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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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[3517] Anno Domini – Wir waren Götter

3517 Anno Domini: Wir waren Götter - Raik Thorstad

Story:
Nachdem die Menschen die Erde ausgebeutet haben und das Land unbewohnbar geworden ist, ist ein Leben im Jahr 3517 nur noch auf und unter dem Meer möglich. In einer der schwimmenden Festungen lebt Ragnar, Sohn des strengen und gefürchteten Alleinherrschers Takir, der seine Untertanen schindet und für den ein Menschenleben keinerlei Wert hat. Ragnars behütetes, langweiliges Leben, in dem er auf den Zeitpunkt seiner Regentschaft wartet, wird über den Haufen geworfen, als er seinen ersten Lustdiener bekommt – Aiden, einen jungen Mann aus der Unterstadt, der Zeit seines Lebens hart arbeiten musste. Letzterer ist überhaupt nicht bereit nach Ragnars Pfeife zu tanzen und sich einfach so seinem Schicksal zu beugen.

 

Nach und nach lernen sich die beiden ungleichen Männer näher kennen. Während Ragnar sich nach einem Freund und Gefährten sehnt, sich aber nur schwer ausdrücken kann, muss Aiden erkennen, dass Ragnar bei weitem nicht so schlimm ist, wie dessen Vater. Dieser überwacht das Treiben seines Sohnes mit Argusaugen und ist nicht begeistert, dass es Ragnar nicht gelingt, Aidens Willen zu brechen. Als Takir schließlich eingreift, um sich selbst um das Problem zu kümmern, ahnt er nicht, welche Kettenreaktion er auslöst …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Sci-Fi Roman „[3517] Anno Domini – Wir waren Götter“ wandelt Raik Thorstad auf neuen Pfaden, nachdem es in ihren Geschichten mit Ausnahme des Fantasyromans „Zenjanischer Lotus“ doch eher realistisch zuging. Erschienen ist der fast 600 Seiten starke Schmöker im Incubus Verlag, der bereits ihre Bücher „Leben im Käfig“, „Nach der Hölle links“ und „Zenjanischer Lotus“ herausbrachte.

 

Raik Thorstad entführt den Leser in eine ferne Zukunft, in der die Welt zum größten Teil unbewohnbar geworden ist und sich die wenigen Menschen auf Festungsanlagen auf dem Meer geflüchtet haben. Glücklicherweise verzichtet sie auf eine ausführliche Beschreibung des Landes, der Situation und der gesellschaftlichen Hintergründe, sondern flechtet alle wichtigen Informationen nach und nach ein. Als Leser lernt man erst im Laufe der Zeit die Welt kennen, in der Ragnar und Aiden leben. Interessant ist hierbei, dass sie sich an die ägyptische Kultur angelehnt hat, die Rahmenbedingungen jedoch umgekehrt zu haben scheint: statt der Wüste haben wir Meer, statt 4000 Jahre vor Christus, befinden wir uns in der Zukunft 3500 Jahre nach Christus. Einzig die Figur des Gottkönigs ist identisch, denn Takis hat einen ähnlichen Status inne, erlässt alle Gesetze und kann schalten und walten wie er will. Auch sonst hat sich die Autorin Gedanken gemacht, wie eine solche Gesellschaft aufgebaut ist, mit welchen Problemen man zu kämpfen hat und wie das Zusammenleben funktioniert.

 

Diese Grundideen sind durchweg interessant und spannend umgesetzt. Man lernt eine fremdartige Kultur kennen, teils durch die Augen der Hauptcharaktere, teils durch Beobachtungen und Aktionen diverser Nebenfiguren. U Beginn konzentriert sich Raik Thorstad stark auf ihre Figuren, um sowohl Aiden als auch Ragnar plastisch und lebendig darzustellen. Dies gelingt ihr sehr gut, allerdings hat die erste Hälfte von „[3517] Anno Domini – Wir waren Götter“ durchaus seine Längen. Erst im zweiten Teil, wenn die Verschwörungen im Hintergrund an Konsistenz gewinnen, wird es interessanter und tiefgründiger. Der Fokus verschiebt sich allmählich von Ragnar und Aiden, die umeinander rumschleichen, ohne sich ihrer Gefühle füreinander bewusst zu werden, zu den Intrigen und geheimen Vorfällen innerhalb von Takirs Festung. Das tut dem Buch gut, denn egal wie sinnlich und erotisch Raik Thorstadts Sexszenen auch sind, mit der Zeit genügt es einfach nicht mehr, Ragnar und Aidens Bettgeschichten zu lesen.

 

Charakterlich sind Ragnar und Aiden sehr lebendig, realistisch und gut nachvollziehbar gestaltet. Man kann sich sowohl in Ragnar hineinversetzen, der als Sohn des Herrschers ein bedeutungsloses, langweiliges Leben fristet, in dem er kaum eigene Entscheidungen treffen kann. Er ist, durch seine Erziehung bedingt, ein sehr inkonsistenter Charakter, der sich nur schwer ausdrücken kann und dessen Beweggründe man schnell missversteht. Im Gegensatz dazu ist Aiden natürlicher, offener und ehrlicher. Er ist zu stur, um klein beizugeben, was für eine explosive Mischung sorgt, wenn er auf Ragnar trifft.

Die Nebenfiguren können ebenfalls überzeugen – sei es Takir, den man trotz seiner Grausamkeit verstehen kann, seine Frau Alexis, die eine sehr starke Figur ist, oder der Arzt Geno, den man ebenfalls ins Herz schließt. Raik Thorstad erschafft interessante Charaktere, die man gerne weiterbegleitet hätte.

 

Stilistisch kann die Autorin einmal mehr überzeugen. Ihr angenehmer, wortgewandter Schreibstil zieht den Leser schnell in den Bann, die Beschreibungen der Umgebung, der Hitergründe und der Figuren sind ebenso ausgereift wie die Dialoge. Auch Actionszenen meistert sie problemfrei, so dass man leicht über die Passagen hinwegsehen kann, die ein wenig zu lang anmuten. Hin und wieder hätte der Geschichte die ein oder andere Kürzung gut getan, ebenso stören im Laufe der Zeit die Rechtschreibfehler, die sich in den Text geschlichen haben. Letztere sind nicht so gravierend, doch sie fallen gerade im letzten Drittel störend ins Gewicht.

 

Fazit:
„[3517] Anno Domini – Wir waren Götter“ ist ein gelungener, spannender Sci-Fi Roman, der mit einer interessanten Handlung und gut durchdachten, realistischen Charakteren besticht. Hin und wieder gibt es Längen, gerade im ersten Teil konzentriert sich Raik Thorstad zu sehr auf die wachsende Beziehung zwischen Ragnar und Aiden, denn selbst wenn diese wichtig ist, so ist weniger manchmal mehr. Nichtsdestotrotz kann man den Roman nur schwer aus der Hand legen, da der gute Schreibstil der Autorin wirklich zu fesseln weiß. Wer auf der Suche nach schwuler Sci-Fi ist, sollte mit „[3517] Anno Domini – Wir waren Götter“ beginnen – es lohnt sich.

Quelle: http://likeagaydream.wordpress.com