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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Wintergeboren – Unantastbar

Unantastbar - Wintergeboren - Chris P. Rolls

Story:
Die Barbaren aus dem eisigen Jundra halten Einzug in das Land Lingar, in dem die Menschen in Frieden miteinander leben. Ohne Rücksicht auf Verluste und keinem ehrhaften Kampf abgeneigt drängen die Jundra in das sonnige, grüne Land vor, das ihnen ihr Feuergott als Geschenk versprochen hat. Zu den Kriegern gehört auch der unbesiegbare Kystra, der mit einem kleinen Heer den Weg nach Lingar gefunden hat und unter den jundrischen Kriegern als Wiedergeburt des Feuergottes gilt.

 

Eines Tages ändert sich Kystras Schicksal, als ihm ein Rihjaldar, ein junger Botenreiter des hohen Lords, in die Arme reitet und er ihn gefangen nimmt. Mit dem Ziel aus ihm einen Sklaven zu machen, versucht er Dalan auf verschiedene Art zu brechen, doch der Rihjaldar hält jeder Drohung und jedem Versuch der Erniedrigung stand und behauptet sich gegen Kystra. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der Heerführer Dalan berührt hat, ein Frevel in den Augen der Lingaran, da alle Rihjaldar unantastbar sind und nicht berührt werden dürfen. Für Dalan bedeutet die Rückkehr zu seinem Volk den Tod, so dass er sich nach und nach mit seinem Leben in Kystras Heer arrangieren muss. Dafür erkämpft er sich nicht nur einen festen Platz unter den Kriegern, er entfacht auch verstärkt Kystras Interesse, der bald mehr für Dalan empfindet.

 

Während der Krieg fortschreitet und Lingar vereinnahmt, entwickelt sich zwischen Kystra und Dalan eine wechselhafte Beziehung und schon bald stoßen sie auf Hinweise, dass sich hinter dem Feldzug gegen Lingar mehr verbirgt und dass es zwischen beiden Ländern eine Verbindung geben muss …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Fantasy-Roman „Wintergeboren – Unantastbar“ legt die bekannte Gay Romance Autorin Chris P. Rolls ihr bis dato umfangreichstes Werk vor. Auf über 600 Seiten entführt sie den Leser in die Fantasywelt Jundra und Lingar, erzählt von deren Göttern, den verschiedenen Glaubensrichtungen und alten Legenden. Die Geschichte um Dalan und Kystra ist im vorliegenden Roman noch nicht abgeschlossen – 2016 sollen ihre Abenteuer in „Feuergeboren“ fortgeführt werden, denn zum Ende hin bleiben etliche Fragen offen.

 

Die Geschichte beginnt ein wenig schleppend, da man eine Weile braucht, bis man in Chris P. Rolls Welt eingetaucht ist und die unterschiedlichen Glaubensrichtungen und damit einhergehenden Motivationen der Charaktere nachvollziehen kann. Zudem wird gerade im ersten Drittel sehr viel Zeit für die Beziehung zwischen Kystra und Dalan aufgewandt, so dass man nur wenig vom Krieg und den damit verbundenen Schlachten mitbekommt. Dies wird zwar später noch erklärt und macht nach und nach Sinn, nimmt jedoch am Anfang Schwung aus der Geschichte. So schön es ist, dass sich die Autorin Zeit lässt, um ihre beiden Protagonisten langsam zu entwickeln und nichts überstürzt (was sich auch daran zeigt, dass es verhältnismäßig wenig erotische Szenen im Buch gibt), es fehlt die Würze der Hintergrundgeschichte, um Spannung aufzubauen. Dies geschiert nämlich erst im letzten Teil des Romans, wenn endlich einige Geheimnisse gelüftet werden und die Charaktere endlich auf die Intrigen, Kämpfe und Hintergründe reagieren müssen. Ab diesem Punkt wird es auch spannend und fesselnd, doch leider gelingt es Chris P. Rolls die Spannungskurve nicht zufriedenstellend zum Ende zu führen. Zu abrupt kommt das Ende, zu zusammenfassend wirkt das Buch zum Ende hin. Sicherlich – es gibt noch einen zweiten Band, der hoffentlich all die Dinge aufgreift, die in „Wintergeboren“ zu kurz gekommen sind, doch nachdem gerade Dalans Sklavenstand und Kystras Versuche ihn zu brechen so viel Platz eingenommen haben, wirkt die Auflösung und der Abschluss zu rasch und überstürzt. Chris P. Rolls hat die Gewichtung falsch gelegt, denn man hätte den Anfang locker um etliche Seiten kürzen und den Krieg inklusive aller Intrigen und Hintergründe (die dank der unterschiedlichen Kulturen und Religionen durchaus spannend sind) etwas tiefgehender behandeln können.

 

Die Charaktere sind gut beschrieben und wachsen dem Leser rasch ans Herz. Dalan und Kystra sind interessante, liebenswerte Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln. So wächst Dalan mit der Zeit über sich hinaus und wird für Kystras Heer immer wichtiger, während der Krieger seine sanften Seiten entdeckt und seine wahre Stärke außerhalb von blutigen Schlachten findet. Die beiden Charaktere harmonieren gut miteinander und sind einander ebenbürtig, was ihre Beziehung glaubhaft macht.
Auch den Nebenfiguren räumt Chris P. Rolls ein wenig Platz ein und gibt ihnen teilweise eine eigene Geschichte. Gerade Dyrok und Jalak, Kystras Eingeschworene bekommen einen kleinen Nebenplot, der teilweise fast interessanter ist, als der von Dalan und Kystra. Leider wird dieser nur am Rand beleuchtet, doch vielleicht macht gerade das den großen Reiz aus. Dafür lernt man andere Krieger aus Kystras Heer und später auch weitere Lingaraner kennen, die durchaus Potenzial für weitere spannende Geschichten zu haben.

 

Stilistisch legt Chris P. Rolls gewohnt solide Kost vor. Sie beherrscht ihr Handwerk, erzählt die Geschichte spannend und abwechslungsreich, wenngleich die Beschreibungen der Pferde und die Szenen mit ihnen mitunter ein wenig langatmig sind. Ein wenig verwirrend sind zu Beginn die Perspektivwechsel, da die Geschichte abwechselnd aus Dalans und Kystras Sicht erzählt wird. Hin und wieder kommt man durcheinander, da nicht immer kenntlich gemacht wird, aus welchem Blickwinkel die Handlung gerade erzählt wird. Dennoch liest sich „Wintergeboren“ flüssig und weiß zu unterhalten.

 

Fazit:
„Wintergeboren – Unantastbar“ ist ein interessanter Gay Fantasy, der mit einer interessanten Hintergrundwelt und liebenswerten Charakteren punkten kann. Der Anfang ist ein wenig schleppend, da sich Chris P. Rolls ausschließlich auf die Beziehung zwischen Kystra und Dalan konzentriert und dadurch Spannung einbüßt. Im Laufe der Zeit gibt sich das glücklicherweise und aufgrund der vielen offenen Fragen, wartet man gespannt auf die Fortsetzung „Feuergeboren“. Wer Chris P. Rolls flüssigen Schreibstil und ihre längeren Geschichten mag, sollte zugreifen, ebenso Fans dicker Fantasy-Schwarten. Es lohnt sich.

Quelle: http://www.like-a-dream.de