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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

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Die Prophezeiung der Volturne

Die Prophezeiung der Volturne (Fantasy) - Susanne O'Connell

Story:

Nachdem der junge Vagóor offen dem Glauben und der damit einhergehenden Prophezeiung seines Volkes widersprochen hat, wird er wie ein Aussätziger behandelt und aus den Reihen der Volturne verbannt. Auf sich allein gestellt findet er überraschenderweise unter den Säbelzahntigern neue Freunde, ebenso bleibt ihm der Beutelaffe Sistal erhalten. Als ihm seine Angebetete Mirihanna begegnet, die von sich selbst glaubt Kathaa, die Auserwählte der Prophezeiung zu sein, schließt er sich ihr an, um sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen, wenngleich er noch immer zweifelt. Doch dies markiert lediglich den Beginn einer Reise, die Vagóor tief in das feindliche Land der Herkane führt, Gnome, die alle Wesen unterdrücken und unaufhörlich nach macht streben, und die am Ende mit einem Schicksal aufwartet, mit dem der junge Volturn als letztes gerechnet hätte …

 

Eigene Meinung:

„Mit dem Fantasyroman „Die Prophezeiung der Volturne“ erschien 2014 das Debüt der Verlegerin und Autorin Susanne O’Connel im gleichnamigen O’Connel Verlag. Das Buch umfasst knapp 400 Seiten und ist in sich abgeschlossen

.

Inhaltlich offenbart sich dem Leser eine ungewöhnliche Fantasywelt, die mit verschiedenen Tieren, Pflanzen und Geschöpfen daherkommt. Einige sind altbekannt (Menschen, Drachen, Gnome, Säbelzahniger), andere sind vollkommen neu, wie beispielsweise die Volturne. Es fällt schwer sich auf die Welt einzulassen, die Susanne O‘Connel erdacht hat. Das liegt vor allem daran, dass es zu viel geworden ist und die unterschiedlichen Tiere und Pflanzen nur schwer zusammenpassen. Mitunter wirkt der Einsatz neuer Begriffe und Geschöpfe fast schon inflationär, als hätte man beweisen wollen, wie fantastisch und ungewöhnlich die Welt der Volturne ist. In diesem Fall wäre weniger mehr gewesen, da man sich dann auch besser auf die eigentliche Handlung hätte konzentrieren können. Diese ist nämlich leider arg verworren und undurchsichtig, so dass man mitunter Schwierigkeiten hat der Geschichte zu folgen. Vieles geht einfach zu schnell, ohne dass eine Spannungskurve aufgebaut wird. Das merkt man ganz besonders daran, dass den Charakteren oftmals Dinge in den Schoß fallen, ohne dass sie etwas dafür tun müssen. Vagóor bricht zu den Herkanen auf, (für den Leser) urplötzlich hat er die Fähigkeit die Himmelsrichtung zu bestimmen. Auch in anderen Punkten tritt jedes Mal urplötzlich ein verborgenes Talent, eine Fähigkeit oder ein unverhoffter Zufall ein, um die Figuren aus ausweglosen Situationen zu befreien. Nahezu nie müssen sie wirklich selbst aktiv werden oder über längere Sicht nach einer Lösung suchen.

 

Ein großes Problem sind in diesem Zusammenhang auch die Charaktere. Es fällt schwer sich auf Vagóors sprunghafte Art und sein ewiges Hin und Her einzulassen. Er verlässt sein Volk, da er sich mit dem Glauben nicht identifizieren kann, ist aber sofort Feuer und Flamme als seine Angebetete den Versuch wagt die Prüfungen abzulegen, der sich jeder männliche Volturne stellen muss, wenn er selbst die Prophezeiung erfüllen will. Kaum verhält sich Mirihanna ihm gegenüber abweisend, wendet er sich ab und schlägt urplötzlich den Weg des Verräters ein. Er fällt jedes Kapitel von einem Extrem ins Nächste, ohne dass es einen wirklichen Grund für sein Verhalten gibt. Dadurch wird man nie wirklich warm mit ihm, mitunter wird er einem zunehmend unsympathisch, da er beispielsweise mehr um den Säbelzahntiger Katze trauert, als um seinen eigenen Vater. Dass er zum Ende hin urplötzlich zum Anführer, Krieger und geistigem Mentor der Volturne mutiert, sorgt eher für Verwirrung, da man nicht nachvollziehen kann, wann er all diese Fähigkeiten erworben hat. Zudem handelt er arg egoistisch, was ihm ebenfalls keine Sympathiepunkte einbringt.

Auch Mirihanna ist leider keine Figur, die man ins Herz schließt. Ihre Art mit Vagóor umzugehen und ihn auszunutzen ist wirklich nicht schön. Die beschriebenen Gefühle zwischen den beiden wollen so gar nicht beim Leser ankommen. Sie wirkt unpersönlich, kalt und nur auf ihre Mission bedacht. So gestalten sich leider auch die üblichen Figuren – Vagóors Bruder Eran ist kaum zu begreifen, die Extreme zwischen denen er schwankt, sind noch gravierender als bei Vagóor. Gerade am Ende versteht man sein Handeln überhaupt nicht mehr. Warum die Säbelzahntiger so entschlossen hinter Vagóor stehen wird ebenfalls nicht geklärt und es fällt mit der Zeit immer schwerer  indem Ganzen einen logischen Zusammenhang zu entdecken.

 

Die Krönung stellen die Herkane dar, die zwar durchaus interessant und eindrucksvoll in Szene gesetzt sind und dessen Kultur der Leser am stärksten kennenlernt, die aber einfach nur die Gegner sind. Sie sind böse, weil sie böse sind, nicht weil sie einen Beweggrund oder ein Motiv haben. So werden sie auch beschrieben – hässlich, eklig, grausam und durch und durch verabscheuungswürdig. Dadurch wird dem Leser quasi jede Möglichkeit genommen, sie als etwas anderes zu sehen, als hässliche, widerliche Gestalten, denen es nur um Macht geht.

 

Stilistisch ist Susanne O’Connel gewöhnungsbedürftig. Es fällt schwer in die Geschichte einzutauchen, da die Autorin einen sehr sprunghaften Stil hat, der mitunter stark verwirrt und es erschwert zu den Charakteren eine Bindung aufzubauen. Vagóor kann man selten nachvollziehen, seine Reaktionen kommen immer übertrieben und dramatisch vor und die Gefühlswelten des Helden beschränken sich zumeist auf seine Angebetete und wie gerne er ihr körperlich nahekommen will. Auch die Beschreibungen der Umgebung, egal wie viele Begrifflichkeiten und Namen die Autorin für die Tier- und Pflanzenwelt findet, sind nicht ganz so gut gelungen. Man kann sich die Welt der Volturne einfach nicht richtig vorstellen, eben weil es mit Begrifflichkeiten nicht getan ist. Auch die Beschreibungen der Kämpfe sind weniger gut gelungen, insbesondere das große Finale ist arg abrupt und binnen weniger Seiten abgeschlossen. Hier hätte man sich wesentlich mehr Zeit lassen müssen, um die Schlacht lebendig und nachvollziehbar zu gestalten. So fühlt sich der Leser fast ein wenig alleingelassen und um ein befriedigendes Ende betrogen, da binnen weniger Sätze alles abgeschlossen wird.

 

Fazit:
„Die Prophezeiung der Volturne“ ist ein Fantasyroman, der durchaus einige gute Grundideen bietet und mit einer Hand voll schöner Rassen, Tiere und Pflanzen aufwarten kann, inhaltlich jedoch leider nicht überzeugen kann. Zu abrupt und extrem fallen die Geschichte und die Charaktere von einem Extrem ins nächste, so dass man sich weder auf die Figuren, noch auf den Handlungsverlauf einlassen kann. Auch gibt es etliche Logiklücken - sei es im Handlungsverlauf oder bei den Rassen an sich - die das Lesevergnügen deutlich schmälern. In Kombination mit dem verworrenen Schreibstil, der bei den Beschreibungen der Umgebung zu ausführlich, beim Rest zu stark gekürzt ist, fällt es schwer den Einstieg ins Geschehen zu bekommen und das Buch in einem Rutsch zu lesen. Wer dennoch einen Blick riskieren möchte, dem sei zur Leseprobe geraten, um herauszufinden, ob man etwas mit Susanne O’Connels Debüt anfangen kann.