand er Lu doch näher als manch anderer. Dennoch freut er sich auf das Wiedersehen mit seiner Cousine Felia, mit der ihn eine Menge verbindet. Zu aller Überraschung taucht jedoch (gegen den Willen seiner Eltern) Felice auf, denn Felia hat sich dazu entschieden fortan als Mann zu leben und sich einer entsprechenden Hormonbehandlung zu unterziehen. Während in der konservativen Familie Chaos ausbricht und Felices Entscheidung diskutiert wird, ist Giacomo neben den Hausangestellten der Pedettis der Einzige, der Felice so akzeptiert wie er ist. Schnell kommen sich die beiden näher und nicht nur Felice entwickelt sich während der Beerdigung weiter, auch Giacomo wird im Laufe der Zeit erwachsener, insbesondere als er sich seiner Gefühle gegenüber Felice im Klaren wird.

 

Eigene Meinung:
Der Roman „Haus aus Kupfer“ stammt aus der Feder von Jobst Mahrenholz und erschien 2016 im deadsoft Verlag. Erstmals wagt sich der Autor an ein Trans-Thema heran und bietet dem Leser einen sehr eindringlichen, tiefgründigen Einblick in das Thema Transsexualität. Leser der Reihe „Il Gusto di Lauro“ werden in Giacomo den Nebencharakter Jack wiedererkennen – „Haus aus Kupfer“ spielt jedoch einige Jahre vor den Büchern um Luca Lauro.

 

Einmal mehr präsentiert Jobst Mahrenholz einen sehr eindringlichen, tiefgängigen Roman, der ein sensibles, nur selten beachtetes Thema aufgreift – Transsexualität. Sehr eindrucksvoll und in sich stimmig erzählt er von Felices Problemen, sowohl innerhalb seiner Familie, als auch mit sich selbst. Giacomo, als zweiter Erzähler, sorgt auf seine Art für passenden Ausgleich, denn er akzeptiert Felice nicht nur, er verliebt sich auch in ihn. Dadurch gibt es zusätzliche Spannungen zwischen die Figuren, wenngleich die beiden mit ihrer Beziehung nicht an die Öffentlichkeit gehen.
Neben den Problemen, die mit Felices Entscheidung einhergehen, sorgt auch Lus Tod für Zündstoff innerhalb der Familie – die Frage nach dem Nachfolger der Kupfer-Dynastie, mit denen die Pedettis reich geworden sind, die verschiedenen Machtkämpfe und Streitigkeiten, um sich einen möglichst guten Platz innerhalb des Unternehmens zu sichern. Dazu kommen die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die für fünf Tage aufeinandertreffen – denn mehr Zeit beleuchtet Jobst Mahrenholz in seinem Roman „Haus aus Kupfer“ nicht. Das ist auch nicht notwendig, denn in dieser kurzen Zeit gelingt es ihm ein klassisches Familiendrama aufs Papier zu bringen und jeder Figur gerecht zu werden.

 

Die Charaktere sind, wie bei Jobst Mahrenholz nicht anders zu erwarten, tiefgründig, authentisch und liebevoll ausgearbeitet. Das ist auch notwendig, da die Geschichte vollkommen von den Figuren getragen wird, allen voran Giacomo und Felice, aus deren Sicht „Haus aus Kupfer“ erzählt wird. Man merkt, dass sich der Autor ausführlich mit der Thematik Transsexualität beschäftigt hat, denn gerade Felice ist sehr gut in Szene gesetzt. Man kann seine Sorgen, Ängste und Probleme nachvollziehen und sich leicht mit ihm identifizieren. Auch Giacomo gewinnt mit seiner offenen, unvoreingenommenen und direkten Art schnell die Herzen der Leser. Es macht Spaß ihn zu beobachten und die Familie durch seine Augen kennenzulernen.
Auch die Nebenfiguren wirken lebendig und handeln in sich schlüssig. Jeder Charakter hat seine eigenen Sorgen und Probleme, Ecken und Kanten. Sie sind nicht nur bloße Staffage um Giacomo und Felice, sondern reale Persönlichkeiten, die ihre Meinung haben und diese vertreten – seien es Felices Eltern, die um ihr Ansehen bangen, Ettore, der seinem Bruder Giacomo vor allem Hass entgegenbringt oder die schroffe Zita, die ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Jobst Mahrenholz beleuchtet auch die übrigen Pedettis, gibt ihnen Platz sich zu entwickeln und ihre Meinung zu äußern. Der Leser lernt den Familienclan, nebst interner Probleme sehr gut kennen und begleitet nicht nur Felice und Giacomo dabei, wie sie über sich hinauswachsen.

 

Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Jobst Mahrenholz hat einen fesselnden, eindringlichen Stil, der den Leser zu Herzen geht. Man kann sich gut mit den Charakteren identifizieren, erlebt an Giacomos Seite die Beerdigung des großen Lus und die großen und kleinen Familiendramen. Zu Beginn mag das Springen in Giacomos Kindheit ein wenig verwirren, ebenso die vielen Figuren, die im ersten Kapitel auftauchen, doch daran gewöhnt man sich schnell. Alles in allem ist Jobst Mahrenholz einmal mehr über sich hinausgewachsen und legt ein ungemein berührendes Buch vor, das zum Nachdenken anregt und noch lange nachhängt.

 

Fazit:
„Haus aus Kupfer“ ist ein wundervoller, authentischer und sehr eindringlicher Coming-of-Age- Roman über das Thema Transsexualität und die damit einhergehenden Familienprobleme, erste Liebe und das Sich-Selbst-Finden. Mit beeindruckenden Worten präsentiert Jobst Mahrenholz seine Figuren und lässt die Familie Pedetti lebendig werden. Wer realistische Romane liebt sollte sich „Haus aus Kupfer“ nicht entgehen lassen, ebenso sollten Fans von Jack aus „Il gusto di Lauro“ zugreifen – es macht einfach Spaß Jacks Vergangenheit kennenzulernen. Sehr zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de