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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Rush – Nur du und ich

Rush: Nur du und ich - Nyrae Dawn

Story:
Brandon Chases Leben dreht sich fast ausschließlich um Football – er spielt seit er ein kleines Kind ist, hat ein entsprechendes Stipendium ergattert und einer Profi-Karriere steht nichts im Weg. Einzig die Tatsache, dass er schwul ist und sich in seinen Jugendfreund Alec verliebt hat, trübt seine Zukunftsaussichten. Selbst als er Alec verlässt und sich die beiden anderthalb Jahre nicht sehen, kann Brandon seine große Liebe nicht vergessen. Als er einen schweren Unfall mit anschließender Herz-OP hat, kehrt Alec ohne zu Zögern an Brandons Seite zurück, um ihm in der schweren Zeit zur Seite zu stehen. Obwohl beide wissen, dass eine Beziehung keine Zukunft hat, kommen sich die beiden näher als jemals zuvor – und werden vor die Entscheidung gestellt, sich weiterhin zu verstecken und zu verleugnen, oder ihrer Liebe eine Chance zu geben …

 

Eigene Meinung:
Der New Adult Roman „Rush – Nur du und ich“ stammt von der Autorin Nyrae Dawn, die in den USA und in Deutschland für ihre romantischen Liebesromane bekannt ist. So erschien bei Romance Edition auch ihre „Games“-Reihe (Charade, Facade, Masqerade), für die sie auch hierzulande recht bekannt geworden ist. „Rush“ ist hierbei ihr erster Ausflug ins Gay Genre.

 

Inhaltlich legt Nyrae Dawn einen soliden Roman vor, bei dem man jedoch viel Zeit und Geduld mitbringen muss, um seinen Weg ins Buch zu finden. Gerade der Einstieg gestaltet sich zäh und unerwartet langwierig, da man nur wenig zu den Charakteren erfährt. So nah man an Alec und Brandon ist – immerhin wird Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der beiden jungen Männer geschildert – es fehlen eine Menge Hintergrundinfos. Diese bekommt man zwar nach und nach, mitunter aber erst nach über 100 Seiten, so dass man sich die Zusammenhänge mühsam zusammensammeln muss. So unschön Info-Dumps sind, bei „Rush“ wären einige klärende Flashbacks schön gewesen, um die Zusammenhänge zu begreifen. Aus diesem Grund ist es ein wenig mühsam, das Buch in einem Rutsch zu lesen, allerdings sind längere Pausen ebenfalls nicht ratsam, da man den Inhalt recht schnell vergisst, wenn man das Buch längere Zeit aus der Hand legt.

 

Die Thematik Sport und Homosexualität behandelt Nyrae Dawn dennoch recht intensiv und sensibel. Mitunter nerven die vielen Wiederholungen und Brandons Unsicherheiten, doch es ist verständlich, dass es jemandem, der sich nur über Sport definiert, schwer fällt sich zu outen und zu dem zu stehen, den man liebt. Dennoch zieht sich die Geschichte im Mittelteil stark, zumal sich die Geschichte zu sehr auf Brandon konzentriert – man erfährt fast alles über seine Ängste, Sorgen und Probleme, was er studiert oder wie er sich seine Zukunft vorstellt. Von Alec hingegen erfährt man in einem Nebensatz lediglich, was er studieren will. Welche Ziele er verfolgt bleiben ebenso unklar, wie seine Ambitionen und Wünsche. Man hat das Gefühl, dass sie Brandon nur über den Football definiert und Alec nur über Brandon. So schön seine Liebe zu dem Footballer ist, die Autorin hätte dem Charakter ruhig mehr Tiefgang und Eigenschaften verleihen können. Das ganze Buch dreht sich fast ausschließlich um Brandons Probleme und Sorgen, wodurch sie eine Menge Potenzial verschenkt. Zudem steigert das nicht gerade die Sympathie gegenüber Brandon, da es nur um ihn zu gehen scheint, seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und der Footballer schnell unsensibel und egoistisch wirkt.

 

Wie bereits angesprochen sind die Charaktere nur bedingt sympathisch – die Autorin legt einfach zu viel Gewicht auf Brandon, so dass Alec und dessen Entwicklung ein wenig leidet. Dennoch kann man die beiden Männer gut verstehen und ihre Gedankengänge nachvollziehen. Allerdings dauert es eine Weile, bis man sich mit den beiden angefreundet hat, denn sie wirken teilweise schrecklich inkonsistent. Das trifft auch auf die Nebenfiguren zu, die man mitunter nur schwer nachvollziehen kann. Sei es Alecs beste Freundin, oder Brandons jüngerer Bruder – teilweise versteht man einige Aktionen und Reaktionen der beiden nicht. Womöglich liegt das an den holprigen Dialogen, die ebenfalls sehr inkonsistent sind.

 

Stilistisch ist Nyrae Dawn Geschmackssache – die einen mögen ihren Stil, andere kommen damit überhaupt nicht klar. Ich gehöre zu letzteren, denn mir machten sowohl die Beschreibungen, als auch die Dialoge große Schwierigkeiten. Gerade die Gespräche sind sehr holprig, mitunter springen die Charaktere urplötzlich zwischen den Themen, so dass man den roten Faden nur schwer verfolgen kann. Ob das an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich schwer beurteilen, doch „Rush“ liest sich leider alles andere als flüssig und solide. Möglicherweise sind Nyrae Dawns andere Romane flüssiger und in sich runder, „Rush“ kann stilistisch leider nicht punkten.

 

Fazit:
„Rush – Nur du und ich“ ist ein schwules Drama, das nur teilweise überzeugen kann. Zum einen sind die Charaktere recht inkonsistent und handeln nicht immer schlüssig, zum anderen sorgt der Schreibstil dafür, dass man dem roten Faden nur bedingt folgen kann. Auch inhaltlich kann „Rush“ trotz guter Grundlagen und einer sensiblen Behandlung des Themas nicht ganz überzeugen – dafür geht es zu wirr durcheinander und die Gewichtung der Schwerpunkte ist nicht immer geglückt. Schade – hier hätte Nyrae Dawn mehr rausholen können …

Quelle: http://www.like-a-dream.de