430 Follower
20 Ich folge
likeadream

Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Die dreizehnte Fee – Erwachen

Die Dreizehnte Fee: Erwachen - Adrian Julia

Story:
Nach einem tausendjährigen Schlaf erwacht die dreizehnte Fee und muss sich in einer Welt zurechtfinden, in der sich vieles verändert hat: ihre ureigene Magie ist verschwunden, die Menschen leben in Angst und Schrecken vor ihren zwölf Schwestern (die sie einst hintergingen und einen Fluch über sie legten), und es existieren Hexenjäger, die auf der Jagd nach den Feen sind. So auch der junge Mann, der bei ihrem Erwachen anwesend ist und sofort erkennt, mit wem er es zu tun hat. Anstatt sie zu töten, lässt er sich auf einen Pakt mit ihr ein: die gemeinsame Jagd und das Auslöschen der anderen zwölf Hexen. Für die dreizehnte Fee ist es die Chance auf Rache, für den Hexenjäger die Möglichkeit die gefährlichsten Kreaturen der Welt auszuschalten. Während ihrer gemeinsamen Reise entwickelt sich bald mehr zwischen ihnen – die Fee ist sich sicher, ihrer wahren Liebe gegenüber zu stehen (Gefühle, die Hexen normalerweise nicht empfinden können), was der Jäger jedoch vehement von sich weist …

Eigene Meinung:
Mit dem Young Adult-Fantasy-Roman „Die dreizehnte Fee – Erwachen“ legt Julia Adrian ihr Debüt vor, von dem die Fortsetzung „Entzaubert“ bereits erschienen ist. „Entschlafen“ soll im Herbst 2016 auf den Markt kommen und die Trilogie abschließen. Das ursprünglich im Selbstverlag erschienene Buch wird inzwischen vom Drachenmond Verlag herausgebracht.

Inhaltlich geht es vorwiegend um die Jagd nach den übrigen zwölf Hexen und der Entwicklung einer Beziehung zwischen der dreizehnten Fee und dem namenlosen Hexenjäger. Dabei mangelt es jedoch an einem wirklichen roten Faden, denn viele Hintergründe werden nicht offenbart und die Handlung kommt eher sporadisch voran. Das liegt zum einen an dem recht sprunghaften Ablauf, zum anderen scheinen die Figuren nicht wirklich aktiv zu werden – die Begegnungen mit den übrigen Hexen wirkt eher zufällig, als von den handelnden Charakteren forciert. Die beiden ungleichen Zwangsgefährten scheinen nie wirklich nach den anderen Hexen zu suchen, sie stolpern quasi über sie. Keine wirkliche Suche, keine Recherche, kein Auskundschaften, wodurch viel Action und Spannung verloren geht, ebenso eine logisch ineinandergreifende Handlung. Vieles wirkt zufällig, nichts baut wirklich aufeinander auf.

Viel mehr Wert scheint die Autorin auf die Erotik zwischen den der Fee und dem Hexenjäger zu haben. Zwar wird entsprechendes nie ausformuliert, doch mit der Zeit nervt es, dass der Hexenjäger zwar immer wieder seinen Hass zur Schau trägt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Sprache bringt, zeitgleich aber keine Gelegenheit auslässt, um mit der dreizehnten Fee zu schlafen. Es ist schon klar, dass er die Fee höchstwahrscheinlich geweckt hat, doch mit der Zeit nervt dieses Hin und Her, da es den Fortlauf der Geschichte hemmt und die Spannungskurve spürbar schwächt.

Nichtsdestotrotz hat „Die dreizehnte Fee – Erwachen“ auch einige schöne Elemente vorzuweisen: so erwartet den Leser ein bunter Mix diverser Märchen, u.a. Dornröschen, Hänsel und Gretel, Die sieben Zwerg, Schneewittchen, Die Schneekönigin. Die Kombination ist durchaus interessant und fantasievoll – Julia Adrian verwebt alte Sagen und Legenden zu einem einzigen düstern Märchen, in dem die Hexen ihre eigenen Geschichten erzählen und die dreizehnte Fee einst als grausem Königin über die Menschen herrschte. Diese Hintergründe sind durchaus spannend und zeugen von viel Fantasy – Julia Adrian hat eine unheimliche und spannende Märchenwelt erschaffen, die eine Menge Potenzial bietet.

Die Charaktere bleiben insgesamt relativ blass – mit Ausnahme der dreizehnten Fee, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Sie kann man sehr gut verstehen, sich in sie hineindenken und nachvollziehen: ihre Unsicherheit, ihr Unverständnis gegenüber Gefühlen und ihre Hassliebe zu ihren Schwestern. n diesem Zusammenhang fragt man sich auch, ob es nur weibliche Hexen/Feen gibt, oder ob auch Männer Magie erlernen können. Im Gegenzug dazu ist der Hexenmeister nicht wirklich sympathisch: er kommt launisch, sprunghaft und arrogant daher, wirkt gestelzt mysteriös und geheimnisvoll und ist einzig an sich und seinen Zielen interessiert. Auf gewisse Art und Weise wirkt er sehr stereotyp – der düstere Love Interest, der die Fee körperlich an sich heranlässt, sie ansonsten aber von sich stößt. Bei den übrigen Figuren kann einzig noch der Uhrmacher überzeugen – im Prinzip ist er der sympathischste Charakter. Leider hat er nur einen Kurzauftritt.

Stilistisch legt Julia Adrian ein beeindruckendes, solides Debüt vor, das durch eine sehr bildhafte, fast lyrische Sprache besticht. Sowohl die Beschreibungen als auch die inneren Gedankengänge der Fee sind sehr schön umgesetzt, jedoch birgt Julia Adrians Schreibe auch ein gewisses Risiko. So hat man den düsteren Gothic-Stil recht schnell über, weswegen sich das Buch stellenweise in die Länge zieht. So anmutig und schön die Worte gewählt sind, die Sätze wirken mitunter recht gleichförmig und eintönig. Mit der Zeit ermüdet der Leser, obwohl gerade die sprachliche Umsetzung am meisten fasziniert. Mehr Varianz, gerade bei Action- und Kampfszenen und den Dialogen hätten „Die dreizehnte Fee – Erwachen“ spannender und mitreißender gemacht, so begegnet man der Geschichte leider immer recht distanziert. So richtig mitfiebern kann man nicht, da man sich zu schnell in den schönen Formulierungen und Beschreibungen verliert.

Fazit:
Trotz aller Kritikpunkte ist „Die dreizehnte Fee – Erwachen“ ein schöner Fantasyroman, der durch eine interessante Grundidee und eine sehr schöne, blumige Sprache besticht. Julia Adrian legt ein solides Debüt vor, das hier und da etwas unkoordiniert wirkt und dem der rote Faden fehlt, das jedoch durchaus zu unterhalten weiß. Etwas weniger Erotik und Gefühlsdrama seitens der Heldin und mehr Dynamik in Handlung und Stil wären schön gewesen, ebenso mehr Charakterentwicklung und Einblicke in die Hintergründe.

Wer sich für fantasievolle Neuerzählungen bekannter Märchen interessiert, sollte zumindest einen Blick in die Leseprobe werfen und dann entscheiden – entweder man mag Julia Adrians Stil und Ansatz oder man mag ihn nicht.