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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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So rot wie Blut

So rot wie Blut - Elina Kritzokat, Salla Simukka

Story:

Die 17-jährige Lumikki lebt in Tampere, nachdem sie bei ihren Eltern ausgezogen ist und auf eigenen Beinen steht. Aufgrund ihrer, durch Mobbing, seelischer und körperlicher Gewalt geprägten Kindheit ist sie eher eine Außenseiterin, die lieber für sich bleibt und keine engen Freunde hat. Ihr Motto ist: nicht auffallen und sich nicht in Schwierigkeiten bringen. Letzteres kann sie nicht verhindern, als sie eines Tages in der Dunkelkammer ihrer Schule einen Haufen blutiger Geldscheinen findet, die man zum Trocknen aufgehängt hat. Schnell stößt sie auf Kaspar, Elisa und Tuukka, die das Geld nach einer feuchtfröhlichen Party im Garten von Elisas Familie gefunden haben. Unweigerlich gerät Lumikki tiefer in die Angelegenheit, als man sie entführen will, weil man sie mit Elisa verwechselt. Bei ihren Nachforschungen stößt sie mit den drei Jugendlichen auf Drogengeschäfte, Korruption und den mysteriösen Boss der finnischen Unterwelt: den Eisbären …

Meinung:

"So rot wie Blut" ist der erste Band der Thriller Trilogie "Schneewittchen", die auf Mädchen ab 14/16 zugeschnitten ist und stammt von der finnischen Autorin Salla Simukka. Für ihre Jugendbücher hat sie bereits mehrere Preise erhalten. Internationalen Erfolg bescherte ihr jedoch erst die Trilogie um die jugendliche Ermittlerin Lumikki, deren Übersetzungsrechte in über 40 Länder verkauft wurden. Die reihe wird mit "So weiß wie Schnee" und "So schwarz wie Ebenholz" fortgesetzt, die ebenfalls im Arena Verlag erschienen.

 

Die Geschichte ist durchaus spannend, jedoch ein wenig vorhersehbar. Gerade wenn man Krimis und Thriller gelesen hat, ist die Handlung nichts Neues und kann nur teilweise überraschen. Das liegt vor allem an Salla Simukkas Wahl eines außenstehenden Erzählers. Die Geschichte wird nicht nur aus Lumikkis Sicht erzählt, sondern wechselt auch zu Elisas Vater und den Gegnern, so dass man recht schnell dahinterkommt, in welche Gefahr sich die Jugendlichen wirklich gebracht haben. Man steigt schon im ersten Drittel dahinter, dass es um Drogengeschäfte geht und dass Elisas Vater ein korrupter Polizist ist. Damit nimmt die Autorin leider ein wenig Spannung aus dem Buch. Der Leser muss nicht mehr miträtseln, da ihm alles auf dem Silbertablett gereicht wird und man nicht mehr mitdenken muss. Dennoch hält sich der Spannungsbogen, was vor allem daran liegt, dass Details und Hintergründe erst nach und nach preisgegeben werden. Auch werden Actionszenen eingebaut, um die Geschichte voranzutreiben.

 

Im Zentrum steht fast ausschließlich Lumikki, da sie im Alleingang die ganzen Hintergründe aufdeckt und sich auch als einzige permanent in Gefahr bringt. Genau dieser Charakterzug ist ungemein widersprüchlich: Auf der einen Seite ist sie besonnen, ruhig, nachdenklich und bleibt lieber im Hintergrund, auf der anderen stürzt sie sich zum Ende hin mit einem Elan in die Sache, die nicht zu ihrem Charakter passt. Zudem kann sich der Leser mit ihrer kühlen, unnahbaren Art schwer identifizieren, teilweise geht sie einem sogar auf die Nerven. Hauptgrund ist die Tatsache, dass sie scheinbar alles kann: sie macht Kampfsport, kann in verschiedene Rollen schlüpfen wie und Sachen durchdenken Sherlock Holmes, hackt sich in Computersysteme ein und ermittelt wie ein Profi. Sie wirkt fast wie eine Mary Sue, aber keinesfalls wie eine 17-Jährige. Während Elisa, Kaspar und Tuukka nichts machen, löst Lumikki den Fall komplett alleine. Dadurch wirken die anderen Figuren blass und unscheinbar, wie notwendige Schaubudenfiguren, die nur eingebaut wurden, um den Grundstein der Handlung zu legen.

Auch die übrigen Charaktere kommen nicht besser weg - die Helfer und Männer rund um den Eisbären verhalten sich arg stümperhaft, dafür dass es sich um Profis handelt. Ebenso Elisas Vaters, der weder logisch noch nachvollziehbar handelt. Irgendwie erscheinen alle Charaktere blass, unausgegoren und dumm, wenn man sie mit Lumikki vergleicht. Das macht die Geschichte leider nicht authentischer und die Heldin nicht sympathischer.

 

Stilistisch ist "So rot wie Blut" in Ordnung, wenngleich es nicht so fesselnd ist, wie man es von einem Thriller erwartet. Natürlich gibt es Mord, Blut und Verfolgungsjagden, aber einige Passagen sind zu blumig und ausufernd beschrieben und lenken schnell von der Handlung ab. Gerade die Modesession vor dem Finale wird so ausführlich beschrieben, dass man geneigt ist einige Seiten zu überblättern. Zumal es nicht einmal zu Lumikki passt, da diese sich nichts aus Mode und Make-Up macht. Auch die eingeschobenen Märchenpassagen und Andeutungen gehören nicht wirklich in einen Thriller, egal wie gut sie geschrieben sind.


Fazit:

Der Jugendthriller "So rot wie Blut" von Salla Simukka bietet eine interessante Grundidee und einen schönen Handlungsbogen, kommt jedoch mit einigen Mankos daher, die das Lesevergnügen trüben. Mit sehr schwachen Nebenfiguren, einigen Logiklöchern und einer Hauptheldin, mit der man nur schwer warm wird, bietet die Autorin nur bedingt Action und Spannung. Fans des Genres werden schnell hinter die Geheimnisse kommen, dafür ist "So rot wie Blut" durchaus für Jugendliche ab 14 geeignet. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung logischer und spannender ist …

 

Diese Rezension erschien zuerst auf Splashbooks.

Quelle: http://www.splashbooks.de