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Like a Dream

Bücher-Blog des homoerotischen Internetportals "Like a Dream" (www.like-a-dream.de). Hier werden vorwiegend homoerotische Romane vorgestellt, aber auch Kinder- und Jugendbücher.

Ich lese gerade

Zur Strafe: Krippe!: Lots of Love
Eli Berg, Kaye Alden
Bereits gelesen: 18 %
Die Partitur der Gewalt
Romy J. Wolf
Bereits gelesen: 70/288 pages

Zwei Papas und ein Baby

Zwei Papas und ein Baby: Unser Leben als (fast) ganz normale Familie - Tobias Rebisch

Inhalt:
Nach einer schmerzhaften Trennung stellt Tobias fest, dass er für seinen besten Freund Marc mehr empfindet, als reine Freundschaft – ein Schock für den jungen Mann, der in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist. Glücklicherweise werden seine Gefühle erwidert und beide beschließen sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Nach einiger Zeit wächst bei beiden der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind, denn ihre Liebe ist stark genug, um ein junges Leben zu begleiten und ihm über Jahre hinweg beizustehen. Doch der Kampf um ein Kind ist schwierig, denn als gleichgeschlechtliches Paar haben sie mit ungleich mehr Problemen zu kämpfen, wenn es darum geht ein Baby zu adoptieren. Über Jahre hinweg halten Tobias und Marc an ihrem Traum fest und erst als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, kommt der erlösende Anruf …

 

Eigene Meinung:
Das autobiografische Buch „Zwei Papas und ein Baby“ erschien 2016 im Heyne Verlag und ist eine einzige Liebesgeschichte des Autors an seinen Mann Marc und seinen Sohn Luis. Dies spürt man auf jeder Seite, was dafür sorgt, dass es schwer fällt, den Roman aus der Hand zu legen. Es ist wundervoll die Geschichte der beiden Männer mitzuerleben, die sich nicht nur finden, sondern auch, trotz vieler Probleme und Widrigkeiten, eine kleine Familie aufbauen. Es zeigt, wie schwierig es für junge Paare ist (dabei sind nicht nur homosexuelle gemeint, sondern auch heterosexuelle Pärchen, bei denen sich ein Kinderwunsch nicht erfüllt), ein Kind zu adoptieren und welche bürokratische Hürden genommen werden müssen, bevor man ein Kind bei sich aufnehmen kann. Trotzdem haben es Tobias und Marc doppelt schwer, da es ihnen nicht gestattet ist, gemeinsam als Paar ein Kind zu adoptieren (bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft ist das bis heute nicht möglich), sondern nur einer von ihnen darf einen entsprechenden Antrag stellen. Dass sie dadurch schlechtere Karten haben, wenn es darum geht, eine Auslands- oder Inlandsadoption durchzuführen, wird mit der Zeit klar, denn  natürlich werden junge Paare gegenüber einem (von Rechtwegen) Single bevorzugt. Dementsprechend müssen die beiden Männer Jahre warten, bevor sie (quasi über Nacht) Eltern werden, was sie und ihre Beziehung vor ganz neue Probleme stellt.

 

Tobias Rebisch erzählt sehr eindringlich und warmherzig, welche Probleme und Steine ihm und seinem Mann in den Weg gelegt wurden, gleichzeitig aber auch, von wem sie unterstützt wurden. Dabei bleibt er stets offen und ehrlich, schreibt fair und klagt niemanden an. Er schildert einfach nur, was ihm und seinem Mann im Laufe des Adoptionsprozess wiederfahren ist, von welcher Stelle sie Hilfe und Unterstützung bekommen haben und welche Parteien mit ihrer Entscheidung weniger glücklich waren. Sehr spannend ist auch, welche Gedanken sich die beiden Männer darum machen, bevor sie sich für eine Adoption entscheiden – man fragt sich automatisch, wie viele Paare sich dieselben Fragen stellen, mit denen sich Tobias und Marc herumschlagen, bevor sie ein Kind in die Welt setzen.

 

Sehr schön ist auch das letzte Drittel des Romans, in dem das Leben zu Dritt geschildert wird und in dem Tobias Rebisch offen auf die Schwierigkeiten und Probleme eingeht, die ein Baby mit sich bringt. Dadurch berührt er den Leser auf mehreren Ebenen. Als Leser leidet man mit Tobias und Marc, als sie trotz aller Hoffnungen keinen rettenden Anruf erhalten, ebenso freut sich mit ihm und seinem Mann über das Glück, dass ihnen mit Luis wiederfahren ist. Regenbogenfamilien sind in Deutschland leider eine Seltenheit, die gegen viele Vorurteile zu kämpfen haben. In dem Zusammenhang ist „Zwei Papas und ein Baby“ ein wundervolles Werk, das zeigt, dass zwei Männer ebenso gut für ein neues Leben sorgen können, wie ein „normales“ Paar. Tobias Rebisch macht Mut und Hoffnung, hinterlässt ein gutes Gefühl und man fragt sich automatisch, wie es mit der Familie weitergeht. Vielleicht lässt uns der Autor ja daran teilhaben, denn man fühlt sich Tobias, Marc und Luis sehr nahe, wenn man das Buch zuschlägt. Daher möchte man auch wissen, wie ihr Leben weitergeht, insbesondere wenn Luis älter wird.

 

Fazit:
„Zwei Papas und ein Baby“ ist ein wundervoller, autobiografischer Roman, der den Leser gefangen nimmt und so schnell nicht mehr loslässt. Tobias Rebisch trifft den richtigen Ton, macht Mut und lässt den Leser mit einem guten Gefühl zurück, das dafür sorgt, dass man sich automatisch fragt, wie es der jungen Familie zukünftig ergeht. Das Buch ist eine wundervolle, persönliche Liebeserklärung, an der uns der Autor teilhaben lässt und die den Leser tief berührt. Tobias Rebisch zeigt, dass es sich zu kämpfen lohnt, ganz gleich wie schwierig die Bedingungen sind. Denn Liebe findet einen Weg. Sehr zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Nachbarschaftshilfe

Nachbarschaftshilfe: Ein Vampir- und Werwolfkrimi (German Edition) - Susanne Eisele

Story:
Eine grausame Mordserie erschüttert die durch einen Fluss getrennten Werwolf- und Vampirclans. Während bei den Vampiren schnell ein Werwolf als Übeltäter ausgemacht wird, scheint bei für die Morde unter den Werwölfen ein Vampir verantwortlich zu sein. Um die Vorfälle endlich zu klären werden Charles, Prinz und Sheriff der Vampire und Alexa, Sheriff der Werwölfe, gemeinsam mit einigen ihrer Leute auf den Fall angesetzt. Zeitgleich beschließt Charles Vater einen Brücke zu den Werwölfen zu schlagen, um zukünftig in Freundschaft miteinander zu leben. Dazu hat er der Hochzeit zwischen dem Nachkommen der Werwölfe, Thomas, und seinem Sohn eingewilligt. Charles ist davon weniger begeistert, zumal er definitiv nur an Frauen interessiert ist – im Gegensatz zu seinem Zwilling Matthew, der jedoch seit seiner Geburt vor den Vampiren versteckt gehalten wird. Zu allem Überfluss findet Charles mit der Zeit mehr Gefallen an Alexa, die dem charismatischen Vampir ebenfalls zu schätzen lernt. Und auch zwischen Thomas und Matthew, der einmal Charles Platz einnimmt, funkt es gewaltig …

 

Eigene Meinung:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein Kurzroman von Susanne Eisele und erschien 2014 im Eigenverlag. Die Geschichte der Vampire und Werwölfe wurde 2015 mit „Kinderspiel“ fortgesetzt, der ebenfalls im Selbstverlag herausgekommen ist.

 

Inhaltlich entführt die Autorin die Leser in eine Welt, in der Vampire und Werwölfe in einer kleinen Stadt fernab der Menschen leben. Beide Clans verhalten sich friedlich – auch untereinander, da sie einst gemeinsam herrschten und erst im Laufe der Zeit eine Trennung der Werwölfe und Vampire zustande kam. Das friedliche Miteinander wird erst gebrochen, als es zu den Morden kommt, die auf beiden Seiten des Flusses gleichermaßen für Unruhen sorgen. Die gemeinsamen Ermittlungen sind in diesem Zusammenhang nur logisch, da sich die Vorfälle nicht nur auf Vampire oder Werwölfe beschränken. Susanne Eisele beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ermittlungen der beiden Teams, sondern baut mit der geplanten Hochzeit zwischen dem Erben des Vampirclans und dem Nachkommen der Werwölfe einen weiteren Spannungspunkt mit ein, der noch für einigen Trubel sorgt. Ein wenig vorhersehbar ist in diesem Punkt die Handlung allerdings schon, denn dass Matthew und Thomas sich so gut verstehen, und Charles und Alexa ebenfalls nur schwer voneinander lassen können, wirkt ein wenig arg schablonenmäßig. In diesem Punkt kann die Autorin leider kaum überraschen, denn man weiß relativ schnell, welcher Charakter mit wem zusammenkommt.
Etwas aufwendiger und komplexer ist da schon der Kriminalfall, wenngleich auch hier die Figuren relativ wenig Eigeninitiative leisten – klar, sie ermitteln, aber letztendlich kommt ihnen doch der Zufall zu Hilfe, um die Hintergründe zu den Vorfällen aufzuklären.

 

Die Charaktere sind im Grunde sympathisch, aber auch recht stereotyp geraten. Hin und wieder fallen sie ein wenig aus dem Rahmen, aber alles in allem bleiben sie sich selbst treu, was sie leider ein wenig blass erscheinen lässt. Charles ist dabei manchmal ein wenig zu forsch und selbstverliebt, doch das gibt sich im Laufe der Zeit. Matthew ist der liebe, nette, junge Mann, bei dem man sich doch ein wenig wundert, warum er nicht revoltiert, immerhin muss er versteckt im Schloss leben, da Zwillinge unter den Vampiren als Unglücksboten gelten. Bei ihm hätte man es verstanden, wenn er sich gegen die Regeln auflehnt. Alexa und Thomas sind zwar durchaus sympathisch, doch auch sie bleiben dem Leser kaum in Erinnerung. Vielleicht liegt das aber auch am geringen Umfang des Buches – zwar reichen die knapp 150 Seiten um die Geschichte zu einem Ende zu bringen und die meisten Hintergründe zu klären, doch ein wenig mehr Charakterentwicklung wäre nicht schlecht gewesen.

 

Stilistisch bewegt sich „Nachbarschaftshilfe“ auf solidem Niveau. Susanne Eisele hat ein gutes Gefühl für Sprache und Dialoge, allerdings kommen recht viele Wortwiederholungen vor, was das Lesen ein wenig erschwert. Auch die Perspektivsprünge zwischen den Figuren sind nicht jedermanns Geschmack, da man sich auf diesem Weg nur schwer auf einen Charakter einschießen kann. Dennoch ist „Nachbarschaftshilfe“ lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung, die Lust auf die bereits erschienene Fortsetzung macht.

 

Fazit:
„Nachbarschaftshilfe“ ist ein solider Kurzroman, der mit einem spannenden Konzept, interessanten Charakteren und einem gut durchdachten Kriminalfall aufwarten kann. Hin und wieder wirkt die Geschichte zwar zu stereotyp, sowohl was die Charaktere anbelangt, als auch, was die Auflösung des Falls betrifft. Dennoch lohnt sich Susanne Eiseles Debüt, wenn man Vampire und Werwölfe mag und ein Fall von (teils blutigen) Kriminalfällen ist. Im Zweifelsfall reinlesen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Ein letztes Mal wir

Ein letztes Mal wir: Roman - Lovis Cassaris

Story:
Die Berlinerin Alexandra Roth ist eine Stadtpflanze durch und durch. Dennoch nimmt sie an einer 180km langen Wandertour durch Lappland teil, um ein Versprechen einzulösen, dass sie ihrer todkranken Frau Maike kurz vor deren Tod gab. Nur mühsam bewältigt Alex die ersten Kilometer und bekommt unerwartet Unterstützung von der jungen Fotografin Emma Holmqvist, die ihr nicht nur bei den mühevollen Tagesmärschen hilft, sondern ihr auch ein offenen Ohr leiht. So erzählt Alex in der abgeschiedenen Idylle Lapplands von ihrer Frau und ihrer Entscheidung, ihrem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen, als es gegen den Krebs keine Chance mehr gibt …

 

Eigene Meinung:
Mit „Ein letztes Mal wir“ erschien 2016 das Debüt der Autorin Lovis Cassaris im Querverlag. Auf knapp 200 Seiten entführt die Autorin zum einen nach in das raue, wilde Lappland, zum anderen in die Schweiz, wo Alexandra und Maike leben.

 

Inhaltlich erwartet den Leser die Geschichte einer jungen Frau, die mit dem Verlust ihrer Ehefrau Maike zu kämpfen hat und sich ihr zu Ehren zu einer Wandertour durch Lappland anmeldet. Vor der rauen Natur und der eigenwilligen Schönheit des Landes, kommt Alexandra nicht nur zur Ruhe, sie lässt ihr Leben und ihre Liebe zu ihrer Partnerin noch einmal Revue passieren, um auf diesem Weg damit abzuschließen. Auf ihrem Weg lernt sie die offenherzige Emma kennen, die sich Alexandra nicht nur anschließt und sie die vielen Kilometer bis zum Ziel motiviert, sondern sich auch Alex‘ Erzählung anhört. Dementsprechend springen die Kapitel zwischen der Gegenwart – der Wanderung – und der Vergangenheit – Alex und Maikes Kennenlernen und gemeinsames Leben – hin und her. Erst nach und nach erfährt man, was geschehen ist und mit welchen Problemen Alex und Maike zu kämpfen hatten.


Lovis Cassaris schafft ein sehr emotionales, direktes Werk, das einen schnell in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Man fühlt sich Alex verbunden, wenngleich es zu Beginn schwer fällt sich auf sie einzulassen. Doch je weiter die junge Frau auftaut, desto näher ist man an der Geschichte und erlebt, was Alexandra erlebt. Aus diesem Grund trifft es einen, als es um Maikes Krankheit geht und ihren Wunsch ihrem Leben auf würdevolle Art und Weise ein Ende zu setzen. In diesem Punkt lädt die Autorin zum Nachdenken und Diskutieren ein, denn aktive Sterbehilfe ist ein Thema, bei dem die Meinungen auseinander gehen.

 

Die Charaktere sind sehr authentisch und einfühlsam beschrieben. Wie bereits erwähnt braucht der Leser eine Weile, um mit Alexandra warm zu werden, da diese am Anfang sehr spröde und unnahbar daherkommt. Erst im Laufe der Zeit taut sie auf und man versteht, warum die junge Frau so verbittert ist. Emma wirkt leider ein wenig blass, was daran liegt, dass man kaum etwas über sie erfährt, außer der Tatsache, dass sie gerne wandert und fotografiert. Das ist ein bisschen schade, aber da es in „Ein letztes Mal wir“ vorwiegend um Alexandra und ihre Frau Maike geht, kann man damit leben. Maike selbst ist ebenfalls gut charakterisiert, da man sie in den Rücklenden kennenlernt und sie dank ihrer liebenswerten Art schnell ins Herz schließt.

 

Stilistisch legt Lovis Cassaris ein beeindruckendes, intensives Debüt vor, dass durch eine klare Sprache, sehr schöne Beschreibungen (gerade die landschaftlichen Details von Lappland sind sehr bildlich umgesetzt) und gut ausgearbeitete Charaktere besticht. Die Autorin weiß, wie man mit Worten umgeht und welche Szenen sie vertiefen muss, um passende Bilder und Emotionen zu vermitteln. Auch erotische Szenen wirken sehr sensibel in Szene gesetzt, ohne plump zu wirken. Man darf gespannt sein, welche Bücher als nächstes erscheinen, denn „Ein letztes Mal wir“ macht definitiv Lust auf mehr.

 

Fazit:
Lovis Cassaris‘ Dabür „Ein letztes Mal wir“ ist ein wundervolles, stilles und emotionales Buch, das sowohl durch eine gute, tiefgründige Geschichte, als auch authentische Charaktere besticht. Auch stilistisch kann der Roman überzeugen und bietet neben wundervollen Landschaftsbeschreibungen, sehr intensive Dialoge und Gespräche. Wer realistische, lesbische Literatur mag und wen das ernste Thema und der Umgang mit Krankheit und Tod nicht stören, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Es lohnt sich.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Anna & Eva

Anna & Eva: Nur eine Frage der Liebe - J. Walther

Story:
Bereits bei ihrem ersten Treffen ist die Künstlerin Anna von Eva fasziniert, fühlt sich von der leicht maskulinen Art angezogen. Sie setzt alles daran, die introvertierte Frau kennenzulernen, was ihr leichter gelingt als gedacht. Doch schon bald wird offensichtlich, dass Eva ein Geheimnis umgibt, das ihrer wachsenden Liebe zueinander im Weg steht – und das Anna auf die Probe stellt, als Eva sich ihr offenbart …

 

Eigene Meinung:
„Anna & Eva“ ist ein Kurzroman von Jana Walther, der inhaltlich zu „Nur eine Frage der Liebe“ gehört. Beide Bücher behandeln denselben Zeitabschnitt, jedoch wird in dem schwulen Drama die Geschichte von Phillip und Christoph erzählt, die in „Anna & Eva“ nur am Rande vorkommen. Es empfiehlt sich daher auch den Ursprungsroman zu lesen, da dort einige Ereignisse ausführlicher und umfassender beschrieben werden und sich „Anna & Eva“ ergänzend vorzunehmen. Auf jeden Fall ist es schön, dass die Autorin dem Wunsch der Fans nachgekommen ist und Anna und Eva einen eigenen Roman gegönnt hat.

 

Inhaltlich bietet Jana Walther eine interessante Geschichte, in der es nicht nur um die wachsenden Gefühle zwischen Anna und Eva dreht, sondern auch die Thematik Transsexualität bzw. Transfrau angesprochen wird. Leider kratzt die Autorin gerade bei diesem spannenden Thema nur an der Oberfläche, da „Anna  Eva“ zu kurz gehalten ist, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Auch bleiben einige erklärende Szenen auf der Strecke, da vieles bereits in „Nur eine rage er Liebe“ beschrieben wurde. Zwar sind alle relevanten Szenen ausführlich und gut umgesetzt, doch die verbundenen Teile dazwischen werden übersprungen, so dass man das Gefühl hat einiges zu verpassen. „Anna  Eva“ ist nicht kontinuierlich erzählt, sondern ein wenig sprunghaft, was es ein wenig erschwert, sich richtig auf die Figuren einzulassen.
Dennoch ist es schön, Anna (die man bereits seit Jana Walthers Debüt „Benjamins Gärten“ kennt) endlich in der Hauptrolle zu sehen und ihre Gedanken und Gefühle kennenzulernen. In gewisser Weise schließt sich mit „Anna & Eva“ ein Kreis, der seit mehreren Büchern offen war. Umso schöner, dass die Autorin ihre Geschichte parallel zu „Nur eine Frage der Liebe“ ansetzt, wodurch beide Romane eine gewissen Dreidimensionalität erhalten.

 

Die Charaktere sind sehr interessant und authentisch gehalten – Anna ist eine sympathische Protagonisten, die man schnell ins Herz schließt. Eva ist wesentlich spröder, doch das stört wenig, da sie einen sehr schönen Kontrast zu Annas lockerer, fröhlicher Art bildet. Dennoch wäre es schön gewesen, mehr über Eva, ihr Leben und ihre Anpassung zu erfahren, da ihr Charakter eine Menge Potenzial bildet. Trotzdem ist es spannend, Evas Weg zu verfolgen, immerhin fällt es ihr um ein vielfaches schwerer, sich auf eine Beziehung mit einer Frau einzulassen. Diesen Konflikt hat Jana Walther sehr gut dargestellt – man begreift, warum es dauert, bis sie Annas Avancen nachgibt.

 

Stilistisch bewegt sich „Anna & Eva“ auf gewohnt hohem Niveau – Jana Walther hat einen sehr sicheren, erwachsenen Schreibstil, der gut zu den Charakteren und der tiefgängigen Geschichte passt. „Anna & Eva“ ist ein wenig nüchterner und direkter als „Nur eine Frage der Liebe“, was (dank Phillip) ein wenig leichter daher kam. Sehr schön ist auch, dass Jana Walther kein Blatt vor den Mund nimmt – die Erotikszenen sind stimmig, weder kitschig verbrämt noch unglaubwürdig. Das macht „Anna und Eva“ zu einem gelungenen, realistischen Kurzroman.

 

Fazit:
„Anna & Eva“ ist eine gelungene Ergänzung zu „Nur eine Frage der Liebe“, die sich am ehesten den Lesern zu empfehlen ist, die die beiden Künstlerinnen bereits aus dem schwulen Drama kennen. So schön der Kurzroman ist, so stilistisch solide umgesetzt, geht doch vieles verloren, wenn man die Ursprungsgeschichte nicht kennt. Daher empfehle ich allen Interessenten beide Romane, am besten hintereinander zu lesen. Jana Walther legt einmal mehr ein schönes Werk vor, das ruhig ein wenig länger und hinsichtlich des transsexuellen Themas tiefgründiger hätte ausfallen können. Zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Nennen wir sie Eugenie

Nennen wir sie Eugenie (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig

Story:
Eugenies Leben ist perfekt – sie hat liberale Eltern, liebevolle Brüder und in Seraba eine Partnerin, auf die sie bauen kann. Dass ihre Liebe in Senegal unter Strafe steht und mit Gefängnis geahndet wird, stört die beiden Frauen nicht, da sie ihre Beziehung im Geheimen ausleben. Das ändert sich, als ihre Familie einige SMS lesen und herausfinden, dass Eugenie mit einer Frau zusammen ist. Schneller als Eugenie denkt, wird sie fallengelassen – von ihrer Familie und ihren Freunden. Um der Polizei zu entkommen, die schon bald steckbrieflich nach ihr sucht, flieht sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland, in der Hoffnung dort Asyl zu bekommen und ein neues Leben zu beginnen. Doch der Asylprozess ist langwierig und zermürbend, und die Aussichten auf Anerkennung ihres Antrags verschwindend gering …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Nennen wir sie Eugenie“ spricht Maria Braig einmal mehr die Themen Flüchtling und LGBT an. Dieses Mal widmet sie sich der lesbischen Eugenie, die es laut Nachwort wirklich gab. Natürlich sind nicht alle Ereignisse originalgetreu – vieles entspringt der Fantasie der Autorin oder wurde von anderen Schicksal beeinflusst – dennoch dürften Fälle wie Eugenies nicht so selten sein, wie man vielleicht glaubt.

 

Innerhalb weniger Seiten ist an in der Geschichte, lernt die junge Frau kennen, die mit ihrer Freundin Seraba trotz widriger Umstände in Senegal glücklich ist. Sie träumt von einem Studium und hofft darauf irgendwann mit ihrer Partnerin zusammen zu sein. Der Traum platzt binnen weniger Tage – Hass, Verachtung und Ekel schlagen ihr entgegen und zwingen sie dazu ihre Heimat zu verlassen. Im Gegensatz zu „Spanische Dörfer“ hat Eugenie eine recht „leichte“ Flucht, da sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland fliegt. Dort gestaltet sich der Asylantrag schwierig, da die junge Frau keinerlei Beweise vorlegen kann, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wird. Zwar findet sie Unterstützung und Freunde, doch im Laufe der Zeit schwindet in den menschenunwürdigen Massenunterkünften die Hoffnung auf eine Zukunft in Europa.
Eugenies Schicksal geht durchaus zu Herz – man leidet mit ihr, als sie von ihrer Familie verstoßen wird und findet es schrecklich, was ihr in Deutschland wiederfährt. Dennoch fehlt mir einmal mehr der Tiefgang, sprich der Einblick in Eugninies Gefühlswelt. Nur hin und wieder erahnt man, was in der jungen Frau vor sich geht und wie sehr die Ereignisse an ihr nagen. „Nennen wir sie Eugenie“ ist einfach zu kurz geraten. Für einen Tatsachenbericht fehlen die realen Belege und Hintergründe, für einen Roman vermisst man die Bindung zum Hauptcharakter. Dabei ist es wichtig die Missstände in Deutschland anzusprechen und auf die Probleme hinzuweisen, die Flüchtlinge haben. Dennoch wäre es schön gewesen, all das noch greifbarer mitzuerleben, als in Form von kurzen Zusammenfassungen und Ausblendungen. Gerade bei en Dialogen ist es schade, wenn sie nicht ausformuliert sind, sondern lediglich nachträglich erzählt werden.

 

Trotzdem kann man sich gut in Eugenie reinversetzen und schließt die junge Frau ins Herz. Man bangt mit ihr und hofft, dass es für sie gut ausgeht. Ebenso mag man Seraba, die alles daran setzt ihrer Partnerin zu helfen, jedoch nur wenig Möglichkeiten hat, da auch sie ihre Liebe verborgen halten muss. Die üblichen Figuren wirken realistisch, jedoch etwas blass, da sie nur am Rande vorkommen und keine besondere Tiefe entwickeln können.

 

Stilistisch bietet „Nennen wir sie Eugenie“ einen leicht lesbare, flüssige Geschichte, die ein wenig umfangreicher hätte ausfallen können. Maria Braig hat einen sehr nüchternen, direkten Stil, der sich auf das wesentliche beschränkt. Wie schon bei den anderen Werken der Autorin wünscht man sich einfach mehr, um noch tiefer in die Geschichte einsteigen zu können und eine größere emotionale Bindung mit Eugenie aufbauen zu können, insbesondere als sie in Deutschland ist und sich in diesem, ihr fremden Land zurechtfinden muss.

 

Fazit:
„Nennen wir sie Eugenie“ ist ein schöner Kurzroman mit Potenzial nach oben. Maria Braig spricht zwei wichtige Themen an: Homosexualität in Afrika (Senegal) und das deutsche Asylverfahren. Sehr nüchtern und direkt schildert sie Eugenies Leben, ihre Ängste, Sorgen und Probleme. Hin und wieder fehlt dem Leser zwar die Bindung zur Hauptfigur, doch man kann sich gut in Eugenie hineinversetzen. Wer sich für die Thematik interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Spanische Dörfer

Spanische Dörfer - Wege zur Freiheit (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig

Story:
Drei vollkommen unterschiedliche Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und in der Ferne neu zu beginnen: eine junge Frau, die sich auf der Flucht aus Afrika den Namen La Marche gibt und deren Ziel es ist in Europa ein neues, freies Leben zu beginnen, der junge Transmann Enrique, der Spanien verlässt um in Deutschland einen Job als Architekt zu finden und sein bester Freund Leon, der von Geburt an ein Chromosom zu viel und als mongoloider Mensch mit etlichen Vorurteilen zu kämpfen hat.

 

Die Wege der drei kreuzen sich immer wieder – gerade Enrique und La Marche treffen mehrfach aufeinander, während sie zunächst allein, später zusammen einen Weg suchen, um in Deutschland einen Platz zu finden. Doch da sie sind genauso große Außenseiter sind wie Leo, fällt es ihnen nicht leicht, sich eine Zukunft aufzubauen.

 

Eigene Meinung:
„Spanische Dörfer“ ist der neueste Roman der Autorin Maria Braig, die sich vorwiegend auf die Themen Flüchtlinge, LGBT und die damit einhergehenden Probleme spezialisiert hat. So erschienen beim Verlag 3.0 bereits die Romane „Amra und Amir“ und „Nennen wir sie Euginie“, die beide von Flucht, Abschiebung und Homo- bzw. Transsexualität handeln.

 

Auch in „Spanische Dörfer“ bleibt sich die Autorin ihrer Linie treu und widmet sich dem Leben und den Problemen unterschiedlicher, gesellschaftlicher Außenseiter. Die Flüchtlingsthematik wird mit La Marches Flucht aus Afrika und den Schwierigkeiten ihrer Reise quer durch Europa sehr eindringlich beschrieben. Enriques Transsexualität bestimmt den zweiten großen Themenkomplex des Buches, da er zwar weitestgehend umoperiert ist, jedoch nicht den letzten Schritt wagen will. Mit Leo führt die Autorin zudem einen sehr intelligenten und offenen Menschen mit Down Syndrom ein, der es sich zum Ziel gesetzt hat Lehrer zu werden. Diese drei Schicksale werden teils sehr geschickt, teils ein wenig konstruiert miteinander verwoben. Im Grunde sind die Themen sehr interessant, da sie viel Potenzial bieten und zum Nachdenken anregen, doch die knapp 200 Seiten sind einfach zu wenig, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Im Grunde hätte man zu jeder einzelnen Hauptfigur ein Buch schreiben können, denn genügend Stoff bieten alle drei. So sind die einzelnen Probleme und Schicksale zwar durchaus nachvollziehbar, doch Maria Braig gelingt es leider nicht dem Leser die Hauptfiguren näherzubringen. Viele Dinge werden zusammengefasst, interessante Dialoge ausgeblendet oder nur rückblickend erzählt. So schafft man es leider nicht sich in die Charaktere hineinzuversetzen, denn es fehlen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt. Zudem stolpert man beim Lesen über einige Logiklücken – La Marches schwimmende Durchquerung der Straße von Gibraltar, Leos Sprache und seine ganze Art, die nur bedingt seinen mongoloiden Charakter widerspiegelt oder auch Enriques Gründung eines Dorfes, das allen Menschen offensteht (wobei das wahrscheinlich der Kürze der Beschreibungen zum Ende des Buches hin zuzuschreiben ist).

 

Auch die Charaktere bleiben recht flach, da man nur schwer Zugang findet. Am ehesten kann man sich noch mit Enrique identifizieren, da seine Gedanken hinsichtlich seiner Transsexualität wirklich nachvollziehbar und interessant sind. Gerade bei transidente Menschen werden von Maria Braig sehr stimmungsvoll und authentisch in Szene gesetzt. La Marche ist durch ihre Unnahbarkeit nur schwer zu fassen, zumal man auch nicht erfährt, was genau in ihrer Vergangenheit vorgefallen ist, um sie zur Flucht zu bewegen. Der dritte Hauptcharakter ist zwar sehr sympathisch und wächst dem Leser durch seine lockere, offene Art schnell ans Herz, hat jedoch nur auf dem Papier das Down-Syndrom. Weder spricht er wie ein mongoloider Mensch, noch hat er die typischen Verhaltensmuster. Im Nachwort werden die Gründe von der Autorin zwar angeführt, doch man fragt sich, warum sie überhaupt einen Charakter mit Behinderung eingefügt hat, wenn diese nicht zum Tragen kommt. Der Leser bekommt ein vollkommen falsches Bild von Menschen mit Down Syndrom, wenngleich die Krankheit natürlich unterschiedlich ausfallen kann.

 

Stilistisch legt Maria Braig einmal mehr ein sehr knappes Werk vor, bei dem viele Szenen und Dialoge zusammengefasst werden. Es ist durchaus gut lesbar, da die Autorin einen angenehmen, flüssigen Stil hat, doch mehrfach wünscht man sich eine ausführlichere Darstellung der Ereignisse. Ein wenig befremdlich ist auch, dass die drei Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, stilistisch verschieden angelegt sind: Leon berichtet aus der Ich-Perspektive (was diesen lebendiger macht), Enriques und La Marches Geschichten werden in der dritten Person erzählt. Besonders verwirrend wird es allerdings, wenn beide zusammen sind und sich die Perspektiven der beiden vermischen.

 

Fazit:
„Spanische Dörfer“ ist ein interessanter Roman, der einige wichtige Themen zur Sprache bringt, die allzu oft wegignoriert werden. Allein deswegen sollte man „Spanische Dörfer“ eine Chance geben und einen Blick riskieren. Allerdings gelingt es Maria Braig nicht, eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufzubauen – trotz ihrer Eigenarten und Probleme bleiben sie leider recht blass. Schade – hier hätte man mehr draus machen können. Wer sich für die Themen interessiert, sollte in die Leseprobe schnuppern.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Amra und Amir

Amra und Amir (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig
Story:
Kurz nach ihrem 18. Geburtstag entwickelt sich das Amras Leben in einen Albtraum. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, Freunde und einen Ausbildungsplatz besitzt, will man sie in den Kosovo abschieben, aus dem ihre Eltern vor ihrer Geburt geflohen sind. Alle Kämpfe, Klagen und öffentliche Kampagnen nützen nichts – Amra kommt in ein Land, wo sie weder die Sprache beherrscht, noch dem sie sich verbunden fühlt. Ihre Zuflucht ist der Bruder ihrer Mutter, bei dem sie unterkommt. Allerdings wird ihr schnell klar, dass Frauen im Kosovo keinerlei Rechte besitzen und als ihr Onkel sie verheiraten will, läuft sie weg, um auf eigenen Beinen zu stehen. Um zu überleben gibt sich das knabenhafte Mädchen als Junge aus und nennt sie sich fortan Amir …

Eigene Meinung:
Mit „Amra und Amir“ schneidet Maria Braig gleich zwei brisante Themen an: Transgender und Flüchtlinge. Gerade letzteres wird sehr ausführlich umschrieben und dargelegt, da sich die Autorin vorwiegend mit der Thematik Flucht, hiesige Asylverfahren und dem Leben von Flüchtlingen auseinandersetzt. Doch auch Amras/Amirs Schwanken zwischen Mann/Frau machen einen großen Teil der Geschichte aus.
Inhaltlich entwirft Maria Braig ein wahres Horrorszenario für die junge Amra. Auf knapp 200 Seiten schildert sie Amras Abschiebung, ihr Leben im Kosovo und die Probleme, die sie bewältigen muss. Dass es die junge Frau nicht leicht hat, insbesondere weil sie eher wie ein junger Mann denkt und fühlt, wird schnell klar. Zwar arrangiert sie sich mit den Gegebenheiten und schafft es auf eigenen Beinen zu stehen, sieht jedoch keinerlei Zukunft für sich und ihr Leben. Als ihre Freunde Nina und Stefan auch noch zu Besuch kommen und ihre Situation sehen, wird es fast unerträglich für Amra (zumal sie Nina auch noch näher kommt). Doch ein Leben in Deutschland im Schatten der Legalität ist alles andere als einfach …

Was dem Buch fehlt ist die Nähe zu den Figuren und ein wirkliches Eintauchen in die Handlung. So spannend die Thematik sein mag und so realistisch die Autorin das Szenario aufgebaut hat (im Nachwort schreibt sie, dass etliche Dinge zum großen Teil auf wahren Ereignissen beruhen), so schafft sie es doch nicht, dem Leser die Figuren näherzubringen. Dazu schreitet sie zu schnell voran, übergeht wichtige Szenen und Gespräche und fasst Schlüsselmomente zusammen. Man kann sich einfach nicht in die Charaktere hineinversetzen, da die Autorin keine Figur wirklich lebendig gestaltet. „Amra und Amir“ wirkt mehr wie eine Zusammenfassung, ein Tatsachenbericht (der einem zumeist unrealistisch vorkommt, da man nicht sagen kann, ob die Ereignisse wirklich so passieren könnten, oder übertrieben sind), der zwar von der Grundidee spannend ist, jedoch zu unpersönlich zu Papier gebracht wurde. Es fehlen einfach die Reaktionen der Charaktere, das Eintauchen in deren Gefühlswelten und eindringlichere Szenen. Das Buch schafft es zwar zum Nachdenken anzuregen, doch es berührt den Leser nicht, da dafür die persönliche Bindung zu den Charakteren fehlt.

Aus diesem Grund ist es auch schwierig die einzelnen Figuren zu begreifen und nachzuvollziehen. Amra/Amir ist ein toller Charakter, gerade ihre Ansichten bezüglich ihrer Sexualität und der Thematik Transgender ist interessant, doch es fehlt der Tiefgang. Maria Braig kratzt eher an der Oberfläche, wenn es um sie/ihn geht. Auch ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Abschiebung und zu ihrem Leben im Kosovo werden kaum beleuchtet. Sicher, sie ist schockiert, entsetzt und panisch, aber der Leser fühlt diese Dinge nicht. Die übrigen Figuren sind noch blasser – Nina und ihre Gefühle sind nur schwer zu begreifen, und Amras Mutter ist ebenfalls kaum verständlich in Szene gesetzt. Da wird ihre Tochter abgeschoben und sie scheint nichts zu unternehmen – weder fährt sie zu ihrem Bruder und besucht Amra, noch reagiert sie, als ihre Tochter verschwindet. Man hat keine Ahnung, was in ihr vorgeht und warum sie nichts macht. Das betrifft auch das Coming-Out ihres Kindes: sie scheint die Schultern zu zucken und sieht darüber hinweg. Allgemein kommt mir Amras Outing zu einfach vor – kaum einer sagt etwas dazu, alle nehmen es wie selbstverständlich hin. Das ist zwar ein schöner Ansatz, wie es sein sollte, aber es entspricht nicht der Realität. Denn gerade Amra/Amirs Entscheidung hinsichtlich ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung werden nicht so leicht von der Umwelt aufgenommen.

Stilistisch ist „Amra und Amir“ gewöhnungsbedürftig. Die Autorin springt sehr oft zwischen den Perspektiven – mal erzählt Amra/Amir, dann Nina, Stefan, Amras Mutter oder unbedeutende Nebenfiguren, was es zusätzlich erschwert, sich mit den Figuren zu identifizieren. So schön die Ereignisse im Kosovo und Amras/Amirs Überleben geschildert sind und so sehr die Autorin mit ihren Beschreibungen schockiert und zum Nachdenken anregt, es fehlt einfach der Tiefgang. Die Themen sind toll gewählt und teils sehr gut umgesetzt, dennoch hat man das Gefühl, nur an der Oberfläche zu kratzen, weil man einfach nicht Teil der Geschichte ist.

Fazit:
Trotz aller Kritikpunkte ist „Amra und Amir“ ein Buch, das man allein wegen der Flüchtlingsthematik lesen sollte. Maria Braig berichtet von einem Schicksal, das in dieser Form wahrscheinlich jeden Tag in Deutschland passiert und den Leser zum Nachdenken anregt. Leider geht das Buch nicht tief genug um wirklich zu berühren – man ist schockiert, entsetzt und will helfen, aber man kann sich nicht mit Amra/Amir identifizieren. Dafür sind knapp 200 Seiten leider zu wenig. Schade – da hätte man mehr draus machen können.
Quelle: http://www.like-a-dream.de

Sie Sturmfalken von Olbian

Die Sturmfalken von Olbian - Amber Leann Porter

Story:
Als Sidhe Metra (Zwitterwesen) ist Jaweds Leben auf Kronnor nicht leicht – als Mädchenjunge verspottet, mag er zwar der illegitime Sohn des Magoden sein, hat aber nur Kaylin, die zu ihm steht und ihn vor den Angriffen Gleichaltriger beschützt. Sein Leben nimmt eine rasante Wendung, als der Kämpfer Caron von Olbian ihn seinen Schwestern vorzieht und mit ihm eine eheähnliche Bindung eingeht. Jawed hat anschließend gar keine andere Wahl, als Caron nach Sanka zu begleiten – der Hauptstadt der Sidhe, wo die Sankanischen Spiele stattfinden, an denen sein Ehemann teilnehmen will. Auch Kaylin findet (als Junge verkleidet) ihren Weg in die Goldene Stadt, kommt dort jedoch bei dem Norrlänischen Kämpfer Thore unter, der sie als Knappen anstellt.

 

Während Jawed seinen Mann besser kennenlernt und sich recht schnell in den wortkargen Mann verliebt, entdeckt er, dass Sidhe Metra keine Seltenheit sind und nicht überall verfolgt werden. Allerdings werden die Tage vor den großen Wettkämpfen durch eine grausame Mordreihe getrübt, der fremdländische Teilnehmer der Sankanischen Spiele zum Opfer fallen und die schon bald Jawed, Kaylin und ihre neuen Gefährten in Atem halten …

 

Eigene Meinung:
„Die Sturmfalken von Olbian“ ist der erste Band einer längeren Fantasy-Reihe, die aus der Feder Leann Porters stammt. Bereits in ihrem Debüt „Die Rache des Sidhe“ entführt die Autorin in die Fantasywelt Danu, mit dem vorliegenden Buch wagt sie sich jedoch in ein anderes Land. Zudem wagt sie sich mit Jawed an einen intersexuellen Charakter, da er sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsmerkmale hat.

 

Inhaltlich wartet Leann Porter mit einer sehr farbenprächtigen, gut durchdachten und sehr komplexen Fantasywelt auf, in die man schnell Eintauchen kann. Wer ihr Debüt bereits kennt, weiß um die Halbsidhe, die in den meisten Ländern aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten gejagt und versklavt werden. Auch Jawed, der heilen kann, und Kaylin, die auf Tiere einwirken kann, wachsen als unfreie Halbsidhe in Kronnor auf, wenngleich Jawed als Sohn des Magoden ein paar wenige Freiheiten genießt. Erst das Auftauchen der Olbianer markiert den Anfang größerer Abenteuer, da beide ihre Heimat verlassen, um in Sanka ihr Glück zu finden. Die Goldene Stadt ist ebenfalls sehr lebendig und gut nachvollziehbar gestaltet – die unterschiedlichen Viertel, die Bewohner und das politische System im Hintergrund. Leann Porter gelingt es, die Stadt greifbar zu machen und man hat mehr als einmal das Gefühl mit Kaylin durch die Straßen zu streifen.

 

Die Mordreihe, die ab der zweiten Hälfte zunehmen Raum einnimmt, sorgt für Spannung, kommt aber insgesamt ein wenig zu kurz. Gerade Gespräche und Überlegungen über die Vorfälle werden oftmals rückblickend oder zusammenfassend erzählt, was schade ist – es wäre schöner gewesen, wenn dieser Punkt stärker ausgearbeitet worden wäre. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf Jaweds Gefühle für Caron und deren Beziehung, die zu Beginn durch Missverständnisse geprägt ist. Dementsprechend lange dauert es, bis sich die beiden zusammenraufen. Wesentlich spannender und interessanter ist es jedoch Kaylin und Thore zu begleiten, die zunächst Freunde und später ein Paar werden. Es macht einfach Spaß die beiden Dickköpfe zu begleiten und an ihrer Seite die Stadt zu entdecken.

 

Ein großer Pluspunkt sind die toll ausgearbeiteten Charaktere – der sanfte, sehr schüchterne Jawed, der im Laufe der Geschichte Selbstvertrauen gewinnt und lernt seine Natur als Sidhe Metra zu akzeptieren. Seine Partner Caron ist ebenfalls sympathisch, wenngleich ruhiger und ernster, was an den Geheimnissen liegt, die er vor Jawed verbirgt. Die freche, selbstbewusste Kaylin kann ebenfalls durch ihre Stärke und ihr offenes Naturell überzeugen, ebenso der offenherzige, lockere Thore, der mit fast der ganzen Stadt befreundet ist und Wein, Weib und Gesang liebt.
Auch die Nebenfiguren sind sehr authentisch und bleiben dem Leser im Gedächtnis: Gared, der Lehrmeister von Jawed und Kaylin, Moran Al’Thane – Anführer der Wache und Hauptmann bei den Mordermittlungen, die übrigen Sidhe Metra, die Jawed im Laufe der Zeit kennenlernt. Sie geben den passenden Rahmen, wenngleich es fast zum Ende hin ein wenig zu viele Sidhe Metra gibt, die mit ihren Männern in Sanka sind. Da vermisst man fast ein wenig schwule, lesbische und heterosexuelle Pärchen, denn davon lernt man im Grunde keine kennen.

 

Stilistisch bewegt sich Leann Porter auf gewohnt hohem Niveau. Gerade die Beschreibungen der Goldenen Stadt und der einzelnen Stadtviertel ist wirklich toll – man kann sich Sanka beinah bildlich vorstellen. Auch die Figuren werden natürlich beschrieben und sind sehr gut nachvollziehbar. Das betrifft sowohl die Dialoge untereinander, als auch die einzelnen Aktionen und Reaktionen, und natürlich die erotischen Szenen. Letztere haben genau die richtige Länge – sind nicht zu lang, aber dennoch sehr gefühlvoll beschrieben. Zudem scheut sich die Autorin nicht auch Hetero-Erotik zu beschreiben, was in einem Gay Fantasy eher selten der Fall ist (wobei ich „Die Sturmfalken von Olbian“ nicht einmal als Gay Fantasy bezeichnen würde, da im Grunde kein wirklich schwules Paar vorkommt. Vielmehr handelt es sich bei dem Roman um einen queeren Fantasy, der mehr zu bieten hat als die üblichen stereotypen Geschlechterrollen).

 

Fazit:
„Die Sturmfalken von Olbian“ ist ein gelungener, gut geschriebener Fantasy, der mit ungewöhnlichen Charakteren und einer spannenden Handlung aufwartet. Ein wenig mehr hätte sich Leann Porter zwar auf den Kriminalfall konzentrieren können, anstatt auf die Beziehungsprobleme der Charaktere, doch das stört nicht, da man Jawed, Kaylin und ihre Freunde gerne begleitet und Spaß daran hat die Entwicklung der Helden zu erleben. Wer ungewöhnliche Fantasy mag und kein Problem mit queeren Figuren hat, sollte sich „Die Sturmfalken von Olbian“ nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

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Elfenprinz - Verrat

Elfenprinz: Verrat - Fantasy Romance (Elfenprinz-Reihe 2) - Ray van Black

Story:
Der Elf Elyon hat nahezu sein ganzes Leben in einem Turm verbracht und von der Welt außerhalb seines Zimmers geträumt. Als eines Nachts ein Fremder auftaucht und ihn kurz darauf mit einigen Männern aus der Einsamkeit befreit, kann Elyon sein Glück kaum fassen. Delavar schenkt ihm nicht nur die Freiheit und zeigt ihm die Stadt, er lässt sich auf den naiven Elyon ein, beantwortet dessen Fragen und beschützt ihn vor den Gefahren, die überall lauern. Schon bald empfindet der junge Elf mehr für seinen Retter, ohne zu ahnen, das Delavar seine eigenen Pläne verfolgt …

 

Eigene Meinung:

„Verrat“ ist der zweite Band der „Elfenprinz“-Reihe von Ray van Black. Die Bücher erscheinen im Eigenverlag und können unabhängig voneinander gelesen werden, da in jedem Buch ein anderer Prinz im Mittelpunkt steht. Lediglich als Nebenfiguren können die Charaktere anderer Romane in Erscheinung treten.

 

Aus diesem Grund fällt der Einstieg ein wenig schwer, denn wer darauf gehofft hat, dass die Geschichte von Telyrs und Nathraen fortgeführt wird, wird enttäuscht – Ray van Black konzentriert sich auf ein gänzlich anderes Pärchen. Leider kommt man als Leser wesentlich schlechter in die Handlung, als es in „Verführung“ der Fall war. Das liegt zum einen an der recht seltsamen Grundidee, zum anderen an den vielen Logiklücken, die sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte ziehen. Da kann Elyon plötzlich ohne Probleme den Schutzschild des Zimmers durchdringen (obwohl das davor nur zu einer bestimmten Zeit möglich war) und der Fliehende wird von den Wachen sofort als Prinz identifiziert, obwohl er doch vor Jahrzehnten als tot erklärt wurde. Auch sonst war die Geschichte dieses Mal sehr inkonsistent, die Intrigen nur schwer nachvollziehbar und die Charaktere unheimlich kindisch und naiv. Gerade Elyons Naivität war mit der Zeit wirklich nervend, zumal er Dinge tut, die absolut idiotisch sind. Mal will er unbedingt auf ein Schiff, weil er noch nie dort war und Delavar fast schon bedrängt, dann setzt er absichtlich die Bibliothek in Brand, weil er seine Kräfte ausprobieren will und hofft sogar auf ein Lob von Delevar! Spätestens da konnte man den Helden nicht mehr ernst nehmen – Naivität schön und gut, aber Elyon wurde extrem kindisch und nervend dargestellt. Dementsprechend befremdlich waren die Erotikszenen, da man Elyon nicht als Erwachsenen sieht, sondern als 10 bis 12-jährigen Jungen.

 

Auch Delevar war in sich völlig unlogisch aufgebaut. Einerseits Weiberheld und durch und durch heterosexuell, dennoch schläft er mit Elyon, weil … warum wird leider nicht so ganz klar. Auch sonst hat einen extrem sprunghaften Charakter – man weiß nicht auf welcher Seite er steht, allerdings ist dieser Punkt nicht mysteriös oder spannend, sondern mitunter recht enervierend. Das liegt auch daran, das er extrem schnell seine Meinung ändert und man seinen Stimmungsumschwung fast nicht mehr nachvollziehen kann.

 

Auch sonst gibt es unheimlich viele Füllszenen, die nichts mit der Geschichte zu tun haben – unsinnige Aktionen in der Stadt, unglaubwürdige Reaktionen seitens Delevar und eine Menge Szenen, in denen sich die Figuren näherkommen sollen, obwohl sie eigentlich nicht zueinander passen. Es wird mehrfach deutlich, dass Delevar keinerlei Interesse an Männern hat, Elyon dementsprechend harsch zurückweist und versucht sich von ihm fernzuhalten. Elyon klammert sich jedoch wie ein verzogenes Kind an seinen Retter, was mit der Zeit immer schwerer nachzuvollziehen ist. Leider trifft das auf die meisten Szenen des Buches zu.

 

Stilistisch ist „Elfenprinz – Verrat“ in Ordnung – Ray van Black hat einen flüssigen Stil, der durch schöne Beschreibungen besticht. Leider fehlen trotz allem die wirklich bildhafte Darstellung der Stadt, das Miterleben der Abenteuer, in die Elyon stolpert und das flirrende Leben der Elfen. Einzig die Beschreibungen rund um den Palast der Sonnenelfen waren sehr stimmungsvoll, auch wenn sich hier mitunter die meisten Logiklücken tummelten.
Auch die Dialoge konnten dieses Mal nicht überzeugen – zu kindisch war Elyon dargestellt, zu wechselhaft Delevar. Die Gespräche zwischen ihnen waren nur schwer nachvollziehbar, was dafür gesorgt hat, dass sich das Buch ungemein in die Länge zog.

 

Fazit:
Leider markiert „Verrat“ einen Tiefpunkt der „Elfenprinz“-Reihe. Ray van Black kann leider nicht an die solide Geschichte des ersten Bandes anknüpfen, was an den unglaubwürdigen Charakteren, den vielen Logiklücken und dem unrealistischen Handlungsbogen liegt. Schade – es wäre besser gewesen, den ersten band fortzusetzen, anstatt mit Elyon und Delevar ein neues Pärchen einzuführen. Leider nicht zu empfehlen.

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Highspeed Love

Highspeed Love: Roman - Chris P. Rolls

Story:
Für den Motocrosser Cole gibt es nur rein Ziel: seinen ärgsten Konkurrenten Miles besiegen und den Titel an sich zu reißen. Sein Vorhaben gerät ins Wanken, als sein Mechaniker nach einem Schlaganfall ausfällt und er einen neuen auswählen muss. Seine Entscheidung fällt ausgerechnet auf Miles Zwillingsbruder Maxwell, dem man nachsagt vor Jahren das Motorrad seines Bruders manipuliert und einen schweren Unfall verursacht zu haben. Von seinen Teamkollegen skeptisch beäugt, beginnt Maxwell mit seiner Arbeit und sorgt dafür, dass Coles Maschinen tatsächlich besser werden und dem Rennfahrer die ersten Siege bescheren. Dennoch bereitet Maxwells Anwesenheit Cole zunehmend Probleme, denn seine wachsenden Gefühle für seinen Mechaniker drohen sein bestgehütetes Geheimnis zu enthüllen: seine Homosexualität.

Eigene Meinung:
Chris P. Rolls ist eine der bekanntesten deutschen Gay Romance Autoren und blickt auf eine beeindruckende Anzahl veröffentlichter Bücher zurück. Im Gegensatz zu den meisten anderen Romanen von ihr, ist das Buch „Highspeed Love“ nicht im Selbstverlag erschienen, sondern bei Forever, dem eBook-Label von Ullstein. Hier erschien auch der Gay Romance „Böse Jungs“ von Susann Julieva.

Die Autorin siedelt die Geschichte in einem interessanten Metier an: dem professionellen Motorsport, einer von Männern dominierten Welt. Frauen haben da kaum eine Chance, Homosexualität wird zumeist ebenfalls totgeschwiegen, wie man es leider auch bei anderen sehr dominanten Sportarten vorfindet (Baseball, Eishockey, Fußball). Dementsprechend hält Cole seine sexuelle Neigung geheim und versucht sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen. Dieser Konflikt ist dank seiner wachsenden Gefühle für Cole einer der Dreh- und Angelpunkte der Geschichte. Die Männer kommen sich logischerweise näher – zunächst auf freundschaftlicher Basis, später geht ihre Beziehung durchaus tiefer. Neben der gut ausgebauten, nachvollziehbaren Liebesgeschichte zwischen Cole und Maxwell, stehen auch die Motorcross-Rennen und damit einhergehend ein kleinerer Krimiplot im Zentrum von „Highspeed Love“. Letzterer entspinnt sich durch den Verdacht auf Sabotage innerhalb mehrerer Teams, was während der Saison mehrere Unfälle zur Folge hat. Die Auflösung wirkt zwar ein wenig flach, der Schuldige fast ein wenig zu klischeehaft, doch Chris P. Rolls baut Spannung auf und bietet dem Leser mehr als eine typische Liebesgeschichte mit Erotik. Gerade hinsichtlich der erotischen Szenen hält sich Chris P. Rolls zurück – zwar gibt es Sexszenen, doch sie bestimmen nicht den Hauptteil der Handlung, zumal Cole und Maxwell lange brauchen, um so weit zu sein.

Die Charaktere sind sympathisch und gut nachvollziehbar – Cole ist ein angenehmer Protagonist, den man schnell ins Herz schließt. Er hat seine Ecken und Kanten, doch man kann seine Einstellung gut nachvollziehen. Fast noch interessanter ist Maxwell, der zu Beginn sehr geheimnisvoll und wortkarg daherkommt und lange braucht um aufzutauen. Die beiden Charaktere passen auf jeden Fall gut zusammen – die Atmosphäre zwischen ihnen stimmt.
Auch die Nebenfiguren bieten einige interessante Persönlichkeiten, allen voran Coles Manager, der sich wirklich beeindruckend für seinen Schützling in die Bresche wirft und dabei nicht einmal vor dessen Vater halt macht. Miles bleibt leider ein wenig blass, wenngleich er zum Ende hin ein wenig stärker ins Zentrum rückt. Ein wenig befremdlich finde ich die Meinung seines Bruders Maxwell, dass Miles ebenfalls schwul sein muss, weil sie eineiige Zwillinge sind – meines Wissens nach wird Homosexualität nicht vererbt, weswegen ich an diesem Punkt immer wieder ins Stolpern kam.

Stilistisch gibt es wenig zu bemängeln – Chris P. Rolls hat einen angenehm lesbaren, flüssigen Schreibstil, der den Leser schnell in seinen Bann zieht. Aus Coles Sicht wird die Geschichte erzählt, was dafür sorgt, dass man sich recht schnell mit dem Rennfahren identifizieren kann und die adrenalingetränkten Rennen genauso intensiv miterlebt, wie seinen Kampf gegen die Gefühle, die er für Maxwell entwickelt. Man merkt zudem, dass sich die Autorin mit dem Motorcross auseinander gesetzt hat – sie verwendet Fachbegriffe, achtet auf korrekte Abläufe und die viele Feinheiten hinsichtlich Presse, Sponsoren und innerhalb der verschiedenen Teams. Dadurch wirkt „Highspeed Love“ realistisch – man denkt sich einfach in Coles Welt ein.

Fazit:
„Highspeed Love“ ist ein gelungener Gay Romance, der mit einer guten Mischung aus Action, Spannung und Liebesgeschichte aufwartet. Dank der sympathischen Charaktere und der langsam wachsenden Beziehung zwischen Cole und Maxwell macht die Lektüre Spaß und bietet kurzweilige Unterhaltung. Wer Chris P. Rolls Bücher kennt und mag, sollte sie den Roman nicht entgehen lassen, wer einmal in das Genre hineinschnuppern will, ist ebenfalls an der richtigen Adresse. Bis auf ein paar kleine Schnitzer (Auflösung der Krimi-Handlung, Homosexualität bei eineiigen Zwillingen) zu empfehlen.

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Duell der Prinzen

Das Duell der Prinzen: Roman - Viola Siegemund, C.S. Pacat

Story:
Um einen Krieg zwischen den verfeindeten Ländern Vere und Akielos zu verhindern, ist Damen, hinter dem sich eigentlich Prinz Damanios von Akielos verbirgt, gezwungen mit Laurent, dem Thronfolger des Landes Vere zusammenzuarbeiten. Gemeinsam werden sie von Laurents Onkel an die südliche Grenze geschickt, um das Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Damen wird schnell klar, dass der gegenwärtige Regent in keiner Weise das Wohl seines Neffen im Sinn hat. Alles deutet darauf hin, dass Laurent auf dem Weg in den Süden getötet werden soll, was dem nahenden Krieg neue Nahrung geben würde. Während Laurent alle Hände voll zu tun hat, die Intrigen seines Onkels abzuwehren und sich auf seine Art der Unterstützung der Nachbarländer zu versichern, versuchte Damen aus den Männern, die Laurents Heer begleiten, eine funktionierende Einheit zu machen. Inmitten der harten Kämpfe, komplexen Intrigen und detaillierten Planungen kommen sich die beiden Prinzen unweigerlich näher. Aus Respekt wird Freundschaft und letztendlich kann sich Damen der Anziehungskraft Laurents nicht mehr verwehren …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Roman „Duell der Prinzen“ erschien Anfang 2016 der zweite Band der Erfolgsreihe „Captive Prince“ von C.S. Pacat – dieses Mal jedoch nur als eBook. Leider scheint der dritte Roman, der noch am Ende des Buches mit dem Titel „Rückkehr des Prinzen“ angekündigt wurde, nicht mehr als Einzelband zu erscheinen. Stattdessen wurde ein Sammelband, der alle drei Bücher enthalten soll für den Januar 2017 von Heyne angekündigt.

 

„Duell der Prinzen“ setzt dort an, wo Band 1 endete und führt die Geschichte um Damen und Laurent spannend weiter. C.S. Pacat gelingt es das Potenzial der Geschichte um ein Vielfaches zu steigern und den Vorgängerroman in mehrfacher Hinsicht zu übertreffen. Die Handlung besticht erneut durch komplexe Intrigen, doppelbödige Elemente und eine so vielschichtige Handlung, dass man wirklich konzentriert bei der Sache bleiben muss, um alle Andeutungen und Hinweise zu verstehen. Dabei werden auch offene Punkte vom ersten Band aufgegriffen oder einige Ereignisse präsentieren sich urplötzlich in einem neuen Licht, so dass die Geschichte immer logischer und in sich schlüssiger wird. Dadurch fesselt auch der zweite Band der Reihe von der ersten bis zur letzten Seite und es fällt schwer das Buch zur Seite zu legen.
Die Autorin baut einmal mehr auf eine intrigenreichen Geschichte, die dieses Mal auch von einigen Kampf – und Actionenszenen unterbrochen wird, da es erstmals auch zu Schlachten kommt. Dadurch wirkt „Duell der Prinzen“ wesentlich dynamischer und interessanter als Band 1, der sich vorwiegend im Palast abgespielt hat und wo Damens „Spielwiese“ auf wenige Zimmer beschränkt war. Sicherlich gibt es auch im zweiten Band viele Beschreibungen und Hintergrundinformationen (so erfährt man durch Damen endlich mehr über den Staatstreich seines Bruders und die Hintergründe zu seiner Degradierung zum Sklaven), aber es gibt auch mehr Action, so dass die Geschichte ausgewogener geworden ist.

 

Natürlich kommen sich Damen und Laurent endlich näher, wenngleich von einer romantischen Liebesbeziehung keine Rede sein kann. Stattdessen bekommt man von C.S. Pacat eine realistische und glaubwürdige Beziehung präsentiert, die im Grunde nicht gut enden kann – etwas, was beide Protagonisten wissen. Dennoch spürt man das Knistern zwischen Laurent und Damen, die Gefühle, die beide füreinander entwickeln und die in einer gemeinsamen Nacht enden.

 

Neben der komplexen Handlung können einmal mehr die Figuren überzeugen. Laurent und Damen entwickeln sich im Laufe der Ereignisse weiter, und werden endlich zu Kampfgefährten und Freunden, die einander respektieren. Damen lernt im Laufe der Zeit Laurent besser kennen und verstehen, und ist bald der einzige, der Laurents uneingeschränktes Vertrauen genießt. Zudem vertieft sich sein Interesse an Laurent, der Damens Gefühle sogar teilweise erwidert.
Auch Laurent wird im Laufe der Zeit greifbarer, was daran liegt, dass er sich Damen gegenüber öffnet und immer wieder einen Blick auf seine wahre Natur gewährt. Natürlich ist er für Damen und damit auch für den Leser zumeist undurchsichtig, seine Aktionen nur schwer nachvollziehbar, doch er taut während der Reise zur Grenze spürbar auf.

 

Auch die Nebenfiguren sind starke, in sich logisch handelnde Persönlichkeiten. C.S. Pacat führt eine Vielzahl interessanter Charaktere ein, wobei auch alte Bekannte einen kürzeren oder längeren Auftritt bekommen. Jord und Orlant, die Damen im Palast bewacht haben, nehmen einen größeren Part ein, während der 13-jährige Nicaise nur am Rand auftaucht. Mit Aimeric taucht eine neue Figur auf, die im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle spielt und auch die Herrscher der Südreiche von Vere bekommen ein wenig mehr Gewichtung. Alles in allem geben sie Laurent und Damen einen passenden Rahmen, um sich zu entwickeln und die Geschichte voranzutreiben.

 

Stilistisch ist „Duell der Prinzen“ gut gelungen und mitreißend umgesetzt. C.S. Pacats Schreibstil ist sehr komplex, sie nutzt gerne ungewöhnliche Wörter und Beschreibungen, was den Charme ihrer Schreibstils ausmacht. Die deutsche Übersetzung wirkt dieses Mal flüssiger und passender, wenngleich sie noch immer nicht die Eleganz des englischen Originals einfangen können. Leser, die des englischen mächtig sind, sollten vielleicht testweise in die englische Leseprobe schnuppern, bevor sie sich für die deutsche oder englische Fassung entscheiden.

 

Fazit:
Mit „Duell der Prinzen“ schließt C.S. Pacat an den Erfolg des ersten Bandes an und führt die Geschichte um Laurent und Damen überzeugend und intrigenreich fort. Dank der komplexen Handlung und der vielschichtigen Charaktere gehört „Captive Prince“ zurzeit zu den besten Gay Fantasy Reihen, die es auf dem Markt gibt. Da Heyne sich für eine preiswerte Gesamtausgabe der Reihe entschieden hat und Band 3 nicht mehr separat veröffentlichen wird, fällt es schwer den zweiten Band zu empfehlen – wer „Captive Prince“ kennenlernen möchte, sollte am besten bis 2017 warten, wer Band 1 mochte ebenfalls. Insbesondere da „Duell der Prinzen“ mit einem bösen Cliffhanger endet.

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Blutzoll der Wölfe (Band 1 und 2)

Blutzoll der Wölfe Band 1 - Alegra Cassano Blutzoll der Wölfe Band 2 - Alegra Cassano

Story:
Morgans Leben scheint beendet, als der Wolfswandler Waydar mit seinem Rudel in das Dorf des jungen Mannes kommt und ihn als Blutzoll fordert. Doch während die anderen ausgewählten Menschen schnell von den übrigen Wölfen gefressen werden, verzichtet Waydar darauf Morgan zu jagen, da der junge Mann starke Anziehungskraft auf ihn ausübt. Schon bald sind Gefühle im Spiel, denn nicht nur Waydars Interesse an Morgan wächst, dieser fühlt sich ebenfalls zu dem Wolf hingezogen. Allerdings beginnen damit die Probleme, denn Waydar ist auf dem Weg zu seiner eigenen Hochzeit mit der ältesten Tochter der Silberfelle – ein Bündnis, das von seinem eigenen Vater bereits vor Jahren geschlossen wurde. Zudem erwachen in Morgan Kräfte, die schnell zeigen, dass in ihm das Erbe eines Bestadors schlummert, des einzigen Wesens, das in der Lage ist einen Wolfswandler zu töten …

 

Eigene Meinung:
Mit den ersten beiden Romanen zu „Blutzoll der Wölfe“ legt Alegra Cassano den Auftakt ihrer Gestaltwandler-Fantasy-Reihe vor, die den Leser bereits nach wenigen Seiten in den Bann zieht. Derzeit arbeitet die Autorin am dritten Buch der Reihe, in der es Morgan und Waydar über das Meer in ein unbekanntes Land führt. Wer abgeschlossene Geschichten bevorzugt, sollte vor dem Lesen mindestens die ersten beiden Bände kaufen, denn die Handlung von Band 1 geht nahtlos in Band 2 über und wird weitestgehend abgeschlossen.

 

Inhaltlich erwartet den Leser eine sehr komplexe, intrigenreiche Geschichte, die ungemein fesselnd ist und sich dadurch angenehm von den üblichen Gay Fantasy Romanen abhebt. Die Autorin fordert damit den Leser heraus, hellwach zu sein und selbst mitzudenken, denn eine simpel gestrickte Liebesgeschichte, in der es nur darum geht, dass Morgan und Waydar zusammenkommen, gibt es hier nicht. Während er Anfang der Geschichte noch recht seicht anmutet, wird es spätestens mit dem Auftauchen von Waydars zukünftiger Braut und ihrem Clan, dem Rudel um Waydars ehemaligen Lehrmeister Alasar und der Nebenhandlung zu Morgans Vater spannender und komplexer. Alegra Cassano baut eine Menge Seitenstränge ein und wirft etliche Fragen auf, die erst nach und nach beantwortet werden. Das liegt zum einen an der Vielzahl verschiedener Charaktere, die im Laufe der knapp 800 Seiten auftauchen, zum anderen an den vielschichtigen Hintergründen. Zudem folgt sie dem Motto: „Keine Aktion ohne Reaktion“, denn viele Dinge, die die Handlung vorantreiben, passieren nachdem die Figuren agiert haben. Hin und wieder passt sie jedoch diese Aktionen der Handlung an, da einige Charaktere unlogisch handeln und Dinge tun, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Glücklicherweise halten sich derartige Schnitzer in Grenzen, so dass man trotzdem mitfiebert- und rätselt.

 

Schade ist ein wenig, dass man so wenig über die Fantasywelt von Morgan und den Wolfswandlern erfährt. Es wäre schön gewesen, mehr von dem Land zu erfahren, den Wesen, die dort leben und den Gesetzen außerhalb der Wölfe. Doch gerade die Menschen und ihre Probleme kommen ein wenig kurz. Vielleicht kommt ja im dritten Band mehr zu den unterschiedlichen Ländern und dem großen Ganzen der Welt (Lebewesen, Gesetze etc.).

 

Ein großer Pluspunkt sind die unterschiedlichen Charaktere, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen. Die Autorin konzentriert sich nicht auf Morgan und Waydar, sondern beleuchtet nach und nach alle relevanten Figuren bzw. lässt sie selbst zu Wort kommen. Erst dadurch gelingt es Alegra Cassano die komplexe Geschichte nachvollziehbar zu erzählen, denn die Menge an Ereignissen, die ineinander greifen und für die ein oder andere Überraschung sorgen, wären ansonsten für den Leser kaum in Einklang zu bringen. Dazu muss man schon alle Figuren und deren Beweggründe kennen und ihre Aktionen direkt miterleben. Hin und wieder handeln die Charaktere zwar unlogisch, doch alles in allem kann man die einzelnen Protagonisten sehr gut nachvollziehen. Auch wachsen sie dem Leser ans Herz – ganz besonders Nebencharaktere wie Bastor oder Dood.

 

Stilistisch legt Alegra Cassano ein solide geschriebenes Werk vor, das durch einen hohen Wortschatz und tolle, sehr umfangreiche Beschreibungen besticht. Die Perspektive springt zwischen den Figuren, sprich die Autorin nutzt eine auktoriale Erzählweise um die Geschichte zu erzählen. Das ist wichtig, denn nur so kann man die Handlungen der Charaktere nachvollziehen. Wer es gewohnt ist, Bücher zu lesen, die aus Sicht einer Figur geschrieben sind, wird anfangs eventuell Probleme haben, doch man findet sich schnell ein und lässt sich gefangen nehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist auch, dass Alegra Cassano auf übermäßig viele erotische Szenen verzichtet – natürlich schlafen Morgan und Waydar immer mal wieder miteinander, doch Sexszenen sind eher kurz gehalten, werden teilweise sogar ausgeblendet, da sich die Autorin vollkommen auf die Geschichte konzentriert.

 

Fazit:
„Blutzoll der Wölfe“ ist ein solider, gut geschriebener Fantasy-Roman, der durch eine sehr komplexe, gut durchdachte Handlung und eine Vielzahl lebendiger Charaktere besticht. Alegra Cassano ist ein wundervoller, fesselnder Auftakt gelungen, den Fans aufwendiger und verstrickter Handlungsbögen auf jeden Fall lesen sollten. Da beide Bände ursprünglich zusammengehören, sprich „Butzoll der Wölfe“ aufgrund des Umfangs getrennt wurde, sollte man Band 2 griffbereit haben, wenn man den ersten Teil ausgelesen hat. Es lohnt sich auf jeden Fall der Geschichte um Waydar und Morgan eine Chance zu geben. Zu empfehlen!

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Die Schwimmbad-Bibliothek

Die Schwimmbad-Bibliothek - Alan Hollinghurst
Story:
Der junge Adelige William Beckwith genieß sein Leben in vollen Zügen: Partys, erotische Exzesse und ohne finanzielle Sorgen lebt der schwule Mann im London der 80er Jahre in den Tag hinein. Erst als er dem alten Lord Nantwich auf einer Toilette das Leben rettet, ändert sich sein Leben Stück um Stück. Der ehemalige Kolonialbeamte bittet den jungen Mann nämlich darum, seine Memoiren zu schreiben und übergibt Will einige seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Obwohl Will weniger daran interessiert ist, liest er sich doch in Nantwichs Leben ein und taucht in die damalige Zeit ein, in der Homosexualität noch strafbar war. Gleichzeitig lernt er den jungen Bodybuilder Phil kennen und lieben, und beginnt eine lose Beziehung mit ihm.

Eigene Meinung:
Der Roman „Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst erschien bereit 1988 und zählt zu den Klassikern der schwulen Literatur. Mit seinem Debüt gewann der Autor unter anderem den „Somerset Maugham Award“ und „E. M. Forster Award of the American Academy of Arts and Letters“. Auch Hollinghursts spätere Werke brachten ihm weitere Preise ein und fast durchweg positive Kritiken, weswegen er zu den bedeutendsten modernen, englischsprachigen Schriftstellern gehört.

Inhaltlich legt der Autor einen kritischen Gesellschaftsroman vor, bei dem eher die Charaktere und deren Vergangenheit und die schwule Subkultur der 80er Jahre im Zentrum stehen. Er spielt zu einer Zeit, in der Aids noch keine große Rolle spielte und konzentriert sich fast vollständig auf die schwule Szene Londons. Das fällt ganz besonders an dem Punkt auf, dass es keinerlei weibliche Figuren gibt. Außer Williams Schwester, die nur am Rand erwähnt wird, kommt keine Frau vor. Man hat fast das Gefühl, als würde der Hauptcharakter das weibliche Geschlecht überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, sondern sich rein auf die Männer der Schöpfung konzentrieren. An seiner Seite lernt der Leser das schwule London der 80er Jahre kennen und taucht ein in eine recht schamlose, zügellose Welt ein, denn William lässt wahrlich nichts anbrennen. Finanziell abgesichert, treibt er ohne Ziel durchs Leben und macht sich mit seiner Einstellung nicht nur Freunde. Erst als Nantwich in sein Leben tritt und ihn bittet seine Memoiren zu schreiben, ändert sich Maxwell ein wenig.

Nantwichs Tagebucheinträge lassen nicht nur Will einen Blick in die Vergangenheit werfen – in eine Zeit, in der Homosexualität strafbar war und mit Zuchthaus geahndet wurde. Man erfährt mehr über Nantwichs Schulzeit und seine Arbeit in Afrika, die Gefahren, die mit seinen Vorlieben einhergingen und ihn schließlich sogar ins Gefängnis bringen. Dass der alternde Beamte Will aus gutem Grund ausgewählt hat, wird erst am Ende deutlich und offenbaren eines der Grundthemen des Romans: Homophobie. Diese kommt sowohl in der Vergangenheit (Nantwichs Inhaftierung und der gesellschaftliche Skandal), als auch in Williams Gegenwart (z. B. der Angriff der Rechten auf Will) zum Tragen.

Die Charaktere wirken sehr authentisch – William ist nicht unbedingt der sympathische Held, mit dem man mitfiebert, da er mitunter recht arrogant und überheblich daher kommt. Dennoch machen ihn diese Ecken und Kanten menschlich, zumal er Potenzial bietet, sich im Laufe der Geschichte weiterzuentwickeln. Nantwich bleibt die meiste Zeit ein Buch mit sieben Siegeln, da seine Beweggründe recht schleierhaft bleiben und man seine Tagebuchauszüge eher bruchstückhaft serviert bekommt. Die übrigen Figuren bilden den passenden Rahmen für Wills Entwicklung und machen mitunter die schwule Szene erst lebendig: Wills bester Freund James, der schüchterne Phil, die Herren des Clubs – ganz gleich ob sie homosexuell sind oder nicht. Es ist spannend diese Charaktere durch Wills Augen zu sehen, ihre Aktionen und Reaktionen.

Stilistisch legt Alan Hollinghurst ein beeindruckendes Werk vor. Wer eher leichte Unterhaltung gewohnt ist, wird am Anfang Schwierigkeiten haben, sich auf den belletristischen und gehobenen Stil einzulassen. Der Autor hat eine sehr feine, direkte Sprache, die sich besonders in den Dialogen und Beschreibungen zeigt. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist direkt und bringt die Geschichte mit einer gewissen sprachlichen Eleganz zu Papier. Explizite Szenen werden direkt umschrieben, ohne platt und aufgesetzt zu wirken. Hin und wieder wirken einzelne Passagen allerdings zu ausufernd, so dass der Leser schnell den Bezug zur Geschichte verliert.

Fazit:
„Die Schwimmbad-Bibliothek“ von Alan Hollinghurst ist ein interessanter, gesellschaftskritischer Roman, der durch die Figuren, die sprachliche Finesse und den gelungenen Einblick in die schwule Subkultur der 80er Jahre lebt. Der Autor gewann zurecht Preise für dieses bemerkenswerte Debüt, da es verschiedene Probleme (auch innerhalb der schwulen Szene) anspricht und damit zum Nachdenken anregt. Wer gehobene Literatur bevorzugt und sich nicht vor einigen ausufernden Szenen scheut, sollte einen Blick riskieren. Zu empfehlen.
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Indianer im Kopf

Indianer im Kopf: Eine lesbische, humorvoll-spirituelle, kriminalistische Liebesgeschichte - Corinna Behrens

Story:
Als der alte Pfarrer der Gemeinde in Ruhestand geht und das evangelische Pastorenpärchen Huber vorgestellt wird, gerät Jackies Leben gehörig aus den Fugen. Nicht nur verliebt sie sich fast auf den ersten Blick in Mirjam Huber, ihr Mann scheint ihr nur wenig Sympathie entgegen zu bringen. Dementsprechend problematisch wird ihr Arbeitsverhältnis, denn sie arbeitet in der evangelischen Verwaltung, was bedeutet, dass sie permanent auf der Hut sein muss. Zu allem Überfluss sieht sie nach einer gemeinsamen Meditation (inkl. traditionellem Kiffen) mit ihrer spiritistischen Freundin Monika immer wieder Spirit Hawk und die alte Indianerin Mahpea, ganz besonders wenn es um Mirjam und deren Mann geht. Nur was haben ihre Träume und Visionen wirklich zu bedeuten?

 

Eigene Meinung:
Mit dem humorvollen Romane „Indianer im Kopf“ legt der Butze Verlag einen weiteren lesbischen Liebesroman vor. Dieses Mal stammt es aus der Feder Corinna Behrens, deren erste Romane im Eigenverlag erschienen sind.

 

Der Roman verspricht eine amüsante, chaotische Handlung und ungewöhnliche Charaktere, was die Autorin teilweise auch halten kann. Auf den ersten Blick wirkt das Setting dennoch außergewöhnlich, denn die Geschichte der gläubigen Jackie in Kombination mit dem spiritistischen Glauben der Indianer ist zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dennoch kommt man recht schnell in die Handlung und freundet sich mit den unterschiedlichen Charakteren der kleinen Gemeinde an. Es macht Spaß Jackie zu begleiten, während sie tunlichst um Fettnäpfchen herummanövriert und versucht sich in die geänderten Bedingungen (neuer Pfarrer, ihre Liebe zu einer verheirateten Frau) klarzukommen. Dabei wird schnell klar, dass sie ein ziemlicher Feigling ist – weder steht sie zu ihrer Sexualität, noch lehnt sie sich gegen Ungerechtigkeiten auf, denn zumeist verkriecht sie sich oder kuscht vor den Leuten, die sie niedermachen. Mit ihren dreißig Jahren wirkt sie daher eher wie ein Kind, was nur bedingt glaubwürdig daherkommt. Ihre Feigheit zieht sich leider durch den Großteil der Handlung, was mit der Zeit doch ermüdend ist, da man fast zu lange darauf wartet, dass Jackie endlich aktiv wird. Besonders im letzten Viertel, wo noch ein kleiner Thriller eingebaut wird, wünscht man sich wirklich, die Heldin würde schneller schalten.

 

Was ebenfalls ein wenig schwer im Magen liegt, ist die Tatsache, das einmal mehr die Männer die Antagonisten sind – etwas, was in lesbischen Romanen sehr oft vorkommt (neben der neidischen Ex oder zickigen Kolleginnen). In diesem Fall ist Pfarrer Huber gleich so klischeehaft böse, dass man nur genervt den Kopf schüttelt. Das trifft auch auf seinen „Komplizen“ zu, was „Indianer im Kopf“ einen faden Beigeschmack gibt.

 

Dennoch sind die Charaktere liebenswert gestaltet – gerade Jackie schließt man schnell ins Herz, wenngleich sie zum Ende hin aufgrund ihrer Feigheit doch einige Sympathiepunkte einbüßt. Mirjam kommt leider ein wenig blass daher, da sie fast ausschließlich auf ihre Opferrolle reduziert ist. Es ist schade, dass ihr der Tiefgang fehlt und sie ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nimmt. Sie ist einfach zu passiv. Dafür kann Monika bereits nach wenigen Seiten von sich und ihrer leicht abgehobenen Art überzeugen. Es macht Spaß die Passagen mit ihr zu lesen, insbesondere wenn es um ihre Meditation und die Sessions geht, in der sie mit den Geistern der Indianer kommuniziert.
Wie bereits erwähnt haben nahezu alle Männer (selbst der alte Pfarrer, der wie ein Vater für Jackie ist) einen recht negativen Touch. Huber ist natürlich der Schlimmste – arrogant, frauenfeindlich und gewalttätig. Einerseits gibt es (wahrscheinlich) solche konservativen Kirchenmänner, andererseits wirkt es hier einfach zu dick aufgetragen. Er ist der klassische „Bösewicht“, der keinerlei positive Eigenschaften zu haben scheint.

 

Stilistisch ist „Indianer im Kopf“ durchaus gelungen – Corinna Behrens hat einen angenehmen, lebendigen Stil, der den Leser einen direkten Einblick in Jackies Gedanken- und Gefühlswelt ermöglicht. Man merkt, dass die Autorin Ahnung von dem hat, was sie beschreibt – sowohl von Frauenfußball (Jackie spielt aktiv in einer Mannschaft), als auch was die Arbeit innerhalb der evangelischen Kirche anbelangt. Auch die Verknüpfung zur indianischen Kultur ist gelungen. Wer einen lockeren, humorvollen Schreibstil mag, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

 

Fazit:
„Indianer im Kopf“ ist ein schöner, humorvoller Roman für Zwischendurch, der mit einem schönen Schreibstil und einer ungewöhnlichen Story punkten kann. Leider muss man einige Abstriche in Kauf nehmen, die das Lesevergnügen trüben – zum einen Jackies Feigheit, die die Geschichte zusätzlich in die Länge zieht, zum anderen die Tatsache, dass die Herren der Schöpfung fast komplett negativ rüberkommen. Das mag nicht jeden stören, mir missfiel es jedoch mit der Zeit. Dennoch sollte man dem Buch eine Chance geben, denn die Mischung ist auf jeden Fall innovativ und letztendlich bekommt man eine solide Liebesgeschichte präsentiert. Reinschauen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Ein Känguru wie du

Ein Känguru wie du - Ulrich Hub, Jörg Mühle

Story:
Der Tiger Pascha und der Panther Lucky arbeiten mit ihrem Zirkusdirektor auf ihren ersten großen Auftritt hin. Kurz vorher keimt in den beiden Tieren ein schrecklicher Verdacht –ihr Tiertrainer ist schwul, immerhin hat er keine Frau, ist unsportlich und kommt sehr gepflegt daher. Ohne zu Zögern laufen sie weg, da sie nicht von einer „Schwuchtel“ trainiert werden wollen. Auf der Flucht stoßen sie in einem Boxclub auf einen echten Kerl – das boxende Känguru Django, das noch keinen Kampf verloren hat. Die drei werden Freunde und als Django schließlich offenbart, dass er schwul ist, beginnen die kleinen Raubkatzen umzudenken und müssen sich eingestehen, dass es doch nicht so furchtbar ist, wie sie gedacht haben …

 

Eigene Meinung:
Das illustrierte Kinderbuch „Ein Känguru wie du“ stammt von Ulrich Hub und wurde von Jörg Mühle illustriert. Es erschien im Dezember 2015 beim Carlsen Verlag und basiert auf dem gleichnamigen Kinder-Theaterstück von Ulrich Hub, der das Thema „Anders sein“, Akzeptanz und Toleranz bereits in seinen früheren Stücken und Büchern behandelt hat. Das Theaterstück „Ein Känguru wie du“ läuft seit 2014 auf verschiedenen Bühnen in ganz Deutschland und wurde u.a. von der Jugend-Jury des Mülheimer KinderStückePreises ausgezeichnet.

 

Kindgerecht und mit schönen Illustrationen versehen, lernt der junge Leser die beiden Raubkatzen Pascha und Lucky kennen, die zusammen mit ihrem Tiertrainer für ihren ersten Auftritt proben. Dabei ist Lucky der geschicktere und talentiertere, da Pascha immer wieder die einzelnen Schritte vergisst und mitunter Fehler einbaut. Sie fühlen sich wohl, da sich ihr Trainer fair verhält und sich um sie kümmert. Das ändert sich erst, als sie von einer Gruppe Robben darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihr Herrchen schwul ist und diese nach Abwägen von Pro und Contra zustimmen müssen. Während Pascha wesentlich toleranter ist, will Lucky unter keinen Umständen für eine „Schwuchtel“ arbeiten und plant davon zu laufen – am besten Richtung Meer, denn beide Raubkatzen haben noch nie einen Strand gesehen. Ihre Flucht führt sie schließlich zu Django, der offen schwul lebt, jedoch ein Außenseiter ist. Die Drei freunden sich an und es entwickelt sich eine spannende Geschichte, die mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten kann.

 

Inhaltlich gelingt Ulrich Hub das Thema altersgerecht zu verpacken. Natürlich gibt es etliche Klischees, die bemüht werden, aber das schwule Leben ist teilweise nun einmal klischeeverpackt und viele angesprochene Probleme gibt es auch in der Wirklichkeit. Dank der kleinen Raubkatzen können sich Kinder gut in die Figuren hineinversetzen und sich mit dem Thema Homosexualität und Toleranz auseinandersetzen. Zudem bemüht sich der Autor darum, auch andere Aspekte einzuweben, die zur Thematik passen, z.B. sich eine eigene Meinung zu bilden und auch mal aus dem Rahmen zu fallen, wenn man Dinge mag, die eigentlich für einen Jungen oder ein Mädchen unüblich sind, weil andere darauf beharren. Dabei bemüht sich der Autor darum, die Moral der Geschichte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu präsentieren, sondern treibt die Geschichte mit Bedacht voran.

Die Charaktere sind sympathisch und liebevoll ausgearbeitet – Pascha, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist recht naiv und orientiert sich zu Beginn zumeist an der Meinung seines Freundes Lucky. Erst nach und nach entwickelt er sich weiter und erkennt, dass er sich selbst ein Urteil bilden kann. Auch Lucky macht durch die Ereignisse eine Entwicklung durch, denn er revidiert seine Vorurteile schnell und wird dadurch sympathischer. Im Gegenzug zu den beiden Raubkatzen, die wie Kinder handeln und denken, wirkt Django erwachsener und gefestigter. Er weiß, wo er im Lebe steht und was er erreichen möchte. Zudem ist er offen und versteckt nicht, wer er ist und wen er liebt.

 

Neben dem kindgerechten und passenden Schreibstil des Autors können auch die Zeichnungen überzeugen – sie sind recht einfach gehalten, passen aber zu der Geschichte der beiden Raubkatzen. Hin und wieder muten die Illustrationen zwar ein wenig eckig an, doch alles in allem gibt Jörg Mühle der Geschichte einen würdigen Rahmen.

 

Ein wenig irritierend ist jedoch die Vermarktungspolitik von Carlsen – so schön das Buch (Hardcover, vollfarbig) daherkommt, es stimmt nachdenklich, dass man im Klappentext auf dem Buch auf die Bezeichnung „schwules Känguru Django“ verzichtet, sprich das Wörtchen schwul lieber nicht aufgeführt hat, während es im Klappentext auf der Verlagsseite durchaus zu finden ist. Das ist sehr schade, da es den Eindruck vermittelt, der Verlag akzeptiere die Besonderheit Djangos nicht und fürchte im direkten Verkauf schlechtere Absatzzahlen – was auf den Leser in gewisser Weise intolerant und konservativ wirkt.

 

Fazit:
„Ein Känguru wie du“ ist ein gelungenes Kinderbuch über Toleranz, Akzeptanz und Freundschaft, das der Zielgruppe (Kinder ab 8) uneingeschränkt empfohlen werden kann. Ulrich Hub behandelt ein sensibles Thema ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Witz, Charme und Fantasie. Jörg Mühles Zeichnungen passen zur Geschichte der beiden Raubkatzen Pascha und Lucky. Wer Kinder im passenden Alter hat oder allgemein mit ihnen arbeitet, sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben. Zu empfehlen.

Quelle: http://www.like-a-dream.de

Paranormal Investigations - Liebe

Paranormal Investigations 5: Liebe - Bianca Srubar, Ally Blue

Story:
Sam und Bo haben es endlich geschafft – sie werden von ihren Freunden akzeptiert und leben offen ihre Liebe füreinander auf. Einzig Bos Exfrau Janine legt den beiden Männern regelmäßig Steine in den Weg, ganz besonders wenn es um die Bos Kinder Dean und Adrian geht. Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu, als in Janines Haus seltsame Dinge geschehen und Adrian erste Anzeichen einer psychokinetischen Begabung zeigt. Während Janine nichts davon wissen will, wächst Bos Sorge um seine Söhne, denn in seinem unkontrollierten Zorn ist Adrian theoretisch in der Lage, Portale zu öffnen und den schrecklichen Kreaturen den Weg zu ebnen, denen sich das Team von BCPI immer wieder stellen musste. Sam, der Adrians Begabung teilt, beginnt diesen zu unterrichten, doch Janine setzt alles daran, die Kinder endgültig von Sam und Bo zu trennen …

 

Eigene Meinung:
Der Roman „Liebe“ markiert das Ende der 5-bändigen „Paranormal Investigations“-Reihe von Ally Blue, wenn man von den beiden Spin-Offs absieht, die sich um Dean und Adrian drehen. Die Romane erschienen komplett im Cursed-Verlag und beenden den Zyklus um Sam und Bo.

 

Inhaltlich schließt „Liebe“ grob an die Ereignisse der vorherigen Bände an, liefert jedoch keinerlei Erklärungen oder Antworten auf offene Fragen. Stattdessen entwickelt Ally Blue eine eigenständige Geschichte, verknüpft sie jedoch einmal mehr mit der altbekannten Portal-Thematik, die ebenso verworren und diffus bleibt, wie in den letzten Romanen. Es ist sehr schade, dass auch der Finalband der „Paranormal Investigations“- Reihe keine offenen Punkte zum Abschluss bringt und stattdessen einen lauwarmen Aufguss der üblichen Handlungselemente nebst Höhepunkten bietet. Einziger Pluspunkt: Sam und Bo reden endlich offen miteinander (wer Band 4 gelesen hat, weiß, wie enervierend es ist, wenn die Figuren ihr Wissen für sich behalten) und es kommt erstaunlich wenig Sex vor. Während die letzten beiden Bände vor Erotik nur so strotzten, fallen Sam und Bo in „Liebe“ nur wenige Male übereinander her. Das kommt der Handlung zugute, denn Ally Blue konzentriert sich mehr auf Adrian und dessen Probleme, ebenso die Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen Janine und Bo. Dennoch kommt die Geschichte nicht wirklich in Fahrt – die Handlung tröpfelt vor sich hin, Spannung fehlt zumeist und das Ende wirkt dermaßen überstürzt (und kitschig), dass man das Buch leider nur frustriert beiseitelegen kann. Wer hofft, dass die Autorin endlich an Band 2 anknüpft und mehr zu den Portalen verrät, wird automatisch enttäuscht – Ally Blue scheint sich keine Gedanken über das Thema gemacht zu haben.

 

Charakterlich bekommt der Leser die üblichen Stereotypen präsentiert – Sam ist ein ziemliches Weichei, was vor allem daran liegt, dass er oftmals zugunsten Bos auf seine eigene Meinung zu verzichten scheint und sich mit Vorliebe hinter die Schusslinie zurückzieht; mit seinem Partner Bo wird man nur langsam warm, da er trotz aller Vorzüge recht arrogant und egoistisch daherkommt. Am schlimmsten ist jedoch Janine, die das weibliche Hassbild in einem Gay Romance Roman ist – gemein, überheblich, boshaft. Sie scheint kaum positive Eigenschaften zu haben, erst am Ende taut sie ein wenig auf, was jedoch aufgesetzt und nicht realistisch wirkt. Adrian ist im Gegenzug dazu eigentlich ganz sympathisch, wäre er nicht so perfekt! Er scheint binnen weniger Wochen das zu meistern, was Sam erst nach Monaten, wenn nicht Jahren hinbekommen hat, ist superintelligent und wirkt sehr erwachsen. Das geht dem Leser mit der Zeit doch auf den Nerv, da er gar nicht wie ein normales Kind wirkt (von seinen Ausbrüchen einmal angesehen).

 

Das größte Manko ist jedoch die deutsche Übersetzung – ich weiß nicht, ob am letzten Band eine andere Übersetzerin saß, doch die Geschichte liest sich noch hölzerner und stockender, als zuvor. Man hat viele Probleme mit Ally Blues Stil, einige Sätze wirken, als seien sie 1:1 vom englischen ins deutsche übernommen worden, ohne sich über Sprachrhythmus und sprachliche Eigenheiten Gedanken zu machen. Es liest sich einfach unrund, was man besonders bei langen Sätzen merkt – die holpern extrem und machen teilweise überhaupt keinen Sinn.

 

Fazit:
Leider kann auch der letzte Band von „Paranormal Investigations“ nicht überzeugen, was zum einen an der langweiligen, vorhersehbaren Geschichte, zum anderen an der wirklich holprigen, unprofessionellen Übersetzung liegt. Weder kann man sich in die Charaktere hineinversetzen, noch bekommt man endlich Antworten zur Portalfrage geliefert – ein schwaches Finale, das nur in einer Sache punkten kann: Ally Blue verzichtet auf übermäßige Sexszenen. Schade, um die interessante Idee und den ursprünglichen Paranormal-Ansatz (von dem man ab Band 3 nur noch wenig mitbekommt). Wie gut, dass es vorbei ist …

Quelle: http://www.like-a-dream.de